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Wolfsberg. Die Liveübertragungen des Wolfsberger Gemeinderats sind Geschichte: Es wird sie im neuen Jahr nicht mehr geben. Die Sitzung am 11. Dezember 2025 war die letzte, die im Internet übertragen wurde. Denn die Gemeinderäte der Bezirkshauptstadt tagen erst wieder am 12. März – mit Feber wurde aber im Vorjahr die Abschaltung der Kameras beschlossen.
Wie berichtet einigten sich die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am 27. Feber 2025 einstimmig darauf, die Livestream-Übertragungen der Sitzungen nur noch ein Jahr lang fortzusetzen. »Die jährlichen Kosten von rund 17.000 Euro stehen in keinem Verhältnis zu den durchschnittlich 43 Zuschauern pro Übertragung im Jahr 2024«, hieß es damals, die Stadt müsse sparen.
»Angesichts des eher geringen Interesses werden sich die Reaktionen in Grenzen halten«
Die Stadt Wolfsberg zum Ende der Übertragungen
Der Beschluss wird nun durchgezogen. »Ca. 15.000 Euro pro Jahr«, antwortet die Stadt jetzt auf die Frage der Unterkärntner Nachrichten, wie hoch das Einsparpotenzial mittlerweile ist. Dazu hat sich auch das Interesse der Wolfsberger an den Vorgängen im Gemeinderat nicht gesteigert. Die Stadt teilt mit: »Im Schnitt gab es pro Sitzung etwa 40 Livezuseher. Am meisten Zuseher erhielt die erste übertragene Sitzung am 5. Oktober 2023 mit ca. 130 Aufrufen, danach nahm das Interesse schnell ab. Die durchschnittliche Anzahl der Zuseher im Nachhinein lag um die 300. Es kann dabei aber nicht unterschieden werden, ob ein und dieselbe Person mehrmals streamt.«
Keine Reaktionen erwartet
Der Vertrag mit der Firma, die die Übertragungen betreute, ist bereits gekündigt, negative Reaktionen aus der Bevölkerung erwartet man im Rathaus nicht: »Angesichts des eher geringen Interesses von Seiten der Bevölkerung und der Einstimmigkeit des Beschlusses werden sich die Reaktionen wahrscheinlich in Grenzen halten«, sagt die Stadt. Obendrein seien ohnehin nie Rückmeldungen der Bürger zu den Übertragungen eingelangt.
Allerdings: Ist es nicht Aufgabe der drittgrößten Stadt Kärntens, ihren Bürgern die Möglichkeit zu geben, bei den Entscheidungen dabei zu sein? Darauf die Stadt: »Wir verstehen den Wunsch nach größtmöglicher Transparenz, darum haben wir die Liveübertragungen über zwei Jahre lang als Service angeboten. Der Gemeinderat ist jedoch einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.« Wer sich für die Prozesse im Gemeinderat interessiere, dem stehen noch immer mehrere Optionen zur Verfügung: »Die Niederschriften finden sich zeitnah nach jeder Sitzung auf unserer Website, es werden nach jeder Sitzung Zusammenfassungen über die wichtigsten Beschlüsse an die Medien zum Zwecke der Berichterstattung verschickt – und selbstverständlich bleibt die Tür zum Rathausfestsaal für jede interessierte Person offen, die den Sitzungen live beiwohnen will«, teilt das Rathaus mit.
Die Vorgeschichte
Der Livestream war eine jahrelange Forderung der FPÖ und ihrer früheren Stadträtin Isabella Theuermann: Vier Mal stellte die Fraktion einen diesbezüglichen Antrag. Der mittlerweile verstorbene Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ) befürwortete die Übertragung grundsätzlich, verwies aber stets auf die Gesetzeslage in Kärnten, die das nicht zulasse – bis die Bestimmung 2023 geändert wurde. Im April diesen Jahres beschloss der Gemeinderat die Liveübertragung – womit nicht alle Freude hatten: Elf Mandatare der SPÖ sprachen sich dagegen aus.
Die Stadt investierte einmalig 2.352 Euro in die Einschulung, danach 15.926 Euro pro Jahr für den Betrieb, am 5. Oktober 2023 konnte man die erste Sitzung im Internet mitverfolgen.
Doch das Interesse der Bevölkerung war von Beginn an schmal. Auch die zwei Monate lang abrufbaren Aufnahmen wurden kaum genutzt – bis die Stadt jetzt den Stecker zog.
Auffällig war: Die ersten übertragenen Sitzungen verliefen straffer und »sittsamer« als gewohnt, mancher Mandatar wählte seine Worte sorgfältiger. Zuletzt war dieser Effekt beinahe wieder verschwunden – und künftig lässt es sich wieder zünftig frei von der Leber weg streiten ...

Von Horst Kakl
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