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Störfall in Papierfabrik verursacht Fischsterben und gefährdet »Natura 2000«‑Gebiet im LavanttalAusgabe 12 | Mittwoch, 18. März 2026

In der Nacht auf 8. März gelangte Mischlauge aus dem Mondi‑Werk in die Lavant und löste ein massives Fischsterben aus. Geschützte Arten, Kleinstlebewesen und ganze Nahrungsketten sind betroffen. Ermittlungen und Schadensanalysen laufen auf Hochtouren.

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Lavanttal. In der Nacht vom 7. auf den 8. März kam es in der Papierfabrik Mondi in Frantschach‑St. Gertraud zu einem massiven Störfall. Stark belastete Mischlauge gelangte über das betriebsinterne Abwassersystem in die Kläranlage Mettersdorf und schließlich in die Lavant. Die Folgen waren sofort sichtbar: Schaumberge, milchige Trübungen und ein dramatisches Fischsterben auf mehreren Kilometern Flusslänge. Die Behörden bestätigten tote Fische und deutliche Verunreinigungen südlich der Kläranlage St. Andrä.  

Die ersten Meldungen lösten Alarm bei Fischereiberechtigten und Naturschützern aus. Das Stift St. Paul, das große Teile der Lavant bewirtschaftet, spricht von einem »dramatischen Umweltschaden«. Wirtschaftsdirektor Johann Steiner betont, dass nicht nur Fische, sondern auch Kleinstlebewesen massiv betroffen seien. Die Lavant ist ein sensibles Ökosystem, dessen Nahrungsketten eng miteinander verwoben sind. Wenn Fische sterben, sterben auch ihre Nährtiere – Insektenlarven, Bachkrebse, Kleinstorganismen.  »Wir anerkennen, dass das Krisenmanagement des Verursachers rasch gegriffen hat und der Störfall eingedämmt werden konnte. Dennoch sind die ökologischen Auswirkungen erheblich. Als Fischereiberechtigter erwarten wir eine umfassende, transparente und lückenlose Aufklärung durch alle beteiligten Stellen«, sagte Steiner. 

Besonders schwer wiegt der Verlust geschützter Arten. Der Bereich südlich der Kläranlage bis zur Einmündung in die Drau ist ein »Natura 2000«-Projekt. In diesem Bereich sind seltene Fischarten anzutreffen, wie zum Beispiel, der Steingrässling.

Ökologische Katastrophe

Aber auch Fischotter, Eisvögel und Gänsesäger sind betroffen: Sie verlieren durch das Fischsterben ihre Nahrungsgrundlage. Ein Fischotter benötigt rund 300 Kilogramm Fisch pro Jahr – fällt diese Menge weg, wandern die Tiere ab oder geraten in Konkurrenz um knappe Ressourcen.

In einer gutachterlichen Stellungnahme meint Ulrich Habsburg-Lothringen: »Mit den Fischen werden auch etliche Fischnährtiere zugrunde gehen oder deren biologische Aktivität für einen längeren Zeitraum geschwächt werden, wodurch es an Nahrung für die Fische fehlen wird.« Weiters meint er, dass der Aufbau eines Fischbestands mit den 30 verschiedenen Fischarten in der Lavant rund ein Jahrzehnt dauern werde. »Fischerei, Naturschutz, Jagd, Land, Forst, Industrie und Öffentlichkeit sollten sich zu einem derartigen Projekt finden, das von einer Universität auch wissenschaftlich geleitet wird. Eine gerechte Schadensvergütung wird allerdings schon etliche Vorarbeiten dafür nötig machen«, so Habsburg in seinem Gutachten. 

Nationalratsabgeordnete Olga Voglauer (Grüne) nannte  den Vorfall einen »Weckruf«, Kärntens Gewässer besser zu schützen. Sie fordert strengere Kontrollen und klare Verantwortlichkeiten.  

Mondi selbst bestätigt den Störfall: »Durch eine Produktionsstörung ist ein Überlauf an Mischlauge in das interne Abwassersystem und anschließend in die zentrale Kläranlage Mettersdorf gelangt«. Der Vorfall im Werk wurde sofort erkannt und innerhalb einer Stunde behoben. Dennoch führte das Ereignis zu einer Überlastung der Kläranlage Mettersdorf, was die Reinigungsleistung der Anlage vorübergehend beeinträchtigte und in der Folge die Qualität des in die Lavant eingeleiteten Wassers. Weiters heißt es vom Unternehmen: »Mondi arbeitet eng mit den lokalen Behörden zusammen und unterstützt Maßnahmen zur Wiederherstellung der ökologischen Gesundheit des Flusses und des Fischbestands.«

Markus Kleinszig, Geschäftsführer des Reinhalteverbands Mittleres Lavanttal, beschreibt die Situation als »Lawine«, die über die Anlage hereingebrochen sei. Zwar sei kein Tropfen völlig ungereinigt in die Lavant gelangt, doch die biologische Reinigungsstufe sei stark geschädigt worden – die Bakterien, die Schadstoffe abbauen, wurden massiv in Mitleidenschaft gezogen. Mittlerweile ist das abfließende Wasser laut Kleinszig wieder im grünen Bereich und auch die Bakterien haben sich großteils erholt.

Ermittlungen 

Die Polizei hat Ermittlungen wegen möglicher Umweltbeeinträchtigungen aufgenommen. In den kommenden Tagen soll außerdem ein Treffen zwischen der Gewerbebehörde und dem Mondi-Werk stattfinden, um Ursachen, Verantwortlichkeiten und weitere Maßnahmen zu klären. Parallel dazu laufen gutachterliche Bewertungen des Schadens. Erste Einschätzungen gehen davon aus, dass der Wiederaufbau eines stabilen Fischbestands Jahre dauern wird. Einige Arten sind nicht im Handel erhältlich, andere benötigen spezielle Laichbedingungen. Wanderbewegungen von Fischen und Fischottern könnten den Schaden weiter ausdehnen.

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