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St. Paul. Am Bauernhof Brunner vulgo Fasching in Schildberg bei Granitztal wird Landwirtschaft nicht nur betrieben – sie wird gelebt. Andreas (35) und Larissa Brunner (34) führen gemeinsam mit ihren drei Kindern Jonas (12), Miriam (10) und Lorenz (8) einen Betrieb, der für Regionalität, Qualität und echtes Handwerk steht. »Wir sind ein Drei-Generationen-Betrieb«, betont Andreas Brunner, und genau dieses Miteinander sei das Fundament ihres Erfolgs.
Kennengelernt hat sich das Paar auf eher unspektakuläre Weise – beim Busfahren. »Ich kenne Andreas seit meinem 15. Lebensjahr. Ich bin nur wenige Minuten von hier entfernt aufgewachsen, aber kennengelernt haben wir uns erst beim Busfahren«, erinnert sich Larissa. Mit 21 Jahren zog sie bei ihm ein, 2014 folgte die Hochzeit.
Während Andreas die HTL in Wolfsberg besuchte und anschließend zehn Jahre lang in einem St. Pauler Unternehmen – zuletzt als Konstrukteur – tätig war, schlug Larissa den Weg in den Sozialbereich ein. Heute arbeitet sie als diplomierte Krankenschwester in der Ordination von Allgemeinmedizinerin Dr. Silvia Gutschi-Dohr in St. Paul. »Unsere Kinder stehen an erster Stelle, es ist uns wichtig, gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen«, sagt sie. Neben Beruf und Familie engagiert sie sich seit 2012 bei der Theatergruppe Granitztal, während Andreas als Kassier und Mitglied der Bewerbsgruppe bei der Feuerwehr Granitztal aktiv ist.
»Uns ist wichtig, dass nur die eigenen Produkte verarbeitet werden, wir kaufen nichts zu«
Andreas Brunner vlg. Fasching
2023 übernahm Andreas den elterlichen Betrieb und führt ihn seither im Vollerwerb. »2016 habe ich den Landwirtschaftsmeister abgeschlossen«, erzählt er. Der Hof ist über die Jahre stetig gewachsen, insbesondere im Bereich der Milchproduktion. Aktuell zählt der Betrieb 55 Milchkühe.
Doch Wachstum und Größe allein sind für die Familie kein Ziel. »Uns ist wichtig, dass nur die eigenen Produkte verarbeitet werden, wir kaufen nichts zu. Mehr wollen wir auch nicht produzieren«, stellt Andreas Brunner klar. Dieses Prinzip zieht sich konsequent durch den gesamten Betrieb: »Wenn es in einem Jahr keine Kirschen gibt, dann gibt es auch kein Kirschen-Produkt.« Die Streuobstwiesen sind naturbelassen und werden nicht gespritzt – verarbeitet wird »das, was da ist, von A bis Z – vom Apfel bis zur Zwetschke«, sagt Larissa Brunner.
Mehrfach prämiert
Dass sich dieser Qualitätsanspruch auszahlt, zeigen die jüngsten Auszeichnungen bei der Messe Wieselburg. Kürzlich wurde der Holunderblütenlikör mit dem »Goldenen Stamperl« prämiert – bereits die fünfte Auszeichnung dieser Art für die Familie. »Für den Holunderblütenlikör ist der Erntezeitpunkt entscheidend. Die Ernte erfolgt innerhalb von zwei Tagen, sonst ist das Aroma weg«, erklärt der 35-Jährige, der hinzufügt: »Wenn die Blüte aufgeht, dann muss man ernten. Wenn es regnet oder starker Wind geht, ist es zu spät.« Erfahrung spiele dabei eine zentrale Rolle, wie er sagt: »Nur mit dem richtigen Erntezeitpunkt bringt man die nötige Qualität zusammen.«
Neben dem Holunderblütenlikör wurde auch ein im Eichenfass gereifter Zwetschkenbrand mit Gold ausgezeichnet. Ein Traubenlikör aus Isabella-Trauben erhielt Silber. Der Likör entstand aus einer spontanen Idee heraus, wie Andreas Brunner sagt: »Für einen Brand hatten wir zu wenige Trauben, aber für Marmelade oder Saft zu viele. Also haben wir uns für einen Traubenlikör entschieden.« Und für den schwarzen Ribisellikör gab es Bronze.
Die Produktpalette ist vielfältig und reicht von Schnäpsen und Likören über Fleischwaren bis hin zu Most, Apfelsaft und frischem Brot. Auch Geschenkkörbe und Jausenplatten werden zusammengestellt. »Alles auf Wunsch des Kunden. Man kann zu jeder Jahreszeit kommen und findet das passende Geschenk«, erklärt Larissa Brunner. Gerade rund um Ostern sei die Nachfrage groß: »Wir haben auch für die Osterjause Schinken und Selchwürste«, sagt sie.
Ausschließlich ab Hof
Verkauft wird ausschließlich ab Hof – ein bewusster Schritt. »Mir ist wichtig, dass die Sachen, die wir produzieren, mir selbst schmecken müssen, sonst verkaufen wir sie nicht«, sagt Andreas Brunner. Hergestellt werden die Waren allesamt in Handarbeit: »In der Landwirtschaft muss Leidenschaft da sein, sonst hast du keinen Erfolg. Das haben wir von den Eltern gelernt und führen es jetzt so weiter. Ohne meine Eltern wäre es nicht machbar«, betont Andreas Brunner, der auch sagt: »Die Arbeit am Hof ist generationsübergreifend – als Junger hilft man seinen Eltern, dann helfen irgendwann die Eltern den Kindern.«
Vorbestellungen oder weitere Infos gibt es bei Andreas Brunner unter der Nummer 0664/3552889.

Von Philipp Tripolt
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