Artikel
St. Andrä. Es war recht warm im Rathaussaal, als am 30. Juni um 16.05 Uhr die Sitzung des St. Andräer Gemeinderats eröffnet wurde. Offenbar verweigerte die Klimaanlage den Dienst. Dennoch kam es nicht zu heißen Diskussionen. Alle Punkte, auch die Erhöhung der seit 1. Jänner 2025 geltenden Wasserbezugsgebühren – grundsätzlich ein Anlass zu Auseinandersetzungen – wurden einstimmig beschlossen.
Wasser ist derzeit in aller Munde – weil es sehr heiß war und das kühle Nass knapper wird. Das Problem: Zuletzt schrieb der Wasserhaushalt laut Vizebürgermeister Maximilian Peter (ÖVP) ein sattes Minus von rund 500.000 Euro, da für die Erhaltung der angejahrten und daher maroden Infrastruktur viel Geld ausgegeben werden muss. Seit 2014 wurden bei Wasserversorgungsprojekten im Gemeindegebiet rund 4,2 Millionen Euro sowie zusätzliche 1,4 Millionen Euro für den jährlichen Instandhaltungsbetrieb in das Wasserversorgungsnetz investiert.
»Eine mögliche Lösung wäre die Errichtung eines mehrgeschossigen Parkhauses«
Bürgermeisterin Maria Knauder zur Lage am Bahnhof
Und weil weitere Ausbesserungen dringend nötig sind, werden die Wasserbezugsgebühren ab 1. Jänner 2027 erhöht. Derzeit zahlt ein Haushalt in St. Andrä 2,24 Euro pro Kubikmeter Wasser – inklusive zehn Prozent Mehrwertsteuer. Der Mindesttarif wäre aber 2,63 Euro, das maximal Mögliche 5,26 Euro pro Kubikmeter. Die 7.678 Personen, die an die öffentliche Wasserversorgungsanlage angeschlossen sind, müssen ab kommendem Jahr 2,84 Euro pro Kubik bezahlen.
Außerdem wird die seit 2017 unveränderte jährlichen Wasserzählergebühr von 24 Euro inklusive Mehrwertsteuer auf 34,80 Euro erhöht. Für Zähler der Größenkategorie über 20 Kubik pro Stunde werden künftig 155 Euro fällig.
Vizebürgermeister Peter betonte, es handle sich um eine »reine Index-Anpassung«, außerdem bleiben die Kanalgebühren unverändert.
Vergnügungssteuer – für manche
Außerdem wird ab 1. Juli 2026 in St. Andrä auch wieder Vergnügungssteuer bei allen Veranstaltungen mit kommerziellem Charakter eingehoben, was schon im Gemeinderat am 5. Mai diskutiert worden war (wir berichteten). Denn das Land Kärnten hatte zuletzt die generelle Befreiung von der Abgabe kritisch beurteilt. Ausgenommen davon bleiben aber weiterhin Veranstaltungen wie die Sitzungen der Faschingsgilde und das »Gackern«.
Wieder Vizebürgermeister Peter: »Die Unterkärntner Nachrichten haben nach der Mai-Sitzung geschrieben, wenn Melitta Naschenweng beim Gackern auftritt, wird dafür Vergnügungssteuer fällig. Das ist aber nicht richtig. Nur wenn ein kommerzieller Veranstalter auf der Loretto-Wiese ein Naschenweng-Konzert durchführen würde, müsste dafür die Steuer gezahlt werden.« (Anm. der Redaktion: Pardon für das Missverständnis.) Die Vergnügungssteuer wurde ohne Widerstand beschlossen.
Der Gemeinderat setzte auch einen weiteren Schritt für die dringend nötige Sanierung des Dachs der Wohnanlage Götzenhof (wir berichteten) mit der Adresse St. Andrä 3a-c: Für die 1,2 Millionen Euro teure Sanierung wurde ein Kredit über eine Million ausgeschrieben. Die Kärntner Sparkasse erhielt jetzt den Zuschlag. Die verbleibenden 200.000 Euro wird die Stadt selbst aufbringen. Die Sanierung des derzeit mit einer Plane abgedichteten Dachs soll sobald wie möglich beginnen.
Ende des alten Bebauungsplans
Gesetzt wurde auch ein »Meilenstein«, wie es hieß: Der aus den 1970er und 1980er Jahren stammende »Generelle Bebauungsplan«, der detailliert regelte, wie ein Grundstück bebaut werden darf, wurde aufgehoben. Statt 64 Bebauungsplänen gibt es in St. Andrä jetzt nur mehr neun. Vizebürgermeister Peter: »Wir mussten immer wieder Abänderungen durchführen, die nur sehr mühevoll durchzubringen waren. Jetzt gibt es für die Bürger Erleichterungen bei der Dachfarbe und -ausrichtung und mehr.«
Auch Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) war »erleichtert. Wir konnten den Plan vorher in manchen Fällen nicht aufheben, weshalb Menschen wegzogen sind, da sie hier nicht so bauen konnten, wie sie es wollten.«
Einstimmig beschlossen wurde weiters ein Ansuchen an die ÖBB, die die Erweiterung der Parkflächen beim Bahnhof St. Paul und jenem in Jakling in St. Andrä prüfen sollen. Wie berichtet ist es in St. Paul äußerst schwierig, einen freien Platz zu finden. Knauder bezeichnete die Situation als »suboptimal« und hatte auch einen Vorschlag: »Eine mögliche Lösung wäre die Errichtung eines mehrgeschossigen Parkhauses mit einer Photovoltaikanlage.«
Vizebürgermeister Andreas Fleck (SPÖ) berichtete über die Erweiterung der Industrie- und Gewerbezone (IGZ) in Framrach: Um die neuen Grundstücke an Firmen zu veräußern, wird der Makler Peter Dohr mit der Vermittlung beauftragt. Der erwartete Gesamterlös: rund drei Millionen Euro.
Auch Knauder hatte gute Nachrichten: Postbus will ein Shuttle einrichten, dass das frühere Lav-Mobil ersetzt und für Alltagsmobilität sorgt. Der Gemeinderat stimmte der »Willenserklärung« zu, die Stadt will mitmachen.

Von Horst Kakl
Christian Salzmann: »Regionalität funktioniert nur bei Aktionen – für Kunden zählt nur noch der Preis«
Geflügelverarbeiter Wech vergrößert sich abermals: Eine 3.000 Quadratmeter große Halle ist geplant
Lesegütesiegel für die Volksschulen St. Ulrich an der Goding und Jakling
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!