Klaus Nößler: »Wenn man ein Flugzeug fliegen kann, kann man alle Maschinen beherrschen«Ausgabe 36 | Mittwoch, 4. September 2019

Klaus Nößler ist Pilot, Gleitschirm- und Drachenfluglehrer sowie Betriebsleiter am Wolfsberger Flugplatz. Mit den Unterkärntner Nachrichten spricht der Naturbursch über die Fliegerei, sein selbstgebautes Flugzeug und warum sein Rufname als Pilot einfach Klaus ist.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Klaus Nößler vor seiner WT01-Hochdecker am Flugplatz in St. Marein bei den diesjährigen Flugsporttagen des KLV Wolfsberg. Foto: UN/much

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Seit wann sind Sie Betriebsleiter des KLV-Flugplatzes in St. Marein?
Ich bin seit 2005 Mitglied beim KLV und seit 2017 ehrenamtlicher Betriebsleiter.

Und seit wann sind Sie selbst als Pilot in der Luft?
Ich bin bereits seit 1986 mit Paragleitschirmen und Drachenflieger in der Luft. Seit 2010 fliege ich auch Flugzeuge, und zwar Ultra-Leicht-Flugzeuge.

»Ich war schon von Kindheitstagen an von der Fliegerei undFluggeräten fasziniert«
Klaus Nößler, Pilot, Paragleiter, Drachenflieger

Was macht für Sie die Faszination am Fliegen aus?
Die grenzenlose Freiheit. Ich war schon von Kindheitstagen an von der Fliegerei und Fluggeräten fasziniert. Im Alter von fünf Jahren durfte ich das erste Mal mit Josef Eberhart in einer Robin mitfliegen. Von da an wusste ich, dass ich auch irgendwann einmal selbst fliegen möchte. 

Ihre Anfänge liegen beim Paragleiten bzw. beim Drachenfliegen. Was bevorzugen Sie?
Es hat jede dieser beiden Sportarten seine Für und Wider. Es muss jeder für sich das Schöne herausfinden und für sich nutzen. Fliegen ist einfach genial. Das sollte Jeder richtig genießen. 

Über welche Flug- bzw. Pilotenscheine verfügen Sie?
Da besitze ich einige, vom Drachenflugschein über Paragleitschirmschein bis hin zum Pilotenschein für Ultra-Leicht-Flugzeuge. Das reicht mir auch, denn mittlerweile ist es mit den Ultra-Leicht-Flugzeugen auch schon möglich bis nach Berlin und weiter zu fliegen. Das habe ich mit meiner WT01-Hochdecker sogar selbst schon gemacht. Das war eine gemütliche Fünf-Stunden-Reise. 

Nehmen Sie auch an Bewerben bzw. Festivals teil?
Früher einmal war ich schon sehr viel unterwegs. Ich habe hauptsächlich an Drachenflugwettkämpfen teilgenommen. Mittlerweile musste ich aus Zeitgründen zurückstecken. Die Flugsporttage in St. Marein sind für mich natürlich ein Pflichttermin. Ein weiteres Treffen, bei dem ich heuer dabei sein werde, ist das Treffen der Gebirgspilotenvereinigung Österreich in Krimml. Das ist immer eine coole Sache, denn dabei wird nicht von einem Flugplatz aus gestartet bzw. auf einem Flugplatz gelandet, sondern auf unwegsamen Gelände. Das ist schon eine besondere Herausforderung. 

Wie viele Flugzeuge besitzen Sie?
Aktuell nur eines, den WT01-Hochdecker. Ich hatte auch noch eine Dragonfly. Diese Maschine habe ich selbst gebaut und flog sie einige Jahre. Vor ca. einem Monat hab ich das Flugzeug aber verkauft.

Können Sie sagen, wie viele Starts mit einem Flugzeug Sie mittlerweile absolviert haben?
Es dürften sicher so an die 3.000 Starts gewesen sein. Wie viele Starts ich mit einem Gleitschirm oder einem Drachen hinter mir habe, kann ich beim besten Willen nicht sagen.

