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Wolfsberg. Der Bundesschulcluster Hquadrat in Wolfsberg wurde kürzlich zum Treffpunkt für Politik, Wirtschaft und Schüler. Beim diesjährigen Businessday drängten sich zahlreiche Besucher in der Schule – darunter Bürgermeisterin Maria Knauder, Bürgermeister Stefan Salzmann, Nationalrat Christian Ragger, Vizebürgermeister Jürgen Jöbstl, Bundesrätin Claudia Arpa und Bezirkshauptmann Georg Fejan.
Die Koralmbahn
Schulleiter Gerhard Veidl eröffnete die Veranstaltung mit klaren Worten. Die Koralmbahn, so Veidl, sei »weit mehr als ein Infrastrukturprojekt«. Sie stehe für Vernetzung, neue wirtschaftliche Perspektiven und eine Region, die enger zusammenwachse. »Als Schule sehen wir uns als aktiven Teil dieser Entwicklung«, betonte er – und gab damit die Richtung für den Vormittag vor.
Den Auftakt der Vorträge machte Christian Holzer von der ÖBB-Infrastruktur. Er zeichnete den Weg der Koralmbahn von den ersten Planungen bis zur Gegenwart nach und präsentierte beeindruckende Zahlen: Bereits im Feber 2026 nutzten täglich rund 8.000 Menschen die neue Verbindung, 3.500 davon stiegen in St. Paul ein oder aus. Die Bahn sei ein »Gamechanger für die Region«, so Holzer. Doch die Schüler hörten nicht nur zu – sie fragten nach. Und das durchaus kritisch. Besonders viel Applaus erhielt eine Schülerin, die das Problem der Klimatickets auf den Punkt brachte: »Wir bauen Jahrzehnte an einem Millionenprojekt, aber wir kommen nicht einmal mit unseren Tickets hin und her. Warum gibt es kein Südachse-Ticket?« Holzer antwortet: »Es wird an einer Lösung gearbeitet.« Konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht. Auch die Frage nach einer möglichen Reaktivierung der Bahnstrecke nach Zeltweg wurde gestellt. Holzer blieb vorsichtig: Schieneninfrastruktur sei teuer, Entscheidungen müssten gut abgewogen werden. »Wir müssen uns das ehrlich anschauen«, sagte er – und ließ offen, ob es jemals zu einer Wiederanbindung kommen wird.
Hoffnung auf neue Jobs
Der zweite große Themenblock gehörte Johannes Gastrager, Geschäftsführer des Regionalmanagements Lavanttal. Er sprach über den Technologiepark in St. Paul, der langfristig neue wirtschaftliche Impulse setzen soll. Nach Klagenfurt und Villach soll nun auch das Lavanttal ein Zentrum für Forschung und Entwicklung erhalten. Gastrager erklärte, warum das wichtig ist: »Wir haben viele gut ausgebildete Menschen, aber zu wenige hoch qualifizierte Jobs. Das wollen wir ändern.« Der Schwerpunkt werde auf Smart Materials und Kreislaufwirtschaft liegen. Wenn alles nach Plan läuft, sollte 2027 mit den Bauarbeiten für das sogenannte Pionierquartier begonnen werden, 2029 könnten die ersten Unternehmen einziehen.
Den letzten Vortrag hielt Christoph Knauder, Geschäftsführer der ALP.Lab GmbH. Dabei ging es um die »letzte Meile«, also wie die Menschen aus ihren Ortschaften zum Koralmbahnhof kommen. »Wir müssen uns der Anschlussmobilität entsprechend annehmen.« Ein Projekt, für das Knauders Firma verantwortlich zeichnet, basiert auf autonom fahrenden Bussen. Ein Pilotprojekt dazu soll im Lavanttal gestartet werden (wir berichteten).
Neben den Vorträgen präsentierten zahlreiche Kooperationspartner des Hquadrat-Clusters ihre Unternehmen und Jobangebote. Die Schüler nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und sich über Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.
Der Businessday zeigte eindrucksvoll, wie sehr die Region im Wandel ist – und wie aufmerksam die Jugend diesen Wandel begleitet. Die Koralmbahn, die Area Süd und der geplante Technologiepark sind große Projekte. Doch die Fragen der Schüler machten klar: Zukunft entsteht nicht nur durch Infrastruktur, sondern durch Menschen, die sie kritisch, mutig und engagiert mitgestalten.
»Girls in politics«
Bereits einige Tage vor dem Businessday veranstaltete das Hquadrat einen »Girls in politics«-Day. Die Idee stammte von Jürgen Ozwirk, Lehrer des Schulclusters, und zog sechs Politikerinnen in die Schule: ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grüne waren der Einladung gefolgt. Die Maturanten der HAK und HLW zogen in kleinen Gruppen los, um die Politikerinnen zu befragen. In Teams zu vier oder fünf Personen interviewten sie die Politikerinnen, fragten nach persönlichen Motiven, Parteizielen und Visionen für die Region und das ganze Land. Die Gespräche waren kurz, scharf und offen.
Schulleiter Gerhard Veidl sagt: »Es ist wichtig, gerade in politisch turbulenten Zeiten, Jugendlichen Politik und Verantwortungsträger näherzubringen. Durch diesen Tag hatten unsere Schüler die Gelegenheit in direkten Kontakt mit Politikern aus verschiedenen politischen Ebenen – Gemeindepolitik, Landespolitik, aber auch Bundespolitik und EU – zu treten.«
Nach den Gesprächsrunden verarbeiteten die Schüler ihre Eindrücke in Plakaten: Es wurden Steckbriefe, Collagen und Forderungen erstellt. An diesem Tag wurden nicht nur Informationen ausgetauscht, sondern Rollen verschoben – Politik wurde greifbar, Stimmen wurden hörbar.

Von Michael Swersina
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