Gerhard Oswald: »Brauchen den Technologiepark noch vor der Inbetriebnahme der Koralmbahn«Ausgabe 41 | Mittwoch, 7. Oktober 2020

Gerhard Oswald (55) ist Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer und erfolgreicher Unternehmer. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über seine Funktion bei der Wirtschaftskammer, berufliche Aktivitäten und gab Einblicke in sein Privatleben.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Gerhard Oswald im Schauraum seines Unternehmens in St. Andrä. Rechts: Kürzlich war Oswald beim »Hiking Adventure Highlander Experience« von Diex zum Zirbitzkogel über 54 Kilometer mit dabei. Fotos: UN/much (1), privat (1)

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Können Sie den Lesern einen kurzen Überblick über Ihren beruflichen Werdegang geben?
Meine berufliche Grundausbildung erfolgte im elterlichen Betrieb und an der HTL Pinkafeld im Bereich Maschinenbau-Gebäudetechnik. Danach folgten Praxisjahre und Weiterbildungen in Graz. Berufsbegleitend studierte ich Maschinenbau, absolvierte ein Masterstudium »Nachhaltige Energiesysteme«, das Doktorratsstudium an der TU Graz im Bereich Verfahrenstechnik, sowie in MBA Studium. Mit dem Einstieg in den Betrieb übernahm ich die Geschäftsführung der Oswald GmbH Gebäudetechnik und Anlagenbau und gründete das Ingenieurbüro OSIT Consulting & Engineering GmbH für Maschinenbau, Gebäudetechnik und nachhaltige Energiesysteme. In unserem Familienbetrieb hat mittlerweile die dritte Generation die Geschäftsführung mitübernommen. Mit dem Unternehmen ELTIM sind wir im Bereich LED-Technologien tätig: Mit smarten und energieeffizienten Technologien setzen wir Zeichen beim präsenten Umweltthema »Lichtverschmutzung«.

Ende 2018 haben Sie die GHO Conventus GmbH mitgegründet und das Kloster Maria Loretto in St. Andrä gekauft. Welche Pläne gibt es für das Kloster, nachdem die Fachberufsschule der Caritas ausgezogen ist?
Die Bereiche Bildung, Soziales, Wirtschaft und Tourismus in ein regionales Standortmanagement zu integrieren ist die gemeinsame Intention von GHO. Konkreter wird es demnächst in punkto Bildung: die Private Mittelschule Maria Loretto wird erweitert und zukunftsweisend aufgestellt. Davon wird die gesamte Region profitieren. Die laufende Kooperation mit der heimischen Wirtschaft gibt der Schule bereits jetzt ein Alleinstellungsmerkmal. 

Sie sind seit 2015 Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer Wolfsberg. Was wurde in dieser Zeit erreicht?
Im Bezirk Wolfsberg gibt es rund 3.100 Unternehmen. Da ich selbst mit Überzeugung Unternehmer bin, weiß ich, wie der unternehmerische Alltag aussieht. Genau mit diesem Ansatz – als Unternehmer für Unternehmer – begegne ich meiner Funktion als Bezirksstellenobmann. Das weitreichendste Projekt meiner Amtszeit ist die Positionierung unserer Region als Player im sogenannten Wirtschaftsraum Süd. Gemeinsam mit dem Bezirk Deutschlandsberg arbeiten wir an einem neuen Zentralraum zwischen den beiden Zentralräumen Graz und Klagenfurt/Villach. Die Bezirksstelle der Wirtschaftskammer in Wolfsberg habe ich als »Haus der Lavanttaler Wirtschaft« geöffnet, ein junges und mitgliederorientiertes Team aufgebaut und mit einem Satz zusammengefasst: »Dem Ganzen eine bodenständige Note verliehen.«

Ein Thema, das das heurige Jahr beherrscht, ist Corona: Waren die Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung für die Wirtschaft ausreichend?
Eine kollektive Beurteilung ist so nicht möglich, da gibt es verständlicherweise unterschiedliche Meinungen. Bund, Land und Gemeinden haben Hilfsmaßnahmen aufgestellt, und, so ehrlich muss man sein, solches Handeln hat es nicht überall auf der Welt gegeben. Ob sie am Ende ausreichend sind bzw. waren, kann nur am jeweiligen Einzelfall beurteilt werden. Es gibt Wirtschaftsbereiche, die von den Auswirkungen der Pandemie schwer gezeichnet sind, aber auch jene, die dennoch einen positiven Verlauf verzeichnen.

Es gab viel Kritik an der Bürokratie: Geld würde nicht fließen. Ist diese Kritik berechtigt?
Ich lasse Kritik dort zu,  wo sie berechtigt ist. Als Wirtschaftskammer sind wir nahe an unseren Mitgliedern und kennen deren Erfordernisse und auch Unterschiede. Genau das hat es uns ermöglicht, immer wieder Korrekturen und Nachbesserungen bei den Richtlinien der Maßnahmen zu erreichen. Woher meinen Sie, kommt eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf fünf Prozent? Auch die umgesetzte Ausweitung an Förderungen wurde von uns massiv betrieben. Das Novum einer solchen Virusverbreitung und die kurzen Reaktions- und Umsetzungszeiträume haben jedoch hie und da ihre Probleme mit sich gebracht, aber es ist keinesfalls alles schlecht. Die WK hat nicht nur über 18.000 Online-Anträge abgearbeitet und rund 25 Millionen Euro zur Auszahlung gebracht, sondern auch an die 225.000 Beratungen durchgeführt, um die Betriebe bestmöglich in dieser Ausnahmesituation zu begleiten.

