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Wolfsberg. Es war ein Abend, der zeigte, wie sehr der Hohe Platz die Wolfsberger Gemüter bewegt. Die Stadt hatte am Donnerstag, 19. März, zur »Ideenwerkstatt« geladen – und die Bürger kamen zahlreich. Was folgte, war ein intensiver Schlagabtausch über Verkehr, Begrünung, Aufenthaltsqualität und die Frage, wie viel Veränderung die Innenstadt verträgt.
Schon in der Begrüßung gab Bürgermeister Alexander Radl (SPÖ) einen nüchternen Befund ab: Die Obere Stadt sei nur der erste Schritt eines größeren Entwicklungsprozesses. Der Masterplan aus dem Jahr 2021 bilde die Grundlage, drei Themen stünden dabei im Zentrum – Verkehr, Begrünung, Verweilqualität. »Gäste loben den Hohen Platz oft«, sagte Radl, »aber wir wissen, dass noch viel Luft nach oben ist.« Die Untere Stadt solle ebenfalls stärker in den Fokus rücken, doch große Projekte bräuchten Zeit – und natürlich auch entsprechende finanzielle Mittel.
Erste Maßnahmen wurden präsentiert: So soll nun mehr Grün in die Stadt kommen, durch mehrere Pflanzentröge am Hohen Platz. Auch weitere Sitzgelegenheiten sollen errichtet werden.
6.000 Autos täglich
Die Verkehrszahlen, die Radl präsentierte, sorgten für Raunen im Saal: Rund 6.000 Fahrzeuge werktags, 3.500 am Wochenende, insgesamt über 35.000 pro Woche. Der Hohe Platz sei zwar als Begegnungszone ausgewiesen, doch die Realität sehe anders aus. »Die Rücksichtnahme ist gering, der Durchzugsverkehr zu hoch«, so Radl. Eine Fußgängerzone sei bereits gescheitert, daher wolle man nun eine temporäre Sperre außerhalb der Geschäftszeiten testen – gesteuert über eine Ampel beim Bardel-Eck, mit Ausnahmen für Anrainer.
Doch dieser Vorschlag fiel im Publikum durch. Die Ampel wurde als teuer, umständlich und ineffektiv kritisiert. »Warum nicht einfach die Einbahn beim Rathaus umdrehen?«, fragte Ernie Trettenbrein – und erntete breite Zustimmung. Viele sahen darin die einfachste und günstigste Lösung, um den Durchzugsverkehr zu bremsen.
Kritik an der Platzgestaltung
Mindestens ebenso emotional wurde über die Gestaltung des Platzes diskutiert. Begrünung, Schatten, Aufenthaltsqualität – all das fehle, so der Tenor vieler Wortmeldungen. Traude Huber brachte es drastisch auf den Punkt: »Ich wohne seit 60 Jahren hier, aber so einen Blödsinn, wie bei der Neugestaltung des Hohen Platzes vor sieben Jahren habe ich noch nie erlebt. Der Altstadtzauber ist weg, wir haben eine Betonwüste.«
Die Poller sorgten für zusätzlichen Ärger. Sie seien gefährlich, optisch störend und würden beim Ausparken übersehen. »Mit Blumen wären sie wenigstens sichtbar«, meinte eine Bewohnerin. Andere forderten große Bäume statt kleiner Pflanztröge, Brunnen, Wassernebel, Fassadenbegrünung. »Ein paar Töpfe mit Blumen sind keine Beschattung«, sagte ein Mann. »Die Stadt heizt sich auf – und wir tun fast nichts dagegen.«
Leerstände und das große Ganze
Mehrere Bürger mahnten, die Stadt müsse als Gesamtsystem gedacht werden. Der Kirchplatz sei vernachlässigt, die obere und untere Stadt dürften nicht getrennt betrachtet werden. Auch die Leerstände wurden angesprochen – mit Blick nach Südtirol, wo Geschäftsinhaber verpflichtet sind, in Innenstädten kleine Filialen zu betreiben. »Dort funktioniert es und das Geschäftsleben in den Innenstädten funktioniert«, meinte Karl-Anton Rezac.
Ampel oder Einbahn?
Als Radl am Ende der Veranstaltung noch einmal das Publikum fragte, wer eine Reduktion des Verkehrs am Hohen Platz befürworte, gingen alle Hände hoch. Auch wie das gelöst werden solle, wurde im Laufe der Veranstaltung klar: Obwohl manch Politiker trotz der zahlreichen Gegenstimmen noch an der Ampellösung festhielt, wurde sie von den Bürgern ganz klar abgelehnt und eine Einbahnregelung zwischen Rathaus und der gelben Brücke – man darf also nicht mehr beim Rathaus Richtung Schwemmtratten abbiegen – erhielt deutlichen Zuspruch. Radl zeigte sich überraschend offen: »Wenn das die bevorzugte Variante ist, probieren wir das – sofern wir die Genehmigungen bekommen.«
Viele Ideen – wenig Geld
Radl machte aber auch klar, dass nicht alle Wünsche rasch umsetzbar seien. »Vieles scheitert an finanziellen Mitteln«, sagte er. Experten hätten seinerzeit – ab dem Jahr 2015 – die Umgestaltung des Platzes begleitet, auch das habe Geld gekostet. Die Stadt bemühe sich, die Innenstadt zu beleben, doch auch Vereine und Initiativen seien dabei gefragt und sollten aktiv werden.

Von Michael Swersina
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