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St. Paul. Nach sieben Jahren an der Spitze der Marktgemeinde St. Paul im Lavanttal kündigt Bürgermeister Stefan Salzmann (SPÖ) an, bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl 2027 nicht mehr anzutreten. Der 43‑Jährige, der seit 2013 in der Kommunalpolitik aktiv ist, will die laufende Periode »mit vollem Einsatz und voller Verantwortung« zu Ende führen – danach aber Platz machen. Seine Entscheidung ist persönlich, aber sie markiert auch das Ende einer Amtszeit, die St. Paul sichtbar verändert hat.
Der Grund für den Rückzug aus der Gemeindepolitik liegt im privaten Umfeld. Im Feber wurde Salzmann Vater der kleinen Mila Valentina. Und so möchte er sich künftig voll und ganz seiner Familie widmen. »Für einen Bürgermeister gibt es keine Karenz«, sagt er und meint weiter: »Wenn meine Frau dann wieder arbeiten möchte, muss ich da sein.« Die vergangenen Jahre als Bürgermeister seien intensiv gewesen, oft sieben Tage die Woche, bis spät in die Nacht. »Ich möchte nicht ständig arbeiten und unterwegs sein. Ich will Zeit mit meiner Familie verbringen und sehen wie meine Tochter aufwächst«, sagt er. Als Salzmann am 7. August 2020 das Bürgermeisteramt übernahm, stand St. Paul vor großen Weichenstellungen. Die Koralmbahn rückte näher, der Intercity-Bahnhof war in Bau, und die Gemeinde musste sich strategisch neu positionieren. Salzmann setzte früh Schwerpunkte: Lebensqualität, Infrastruktur, Nachhaltigkeit und eine klare Öffnung der Gemeinde nach außen.
Positive Bilanz
Mit dem Örtlichen Entwicklungskonzept (ÖEK 2026) wurde ein Rahmen geschaffen, der St. Paul auf die kommenden Jahrzehnte vorbereitet. Parallel dazu wurde der Interkommunale Technologiepark vorangetrieben – mit einer Budgetzusage von 30 Millionen Euro, ein Meilenstein für die wirtschaftliche Zukunft der Region.
Die Eröffnung des Intercity-Bahnhofs 2023 bezeichnet Salzmann als »Jahrhundertprojekt«. Mit der Vollinbetriebnahme der Koralmbahn 2025 rückte St. Paul in eine neue verkehrstechnische Liga auf. »Die Chancen, die sich dadurch ergeben, sind enorm – für Betriebe, für Pendler, für den Tourismus«, sagt er. Die Liste der während seiner Amtszeit umgesetzten Projekte ist lang und reicht von Großinvestitionen bis zu kleinen Verbesserungen im Alltag: So wurden unter anderem Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt bzw. sind im Entstehen, das E-Government wurde ausgebaut und eine Kooperation zwischen der Gustav Mahler Privatuniversität und der Musikschule St. Paul geschlossen, der Lobisserplatz klimafit gemacht, es kam zur Generalsanierung von Straßen und dem Ausbau von Geh- und Radwegen.
Salzmanns Amtszeit brachte auch im sozialen Bereich Fortschritte für die Gemeinde: Es wurden die Kindertagesstätten in St. Paul und Granitztal eingeführt, die Pflegenahversorgung gesichert und das Erlebnisschwimmbad modernisiert. »Mir ging es immer darum, dass jede Generation etwas davon hat«, so Salzmann. Besonders herausfordernd waren für ihn die Jahre 2022 und 2023. »Das Jahrhundert-Hochwasser 2023 werde ich nie vergessen. Es war eine Belastungsprobe für die gesamte Gemeinde. Aber wir haben es geschafft«, sagt Salzmann.
Noch ist es fast ein Jahr bis zu den nächsten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen – wer dabei Spitzenkandidat der SPÖ in St. Paul sein wird, ist derzeit noch offen. »Das werden die Parteigremien rechtzeitig entscheiden«, sagt Salzmann.
Rückkehr in Politik offen
Seine Entscheidung, nicht mehr bei der Bürgermeisterwahl anzutreten wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung mit Applaus aufgenommen. »Das Klima ist ein anderes geworden. 99 Prozent der Entscheidungen waren einstimmig. Gespräche finden wieder auf Augenhöhe statt«, sagt Salzmann. Ob er der Politik ganz den Rücken kehrt, lässt er offen: »Vielleicht trete ich irgendwann wieder auf einer anderen Ebene in Erscheinung.«
// Kurzinterview
Herr Bürgermeister Salzmann, warum gerade jetzt der Rückzug?
Weil es der richtige Zeitpunkt ist. Die Gemeinde steht gut da, und privat hat sich viel verändert. Wir haben ein leichtes Bevölkerungsplus und auch die Jahresrechnung 2025 weit ein kleines Plus auf. Mit der Geburt meiner Tochter Mila Valentina möchte ich nun mehr Zeit für die Familie haben.
Was waren für Sie Highlights in den sieben Jahren?
Die Eröffnung des Intercity-Bahnhofs und die Koralmbahn. Das ist ein Jahrhundertprojekt, das St. Paul nachhaltig verändern wird. Und dass wir eine Zusage von 30 Millionen Euro für den Technologiepark in beim Koralmbahnhof bekommen haben.
Und was bleibt als größte Herausforderung in Erinnerung?
Ganz klar: das Hochwasser 2023. Diese Tage werde ich nie vergessen. Die Gemeinde hat aber gezeigt, wie stark sie zusammensteht.
Gibt es etwas, das Sie nicht geschafft haben?
Ja, den Breitbandausbau. Wir waren bereit, aber die Bundesförderung wurde gestrichen. Das bleibt eine Baustelle.
Werden wir Sie irgendwann wieder in der Politik sehen?
Ich lasse mir alles offen. Ich bin damals nicht angetreten, um als Bürgermeister in Pension zu gehen. Jetzt ist Zeit für die Familie.

Von Michael Swersina
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