Haben Sie auch schon brenzlige Situationen erlebt?
Hin und wieder gibt es, wenn man so viel in der Luft ist, natürlich schon auch schwierigere Situationen. Aber ich konnte diese bislang meistern und hatte noch keine Unfälle seit ich fliege. 

»Zur mir sagen alle einfach Klaus. Das ist kurz und einfach. Und mir passt das schon«
Klaus Nößler, auf die Frage nach seinem Rufnamen als Pilot

Die Militärpiloten haben ja immer einen coolen Rufnamen beim Funken. Haben Sie auch einen speziellen Namen in der Luft?
Zur mir sagen alle einfach Klaus. Da ist kurz und einfach. Und mir passt das schon. Aber natürlich gibt es auch einige Piloten, die sich etwas Spezielles aussuchen.

Wie viele Stunden gingen für den Bau der Dragonfly drauf?
Es ist ein Ultra-Leicht-Flugzeug und ich denke, es werden so rund 300 Arbeitsstunden gewesen sein. Ich habe ja alles selbst gemacht.

Sie haben im Jahr 2000 Ihre eigene Flugschule gegründet. Was bieten Sie alles an?
Ich habe die Lizenz zum Ausbilden von Drachenfliegern und Paragleitern. So biete ich natürlich entsprechende Kurse an. Aber man kann bei mir auch Tandemflüge, sowohl mit dem Gleitschirm als auch mit einem Drachen buchen. Weiters habe ich noch eine Werkstatt, um Gleitschirme bzw. Drachenfluggeräte zu warten. Und ich bin behördlich zugelassener Prüfer für Gleitschirme.

Nebenbei haben Sie aber auch noch eine Werkstatt für Planen?
Da ich für Gleitschirme schon viel Nähen musste, habe ich den Aufgabenbereich ein wenig erweitert. Ich produziere auch Sonnensegel und Bootspersennings. Das sind Abdeckungen für Boote.

Wie aufwendig ist es, den Pilotenschein zu machen?
Es beginnt mit der Ausbildung zum Privatpiloten. Dafür sind 35 Flugstunden, zehn davon im Alleinflug unter Aufsicht eines Fluglehrers vorgesehen. Dazu gibt es noch eine theoretische und praktische Prüfung. Möglich ist die Pilotenausbildung ab 15 Jahren. Dieses Alter gilt übrigens auch für die Gleitschirmlizenz bzw. die Drachenfliegerlizenz.

Ist die Fliegerei nicht ein teures Hobby?
Eigentlich nicht. Es ist mittlerweile durchaus für jedermann leistbar. Man benötigt dazu ja auch kein eigenes Flugzeug. Der KLV Wolfsberg verfügt über einige Flugzeuge, die von den Mitgliedern genutzt werden können. 

9/11 jährt sich zum 18. Mal. Ist es für einen Hobbypiloten möglich, eine Boeing in ein Gebäude wie das World Trade Center zu fliegen?
Auf alle Fälle. Wenn man ein Flugzeug beherrscht, dann kann man eigentlich alle Maschinen fliegen. Man benötigt vielleicht noch eine kurze Einweisung, aber grundsätzlich ist es immer dasselbe. Die Leute, die ins World Trade Center geflogen sind, mussten weder starten noch landen. Es gibt auf dem Computer für jede Maschine Simulatoren. Wenn man sich damit beschäftigt, ist das kein Problem. Ich hatte Passagiere, die über jeden Knopf und alles Bescheid wussten, ohne jemals selbst geflogen zu sein.

Sie sehen aus wie ein richtiger Naturbursch. Sind Sie gerne in der Natur?
Als Pilot muss man ja nicht immer ein weißes Hemd tragen. Und ja, ich bin sehr gerne in der Natur. Ich gehe in meiner Freizeit auch sehr gerne wandern und bin auf dem Mountainbike unterwegs. Und zum Abschalten bin ich mit meiner Familie recht oft am Meer in Italien.

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