Die EU hat jetzt das Volk zur Zeitumstellung befragt. Das Ergebnis: bitte warten.Ausgabe | Mittwoch, 22. August 2018

Die Gegner meinen, dass durch die Zeitumstellung die Kühe weniger Milche geben und das Herzinfarktrisiko steigt. Für die Befürworter verhindert sie Depressionen und motiviert zu mehr Aktivität.

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WOLFSBERG. Die Sommerzeit ist seit ihrer Einführung umstritten und auch jetzt gibt es wieder Überlegungen sie abzuschaffen. 384 Abgeordnete des EU-Parlaments stimmten im Februar dafür, die Sommerzeit und ihre Auswirkungen zu prüfen.

4,6 Millionen Teilnehmer

Der Ball lag damit bei der EU-Kommission. Die führte in den vergangenen Wochen eine große Online-Umfrage zur Abschaffung der Sommerzeit unter den EU-Bürgern durch. Über 4,6 Millionen Menschen aus allen 28 EU-Staaten haben daran teilgenommen. Dies sei ein neuer Rekord für die Teilnahme an öffentlichen Konsultationen, gab die Kommission bekannt. Das Resultat der Umfrage und der Bericht der Kommission wird in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Kein Referendum

Die EU-Kommission betont dabei ausdrücklich, dass es sich dabei um kein Referendum gehandelt hat. Man will das Ergebnis allerdings in die weiteren Überlegungen einfließen lassen. Ebenfalls zu Wort kommen sollen beauftragten Experten. Überwiegen die Nachteile, will die Kommission mit den Mitgliedsstaaten in Verhandlungen treten. Wird man sich einig – was allerdings ein bisschen dauern kann –, könnte die Sommerzeit EU-weit tatsächlich abgeschafft werden. In Österreich wurde die Sommerzeit 1980 vom März bis September eingeführt und 1995 an die EU-Richtlinien angepasst.

Schwierig für Mensch und Tier

Was spricht gegen die Sommerzeit? Viele Experten argumentieren, dass die Zeitumstellung körperlich für Mensch und Tier schwierig ist: Sie soll zum Beispiel für einen kollektiven Jetlag sorgen, das Herzinfarktrisiko in der Bevölkerung steigern und zu Verlusten in der Landwirtschaft führen. Letzteres ist bewiesen: Wird eine Kuh plötzlich eine Stunde früher gemolken als sonst, bringt das ihren Biorhythmus derart durcheinander, dass sie tagelang weniger Milch gibt. Viele Landwirte »verteilen« die Zeitumstellung deshalb auf mehrere Tage, melken also jeden Tag ein bisschen früher, bis die Stunde voll ist. Eine weitere Annahme, die besagt, dass es durch die Zeitumstellung zu mehr Verkehrsunfällen kommen soll, ist dagegen umstritten.

Mehr natürliches Licht

Längere Sommertage sind gut gegen Depressionen, argumentieren Befürworter, zumindest aber eine angenehme Abwechslung. Weil die Wachphase der meisten Menschen in die helle Phase des Tages verschoben wird, bekommen sie automatisch mehr natürliches Licht ab. Ist es nach Feierabend noch hell und lau, steigt auch die Motivation, aktiv zu sein oder Sport zu treiben.

Keine Ersparnis

Das Argument, durch die saisonale Zeitumstellung würde Energie gespart, hält sich hartnäckig. Breit angelegte Untersuchungen der deutschen Regierung kommen allerdings zu einem ganz anderen Schluss. Nämlich, dass es keinen nennenswerten Effekt gäbe. Zwar werde durch die verminderte Beleuchtung im Sommer tatsächlich etwas Energie gespart – durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der »Hauptheizzeit« wird die Einsparung aber wieder zunichte gemacht.

 

 

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