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Wolfsberg. Eine aktuelle Analyse der Umweltorganisation Greenpeace zeigt: Österreichs Städte ächzen unter der Hitze – und Wolfsberg steht laut dem Bericht an der Spitze der Belastung. Von den 80 bevölkerungsreichsten Städten des Landes verzeichnete die Lavanttaler Bezirkshauptstadt im Vorjahr 40 Hitzetage und hat gleichzeitig den geringsten Grünanteil im Zentrum: 17,5 Prozent. Eine Kombination, die keine andere Stadt in Österreich so stark trifft.
»Bäume und Grünflächen sind das beste Mittel gegen Hitze. Sie kühlen ihre Umgebung spürbar – durch Schatten und Verdunstung«, sagt Melanie Ebner, Bodenschutzexpertin bei Greenpeace. Doch genau dieses kühlende Grün fehlt in vielen Städten, besonders im Süden und Osten Österreichs.
Während laut der Studie Städte wie Leibnitz (36,8 Prozent Grünanteil), Klosterneuburg oder Groß-Enzersdorf mit über 45 Prozent Grünflächen zumindest teilweise Abkühlung bieten, zeigt sich in Wolfsberg das Gegenteil: viel Stein, wenig Schatten, Hitze.
»Man könnte die Parkflächen am Bahnhof mit Photovoltaik überdachen«
Hermann Nebel, Trafikant am Bahnhofplatz
Check in der City am vergangenen Sonntag: Es ist kurz nach zehn Uhr am Hohen Platz. Die Sonne brennt mit fast 30 Grad auf das graue Pflaster, die Luft steht, kein Windhauch. Es wurde seit der Umgestaltung des Hohen Platzes oftmals kritisiert, dass alles »zubetoniert« wurde.
Dieter Bardel, Trafikant am Hohen Platz, sagt: »Das gesamte Konzept für die Neugestaltung der oberen Stadt wurde ja noch nicht umgesetzt. Am Getreidemarkt sind bei dem Projekt viele Bäume geplant. Ob das je umgesetzt wird, ist aber aufgrund der finanziellen Situation fraglich.«
Der Trafikant meint weiter, dass der Schlosswald, der Kapuziner- und der Stadtpark im Umkreis von lediglich drei Gehminuten liegen. »Mich stört die ständige negative Berichterstattung über den Hohen Platz. Ich wohne und arbeite hier und wir haben es hier schön«, so Bardel.
Doch der Hohe Platz ist nicht der einzige in der Bezirkshauptstadt, auf dem man keinen Schatten findet. Auch am Bahnhofsplatz sucht man vergeblich Schattenspender. Hermann Nebel, Trafikant am Bahnhofsplatz, erzählt: »Früher gab es hier einige Bäume, aber die wurden bei der Umgestaltung von rund 20 Jahren gefällt. Jetzt gibt es keinen Schatten mehr.« Doch Nebel klagt nicht nur, er bringt auch einen Vorschlag: »Man könnte die Parkflächen mit Photovoltaik überdachen. Das hätte gleich mehrere Vorteile: So würde Schatten gespendet – und Strom erzeugt.« Den Vorschlag hat Nebel bereits bei mehreren Politikern deponiert, ist dabei aber auf taube Ohren gestoßen.
Kritik von Grün und Türkis
Für die Wolfsberger Grünen ist die Greenpeace-Studie ein Weckruf. Gemeinderat Michael Hirzbauer: »Was wir jeden Sommer spüren, ist jetzt schwarz auf weiß belegt: Wolfsberg braucht dringend Abkühlung.« Die Forderungen der Grünen: mehr Bäume, Entsiegelung, Trinkbrunnen, konsumfreie Abkühlungsorte, klimafitte Gestaltung zentraler Plätze. Der Bahnhofsplatz ist laut Hirzbauer ein Paradebeispiel: »Wo heute Beton dominiert, könnten zusätzliche Bäume und Begrünung die Aufenthaltsqualität verbessern.«
Auch die Wolfsberger ÖVP kritisiert die Stadt: »Hätte man bereits vor sechs Jahren begonnen, Schritt für Schritt zusätzliche Bäume und Grünflächen zu schaffen, wäre Wolfsberg heute besser auf die zunehmenden Hitzeperioden vorbereitet. Stattdessen wurde wertvolle Zeit verloren.« Die ÖVP wolle daher bei der nächsten Gemeinderatssitzung einen konkreten Antrag zur Begrünung einbringen.
Verbesserungen in Sicht
Die Stadtgemeinde Wolfsberg bestätigt die Problemlage – und verweist auf laufende Maßnahmen. Hitze-Hotspots wie der Hohe Platz, der Getreidemarkt und die Altstadt seien sehr wohl bekannt, man setze Maßnahmen. Geplant sind unter anderem mobile Pflanztröge mit integrierten Sitzbänken am Hohen Platz, zusätzliche Begrünungselemente an Mauersockeln, am Rathausplatz sollen die bestehenden Sitzgruppen mit Rankgittern oberhalb der Sitzflächen ergänzt werden, die künftig als Träger der Begrünung dienen und natürlichen Schatten spenden sollen. Der Grundsatzbeschluss wurde im Gemeinderat bereits gefasst, die Umsetzung soll heuer starten.
Parallel dazu verweist die Stadt auf zahlreiche Projekte im Rahmen der Klima- und Energiemodellregion sowie der Klimaanpassungsregion: Trinkbrunnen, Workshops, Sonnenschutzaktionen, Baumpflanzungen, Messsensoren, Drohnenbefliegungen zur Erfassung von Wärmeinseln und eine Videoreihe zum klimafitten Bauen. Ab September 2026 sollen außerdem kommunale Gebäude systematisch auf Hitzebelastung geprüft und angepasst werden.
Die Stadt Wolfsberg übt auch Kritik an den von Greenpeace für die Studie ausgewählten Orten: So sei der Bereich des Fachmarktzentrums an der Spanheimerstraße Teil des untersuchten Bereichs, während der Kapuzinerpark ausgeschlossen worden sei.

Von Michael Swersina
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