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Bis zu 400 Kilo Lebensmittel werden von der Team Österreich Tafel an jedem Samstag verteiltAusgabe 51 | Dienstag, 21. Dezember 2021

Rund 50 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen jeden Samstag dafür, dass sozial Schwächere gratis Lebensmittel erhalten, die von den Supermärkten entsorgt werden müssten. Die Hemmschwelle vor der ersten Ausgabe ist für die Betroffenen aber nach wie vor groß.

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Wolfsberg. Kistenweise Gebäck, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Nudeln, Hygieneartikel und vieles mehr: Die Team Österreich Tafel in Wolfsberg unterstützt mit ihrem Einsatz an jedem Samstagabend Bedürftige und sozial schwächer Gestellte im Bezirk. Seit Mitte Oktober ist der Bad St. Leonharder Franz Karner (68) der neue Leiter der Team Österreich Tafel in Wolfsberg. Er folgte Michaela Pflegpeter nach.

»Seit 1988 bin ich beim Roten Kreuz tätig. Ich habe als Rettungsfahrer schließlich aufgehört, wollte mich aber trotzdem noch für eine gute Sache einsetzen«, erklärt Karner. In Wolfsberg wurde die Tafel vor rund elf Jahren aufgebaut. Karner schloss sich der Initiative 2012 an. Seit über zehn Jahren sammeln Freiwillige des Roten Kreuzes für die Team Österreich Tafel einwandfreie, überschüssige Lebensmittel und verteilen diese an Menschen, die sie brauchen. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig diese Initiative von Ö3 und dem Roten Kreuz ist.

Hunderte Kilo
Jeden Samstag fahren Karner und die rund 50 freiwilligen Helfer die Geschäfte im Lavanttal ab. Karner: »Wir beginnen am Samstag mittags in Bad St. Leonhard mit der Tour. Wir holen von den Supermärkten Lebensmittel ab, die am darauffolgenden Montag nicht mehr für den Verkauf geeignet wären. Von Gebäck über Milchprodukte bis hin zu Kosmetikartikeln erhalten wir alle möglichen Artikel.« Nicht dabei sind Frischfleischprodukte. Um 17 Uhr treffen sich die Helfer bei der Bezirksstelle des Roten Kreuzes, wo mit dem Aufbau der Tische begonnen wird. Danach wird mit der Abholung der Waren im Wolfsberger Raum bis nach St. Andrä begonnen.

»Es war mir wichtig, mich weiterhin für etwas Sinnvolles zu engagieren«
Franz Karner über seine Motivation

Die Ausgabe, bei der jedes Mal ein Teamleiter sowie zehn weitere ehrenamtliche Helfer vor Ort sind, erfolgt jeden Samstag ab 19 Uhr bei der Wolfsberger Bezirksstelle des Roten Kreuzes in der Krankenhausstraße 3. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Samstag ein Feiertag ist, die Ausgabe findet immer statt. Für das Schreiben der Dienstpläne zeichnet Karner verantwortlich.

Klare Richtlinien
Um für das Abholen der Lebensmittel berechtigt und damit ein sogenannter »Benefizient« zu sein, gibt es klare Richtlinien. »Man muss sich im Vorfeld registrieren, eine Erklärung zum Haushaltseinkommen abgeben und erhält danach eine Berechtigungskarte«, so Karner. Als Orientierung für eine Bezugsberechtigung dient dabei die Armutsgefährdungsschwelle der Statistik Austria, die aktuell für einen Einpersonenhaushalt bei 1.328 Euro monatlich liegt. Die Grenzen sind pro Person bzw. Familie gestaffelt.

Rund 50 Benefizienten verschiedener Altersgruppen und Familienverhältnisse nehmen die kostenlose Hilfe in Wolfsberg jede Woche in Anspruch. »Wir schätzen, dass wir 350 bis 400 Kilogramm Lebensmittel jede Woche ausgeben«, sagt der Bad St. Leonharder. Lebensmittel, die am Ende der Ausgabe übrig geblieben sind, werden zu den Kühlschränken bei der Markuskirche gebracht, die Bedürftigen zur Verfügung stehen.

Karner: »Am Anfang gibt es bei den Menschen eine gewisse Hemmschwelle, aber nach dem ersten Mal funktioniert es gut. Es geht darum, mehr Leute zu motivieren, hierher zu kommen.«

Nicht immer einfach
Dass seine Aufgabe und die seiner Kollegen nicht immer einfach ist, liegt auf der Hand. »Viele sind sehr dankbar für das, was wir hier machen. Andere sind sehr fordernd. Gerade in dieser Zeit ist das natürlich sehr schwierig. Man braucht schon Fingerspitzengefühl«, sagt Karner über die Tätigkeit.

Verändert wurde der Ablauf durch Corona. Karner: »Wir bieten die Abholung jetzt im Freien bei der Rot-Kreuz-Bezirksstelle an. Bei der Abholung der Lebensmittel müssen die Benefizienten Masken tragen, was aber sehr gut funktioniert.«

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