Gerhard Oswald: »Wir sehen eine zunehmend geringer werdende Frequenz in den Bankstellen« Ausgabe 31 | Mittwoch, 4. August 2021

Der Lavanttaler Gerhard Oswald (56) ist kürzlich zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Raiffeisen Landesbank Kärnten gewählt worden. Mit den UN spricht er über die Bank, die Organisation der Raiffeisenbanken im Lavanttal und Auswirkungen der Covid-Krise.

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Wie sind Sie zur Position des neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Raiffeisen Landesbank Kärnten (RLB Kärnten) gekommen?
Robert Lutschounig, der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der RLB Kärnten, beendete mit der 73. Generalversammlung aus Altersgründen und nach Ablauf der regulären Amtszeit sein Mandat im Aufsichtsrat der RLB Kärnten. Als erfahrener Raiffeisenfunktionär wurde ich bei der Generalversammlung einstimmig zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der RLB Kärnten gewählt. Seit 2020 bin ich Vorsitzender des Aufsichtsrats der Raiffeisenbank Mittleres Lavanttal, und dort bin ich bereits seit 2014 Mitglied des Aufsichtsrats.  

»Die Raiffeisenbanken des Lavanttals sind jeweils selbstständige Raiffeisenbanken«
Gerhard Oswald, Vorsitzender des Aufsichtsrats

Wie viele Mitarbeiter hat die RLB Kärnten? 
In der RLB Kärnten sind rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bank gehört zu den größten und attraktivsten Arbeitgebern in Kärnten und zählt auch zum Top-1-Prozent der Arbeitgeber Österreichs. Im Jahr 2021 erhielt die Bank gleich vier Auszeichnungen von unterschiedlichen Instituten und wurde außerdem zum dritten Mal in Folge mit dem Gütesiegel »berufundfamilie« ausgezeichnet.  

Wie hoch ist die Bilanzsumme der RLB Kärnten? 
Die Bilanzsumme der RLB Kärnten beträgt 3,69 Milliarden Euro. In der zukünftigen strategischen Ausrichtung werden die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine ganz zentrale Rolle spielen. Ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam mit der Raiffeisen-Bankengruppe Kärnten sehr gut meistern werden.  

Was unterscheidet eine genossenschaftlich organisierte Bank von einer reinen Online- oder Aktienbank.  
Das Füreinander, die Nähe und die Regionalität sehen wir als die Antworten auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Art des Wirtschaftens und der gemeinsame Erfolg bietet die Möglichkeit, effektive Beiträge für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Kärnten zu leisten. Ich bin davon überzeugt, dass Geschäftsmodelle, die auf den genossenschaftlichen Prinzipien aufbauen, langfristig erfolgreicher sind.  

Sind die Raiffeisenbanken im Lavanttal eigentlich eigenständig oder ein Teil der RLB Kärnten? 
Die Raiffeisenbank Mittleres Lavanttal, die Raiffeisenbank Oberes Lavanttal, die Raiffeisenbank St. Paul im Lavanttal und die Raiffeisenbank Lavamünd sind jeweils selbstständige Raiffeisenbanken. Die RLB Kärnten ist das »Spitzeninstitut« des Kärntner Raiffeisen-Geldsektors und unterstützt die Kärntner Raiffeisenbanken dabei, ihre Nummer-eins-Position als Bankpartner in Kärnten weiter auszubauen.  

Immer mehr Banken schließen Filialen, vor allem in kleineren Ortschaften. Sind auch bei Raiffeisen Schließungen von Bankfilialen, speziell im Lavanttal, geplant?  
Der Kunde entscheidet, wie er seine Bankgeschäfte abschließen möchte und ob er sich vor Ort beraten lässt oder die digitalen Kanäle nutzt. Derzeit sehen wir eine zunehmend geringer werdende Frequenz in den Bankstellen zugunsten der digitalen Kanäle. Die Raiffeisen Bankengruppe Kärnten hat aktuell 133 Bankstellen in unserem Bundesland. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren fast stabil geblieben.  

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Banken generell und im Speziellen auf die RLB Kärnten? 
Kennzeichnend für die Bankenbranche und damit auch für die RLB Kärnten war die außerordentlich dynamische Entwicklung im digitalen Banking. Die Bedeutung des Online-Bankings hat stark zugenommen und die Kunden kommen nun durchschnittlich jeden zweiten Tag in die »Digitale Raiffeisenbank«. Wir haben durch unsere Regionalität vor Ort in Kombination mit der »Digitalen Regionalbank« die besten Voraussetzungen. In der RLB Kärnten wurde innerhalb kürzester Zeit flächendeckend ein Homeoffice-Betrieb eingeführt und die Kommunikation über Videokonferenzen wurde forciert.  

Viele Menschen sind durch die Krise in finanzielle Not geraten. Gibt es von der RLB Kärnten irgendwelche Unterstützungsmaßnahmen für solche
Menschen?  

Gerade in der Corona-Pandemie war die individuelle Begleitung und Beratung unserer Kunden wichtiger denn je. In der RLB Kärnten werden Entscheidungen vor Ort mit kurzen Wegen und hoher Lösungsorientierung getroffen. Es gelang gut, schnellstmöglich die Hilfspakete der Bundesregierung, der Wirtschaftskammer und der anderen öffentlichen Stellen umzusetzen. Es gibt große Unterschiede nach Branchen. In einzelnen Bereichen haben Aufträge und Umsätze zugenommen und andere haben Umsatzeinbrüche erlitten. Die relativ geringe Anzahl an Insolvenzen, die durch die Corona-Pandemie ausgelöst wurde, zeigt, dass die Maßnahmen gut gewirkt haben.  

Sie sind ja  auch der Wolfsberger Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer Kärnten. Welche Rolle spielte die Bezirksstelle während der Pandemie?
Auch in der Interessenvertretung geht es um Regionalität. In der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer in Wolfsberg stehen wir tagtäglich im direkten Kontakt mit unseren Mitgliedern. Die Pandemie-Zeit hat ganz klar gezeigt, dass es eine regionale Interessenvertretung braucht, die den Unternehmen zur Seite steht. Kärntenweit hat die Wirtschaftskammer seit März des Vorjahrs über 500.000 Beratungen durchgeführt, 95.000 Anträge abgearbeitet und beim Härtefallfonds mehr als 111 Millionen Euro ausbezahlt. Die Bezirksstelle Wolfsberg war für ihre Mitglieder stets erreichbar. Es wurde sehr viel hinter den Kulissen gearbeitet und geholfen, individuelle Problemstellungen wurden bearbeitet und – Stichwort Richtlinien – sehr oft mit dem Bund nachverhandelt.

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