Seit Jahren wird über einen interkommunalen Gewerbepark diskutiert. Nun soll ein »Interkommunaler Technologiepark« entstehen. Wie sehen Sie die Chancen dafür?
Ein wichtiges Thema für die Region. In meiner Funktion als Wirtschaftskammer-Bezirksobmann kennt man mich so, dass ich einem Thema, wenn es sein muss, auch einmal mit schärferen Worten begegne. Ich begrüße die jüngsten Ankündigungen zum Thema »Interkommunaler Technologiepark«, bewerte am Ende aber nur tatsächliche Umsetzungsschritte. Ich blicke dem Vorhaben dennoch positiv entgegen, weil für mich die Sache im Vordergrund steht. Auch habe ich ein Zieldatum dafür angesetzt: noch vor Inbetriebnahme der Koralmbahn.

Woran sind die bisherigen Versuche mit dem Gewerbepark gescheitert?
Die Gründe dafür sind unterschiedlichster Natur. Faktum ist, dass die öffentliche Hand die Grundlagen für eine interkommunale Zusammenarbeit und diesbezügliche Infrastruktur schaffen muss. Erst dann kann das Unternehmertum ins Spiel kommen. Beim Hausbau fange ich auch mit dem Fundament an und nicht mit der Einrichtung. Der Tenor in der Lavanttaler Wirtschaft lautet unisono: Bitte gehen wir weg von dem, warum etwas nicht geht oder gar scheitert. Wir wollen hören, wie etwas gehen kann.

Worin sehen Sie, abgesehen von Corona, die größten Herausforderungen für die heimischen Betriebe?
Ein großes Thema ist weiterhin der Fachkräftebedarf: Bekomme ich für meine Anforderungen im Betrieb ausreichend qualifiziertes Personal. Von den Betrieben weiß ich, dass sie durchaus gewillt sind, Mitarbeiter und Lehrlinge aufzunehmen, wenn sie sie nur bekommen würden. Gemeinsam mit dem Verein Lavanttaler Wirtschaft haben wir mit »Schule trifft Handwerk« ein Format geschaffen, bei dem wir als Unternehmer aktiv auf junge Menschen zugehen und sie für unsere tägliche Arbeit begeistern wollen. 

Heiß diskutiert wird aktuell die ganzjährige Öffnung der Gastgärten in Wolfsberg. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?
Ich habe mich dafür ausgesprochen und sehe zwei Intentionen dahinter: Es gilt einerseits, alles daran zu setzen, das Infektionsrisiko zu minimieren. Andererseits liegt in dieser Maßnahme eine Wirtschaftsförderung für die Gastronomie, die der zuständigen Stadtgemeinde nichts kostet und rasch umsetzbar ist.

Welche Ziele haben Sie sich als Bezirksstellenobmann gesetzt?
Es geht mir darum, dem Unternehmertum im Bezirk jenen Stellenwert zu geben, den es verdient. Vieles wird in diesem Zusammenhang oft als Selbstverständlichkeit abgetan. Das darf nicht sein. Um diese Botschaft weiter zu tragen, ist es eines meiner erklärten Ziele, mehr junge Unternehmerinnen und Unternehmer für die Arbeit in der Interessenvertretung zu gewinnen. Zudem möchte ich die konsensuale Zusammenarbeit mit den Behörden, Sozialpartnern und der Politik beibehalten, denn gemeinsam ist einfach viel mehr möglich.

Haben Sie eine Idee, wie man die Lavanttaler Wirtschaft zur Nummer  1 in Kärnten machen kann?
Beim Thema Brutto-Medianeinkommen sind wir bereits die Nummer 1 in Kärnten. Das liegt an der überdurchschnittlichen Bedeutung des Produktionssektors und zeigt auch klar, dass unsere Betriebe attraktive Arbeitgeber sind. Die beste Idee am Weg zur Nummer 1 kann nur in der Entlastung von Unternehmen gefunden werden, davon bin ich überzeugt.

Was erwarten Sie sich von der Koralmbahn?
Es ist historisch belegbar, dass überall dort, wo Verkehrserschließungen erfolgen, auch wirtschaftliche Entwicklung stattfindet. Man denke an den Bau der A2 Südautobahn im Tal. Wirtschaftlich betrachtet erwarte ich mir durch diesen Verkehrsmeilenstein natürlich eine Aufwertung der gesamten Region.

Wie stehen Sie zum geplanten Lithiumabbau auf der Koralm?
Grundsätzlich begrüße ich jede wirtschaftliche Entwicklung. Das Thema Lithiumabbau ist sicherlich ein sensibles. Da gilt es mehrere Standpunkte unter einen Hut zu bringen: das Ermöglichen von Unternehmertum, die Achtung und der Schutz von Eigentum, die Berücksichtigung von Anrainerinteressen, aber selbstverständlich auch der Einklang mit Natur und Umwelt.

Ihr Privatleben?
Ich bin verheiratet, wir haben drei Kinder und bereits einen Enkel. Meine Frau ist beruflich im Bildungsbereich tätig. Meine älteste Tochter ist nach dem BWL-Studium als Geschäftsführerin im Familienbetrieb eingestiegen. Mein Enkel schnuppert dabei schon ab und zu Unternehmerluft. Mein Sohn studiert Verfahrenstechnik an der TU Graz und arbeitet an Projekten im Unternehmen mit. Meine jüngste Tochter ist zurzeit an der HLW Wolfsberg in Ausbildung. Meine Mutter ist in Pension und gibt uns immer wieder mentale Unterstützung durch ihre Erfahrung als Unternehmerin. 

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich halte mich gerne in der Natur auf, beim Waldarbeiten oder der Jagd. Bei meinem größten Hobby, dem Wandern, sehe ich einige Parallelen zum Unternehmertum, die Themen Durchhalten und Dabeibleiben, Schritt für Schritt und Höhenmeter um Höhenmeter zum gesteckten Ziel.

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