Der Wettlauf um die Stiftgründe Ausgabe | Mittwoch, 29. August 2018

European Lithium will das Hydroxidwerk in St. Paul bauen. Christian Ragger: »Das Land soll die Gründe kaufen.« Landesrat Daniel Fellner hat großes Interesse, wartet aber seit Mitte August auf ein Angebot.

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Landesrat Daniel Fellner
European Lithium Anwalt Christian Ragger

WOLFSBERG. »Wenn nichts Unvorhersehbares passiert, wird das Hydroxidwerk in St. Paul errichtet«, erklärt Dietrich Wanke, der CEO von European Lithium (siehe Interview Seite 3). Gebaut werden soll auf den Gründen des Stifts St. Paul. Für European-Lithium-Anwalt Christian Ragger wäre es am besten, wenn das Land über ihre Betriebsansiedelungs- und Beteiligungsgesellschaft (Babeg) dem Stift die gesamte Liegenschaft mit 35 Hektar abkauft. »Wir brauchen vier bis fünf Hektar für unser Werk. Die Batteriefirma, die ich an der Hand habe, benötigt ebenfalls so viel. Den Rest könnte das Land für einen interkommunalen Gewerbepark und die Ansiedlung von Firmen für Forschung und Entwicklung verwenden.« Das Land will kaufen. »Wir haben mit den Verantwortlichen im Stift schon im Juli ein Gespräch geführt und ich habe um ein entsprechendes Angebot bis Mitte August gebeten, aber bis jetzt nur ein lapidares Schreiben erhalten, dass sie etwas mehr Zeit benötigen«, erklärt Fellner. Ragger rechnet mit einem Kaufpreis von 35 Euro, die 35 Hektar würden damit knapp mehr als 12 Millionen Euro kosten. Eine Riesensumme. Fellner schwebt daher eine andere Lösung vor. »Wir wollen 15 Hektar sofort kaufen und auf die restlichen 20 eine  Kaufoption.«

Unverständnis

Die Verantwortlichen im Stift scheinen aber zu pokern. Nicht anderes ist es zu erklären, dass sie in dieser Woche mit European Lithium verhandeln. »Das verstehe ich nicht, weil man mir gesagt hat, dass man nur einen Ansprechpartner haben will und zwar das Land«,  schüttelt Fellner den Kopf. Da Ragger selbst die große Lösung mit dem Land bevorzugt, wäre es ihm recht, wenn Babeg-Geschäftsführer Hans Schönegger bei den Gesprächen mit dem Stift mit am Tisch säße. Angeblich würde das Stift seine Gründe gerne auf 100 Jahre verpachten. »Das machen aber moderne Firmen nicht mehr, die wollen kaufen, damit sie Sicherheit haben und die Grundstücke belehnen können, wenn sie es wollen«, weiß Fellner. Die Gemeinde St. Paul ist bei diesen Verhandlungen außen vor. Ragger findet es schade, dass der St. Pauler Bürgermeister Hermann Primus die Kaufoption für die Stiftgründe auslaufen ließ. »Man hätte den Grund um 25 Euro plus Indexsteigerung, also viel billiger, kaufen können«, behauptet Ragger.

Institutionelle Anleger

European Lithium macht derweilen weiter seine Hausaufgaben. Die Vorabmachbarkeitsstudie wurde an der Börse präsentiert, die Arbeit an den Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Lithium-Abbau auf der Weinebene ist im Gange und sollte bis Sommer 2019 abgeschlossen sein, die Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft steht laut Ragger kurz vor dem Abschluss. »Bei den Investoren handelt es sich hauptsächlich um institutionelle Anleger«, verrät Ragger. Geld wird auch dringend benötigt, immerhin müssen rund 370 Millionen Euro investiert werden, bevor man  den ersten Cent verdienen kann. Apropos verdienen. Das kann man nur mit Lithium-Hydroxid. »Für eine Tonne Lithium bekommt man rund 800 Dollar, für eine Tonne Lithium-Hydroxid 18.000 Dollar. Deshalb brauchen wir das Werk.« Ragger denkt aber weiter. Die Firma, die in St. Paul Batterien erzeugen wird, steht nach seinen Angaben fest. Namen will er keinen nennen. Es handelt sich aber um einen namhaften Hersteller aus der Branche. Auch die Zusage eines deutschen Autoherstellers für ein Motorenwerk habe er in der Tasche, sagt Ragger. Außerdem schwebt ihm ein Forschungszentrum für Lithium in St. Paul vor. In diesem Zusammenhang sei er unter anderem mit der TU Graz und mit den Forschungseinrichtungen der Firma AVL List in Graz in Kontakt, so der Anwalt.

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