Weniger Insolvenzen und Konkurse, aber Sicherheit ist laut KSV trügerischAusgabe 25 | Mittwoch, 23. Juni 2021

Im ersten Halbjahr 2021 schlitterten deutlich weniger Unternehmen in die Insolvenz. Auch bei der Zahl der Privatkonkurse sind die Zahlen rückläufig. KSV1870 erwartet aber ab Herbst zunehmende Insolvenzen.

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Lavanttal. Im ersten Halbjahr 2021 wurden im Bezirk Wolfsberg über Eigenantrag vier Insolvenzverfahren (drei Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung und ein Konkursverfahren) eröffnet. »Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres sind um 43 Prozent weniger Firmen in die Insolvenz geschlittert. Erfreulich ist, dass bei den drei Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eine Entschuldung über einen Sanierungsplan beabsichtigt ist bzw. ein Sanierungsplan bereits angenommen wurde«, so Barbara Wiesler-Hofer, Leiterin KSV1870 Klagenfurt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahrs gab es sieben insolvente Unternehmen.

Auch bei den Verbindlichkeiten gibt es einen deutlichen Rückgang. Die Passiva von 2,1 Millionen Euro sind gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs um 42 Prozent gesunken. Im ersten Halbjahr 2020 waren es noch 3,6 Millionen Euro. Die vier eröffneten Insolvenzfälle sind das Konkursverfahren WKS Isoliertechnik GmbH in Wolfsberg mit Verbindlichkeiten von rund 1,1 Millionen Euro, die Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung Tischler Adolf Bauer, Bad St. Leonhard, mit Verbindlichkeiten von rund 525.000 Euro (ein 20-prozentiger Sanierungsplan wurde angenommen), Tischler Franz Staubmann, Reichenfels, mit Verbindlichkeiten von rund 400.000 Euro (die Abstimmung über einen 20-prozentigen Sanierungsplan findet in Kürze statt) und Physiotherapeut Andreas Bölsche, St. Stefan, mit Verbindlichkeiten von rund 107.000 Euro (Sanierungsplan mit 20 Prozent wurde angenommen).

»Trügerische Sicherheit«
Verantwortlich für die anhaltend niedrigen Insolvenzzahlen sind laut KSV1870 die »künstlichen Eingriffe der Bundesregierung, dank der sich zahlreiche Unternehmen in einer trügerischen Sicherheit wähnen«. Zwar geht vorübergehend die Zahl der Insolvenzen zurück, gleichzeitig vergrößert sich jedoch der Schuldenberg der Betriebe laufend. Und an dieser Konstellation wird sich aufgrund der angekündigten »Safety Car Phase« für Steuerschulden, die ab kommenden Juli für drei Monate geplant ist, vorläufig wenig ändern. Denn dadurch verlängert sich für Unternehmen nur die Möglichkeit, die Rückzahlung ihrer Schulden hinauszuzögern. »Je länger in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden, desto größer wird der gesamte volkswirtschaftliche Schaden sein«, erklärt Wiesler-Hofer.

Der KSV1870 erwartet ab Herbst 2021 kontinuierlich steigende Insolvenzzahlen. »In den kommenden Monaten werden erste Nachzieheffekte in überschaubarem Rahmen erkennbar sein, die sich definitiv ins Jahr 2022 und darüber hinaus ziehen werden«, erklärt Wiesler-Hofer.

Auch weniger Privatkonkurse
Im ersten Halbjahr 2021 wurden im Bezirk Wolfsberg insgesamt 13 Insolvenzverfahren über Privatpersonen eröffnet. »Das bedeutet einen Rückgang um 38 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 (21 Eröffnungen). Gegenüber dem bis dato letzten ›normalen‹ Jahr 2019 (29 Eröffnungen) fällt die Entwicklung mit einem Minus von 55 Prozent weitaus deutlicher aus«, berichtet die Leiterin des KSV1870 Klagenfurt.

Die Schulden sind um 67 Prozent gesunken und betragen rund eine  Million Euro, 2020 waren es knapp drei Million Euro. »Der Rückgang der Passiva bestätigt den Trend, dass nunmehr wieder weniger Schuldner mit besonders hohen Verbindlichkeiten den Weg zum Insolvenzgericht suchen«, erklärt Barbara Wiesler-Hofer. Ein Blick auf die Statistik zeigt: 77 Prozent gehen auf das Konto von Männern, bei 23 Prozent der Fälle sind Frauen betroffen. Der Anteil der ehemaligen Unternehmer beträgt 30 Prozent.

Neue Novelle
Während im vergangenen Jahr die niedrige Zahl der Privatkonkurse nicht nur den fehlenden Konsummöglichkeiten geschuldet war, sondern die Menschen generell vorsichtiger mit ihrem Geld umgegangen sind, so scheint jetzt die bevorstehende Insolvenznovelle ein starker Faktor zu sein, ein privates Schuldenregulierungsverfahren hinauszuzögern.
Das neue Gesetz, die »Insolvenzordnungsnovelle«, soll aus heutiger Sicht mit 17. Juli 2021 in Kraft treten und für private Schuldner massive Erleichterungen bringen. Wie der Gesetzesentwurf vorsieht, steht eine neuerliche Verkürzung der Entschuldungsdauer von Privatpersonen von fünf auf drei Jahre bevor, die der KSV1870 weiterhin kritisch betrachtet.

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