Tanz, Musik, Mode: Ein Lavanttaler erobert die USA Ausgabe 30 | Mittwoch, 24. Juli 2019

Um als Tänzer Karriere zu machen, reiste Lukas van der Fecht vor sechs Jahren in die USA. In New York City lernte er seine große Liebe kennen, hat geheiratet und ist in den USA geblieben. Heute hält er Tanzworkshops, choreografiert Shows und designt Mode.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Lukas van der Fecht (links) und Justin Conte bei einem Videodreh. Die Choreographie, Musik und Kleider für seine Auftritte und Videos entwirft der Wolfsberger selbst. Mit den »Pendulum People« war er in den USA bereits bei zahlreichen Events und Festivals dabei. In Zukunft will er auch in Österreich auf die Bühne treten. Fotos: KK/privat

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Wie lange leben Sie nun schon in den USA?
Seit 2013. Ich habe zuvor in Österreich und Europa als Tänzer gearbeitet, brauchte aber eine neue Herausforderung. Und da wollte ich einmal den Markt in den USA checken. Ich bin nach New York gegangen und habe zunächst mit Commercial Dancing, also als Backgroundtänzer mit Musikern auf ihren Touren oder für ihre Videos, gearbeitet. Es war aber nichts für mich, jeden Tag zu Auditions zu gehen. 2014 lernte ich dann Justin Conte kennen. Neun Monate später haben wir geheiratet und uns dann mit weiteren Leuten zusammengetan und ein Künstlerkollektiv, die »Pendulum People«, gegründet.

Wie ging es dann mit ihrer Tanzkarriere weiter?
Ich habe mich selbstständig gemacht. Neben dem Tanzen bin ich in die Modewelt eingetaucht und habe auch als Stylist für unsere Shows gearbeitet. Mit den »Pendulum People« sind wir in den USA bei zahlreichen Events und Festivals aufgetreten. Wir sind eine Gruppe, die alles selbst macht – von der Choreographie über die Musik bis hin zu den Kostümen.

Und davon konnten Sie in den Staaten gut leben?
Es geht für mich nicht immer nur ums Geld. Mir ist es wichtig, dass ich machen kann, was mir gefällt, womit ich mich identifizieren kann, wofür ich eine Leidenschaft habe und dass ich authentisch bin. Es ist natürlich nicht immer einfach. Man muss ständig mehrere Jobs annehmen und manchmal kommt man gerade so über die Runden. Aber das Arbeiten hält einen auf den Beinen. Es gab schon auch Zeiten, in denen ich länger ohne Beschäftigung war und das Geld bis auf den letzten Dollar aufgebraucht war. Aber man muss sich selbst vertrauen und mit den kleinen Dingen des Lebens glücklich sein.

Hatten Sie in den USA bereits irgendwelche Auftritte mit berühmten Künstlern?
Ein besonderes Erlebnis war es, bei den Grammy Awards 2018 mit Rihanna zu tanzen. Sie war echt cool, eine echte Businessfrau, die weiß, was sie will, und überhaupt nichts von einer Diva hat.

Wie sind Sie zu diesem Auftritt gekommen?
Das war recht kurzfristig. Eine Freundin von Justin war damals Assistant Choreographer, und der Gruppe ist unerwartet ein Tänzer ausgefallen. Justin schlug daraufhin mich vor und so wurde ich zu einer Audition eingeladen. Dann ging alles ganz schnell. Ich habe sofort ein Audition-Video eingereicht und am nächsten Tag wurde ich bereits zur ersten Probe eingeladen.

Sie sind aber nicht nur Tänzer, Sie machen auch Musik.
Seit ich 16 Jahre alt war, habe ich elektronische Musik gemacht. Durch die »Pendulum People« kam ich dann in New York mit der Musikszene in Kontakt. Zunächst produzierte ich den Sound für unsere Auftritte. Das ist gut angekommen und die Leute meinten, ich solle doch etwas veröffentlichen. Und so habe ich mein erstes Album herausgebracht. Es ist einfach coole Musik, die unser Lebensgefühl ausdrückt und zu unseren Moves passt.

Sie haben gesagt, Sie seien in die Modewelt eingetaucht. Was machen Sie?
Es hat damit angefangen, dass ich die Kostüme und Kleider für  unsere Auftritte schneiderte. Dadurch kamen immer mehr Leute auf mich zu, die meine Kleidung tragen wollten. Ich produziere mittlerweile komplette Outfits, Hosen, Kleider, Mäntel, Hüte ...

Sie sind ja sehr vielseitig unterwegs.
Ich sehe mich bzw. uns als Creative Consulting Company. Justin und ich beraten in den Bereichen Movement, Musik, Kleidung, produzieren aber auch Musik, Videos und geben Workshops. Wir wollen den Menschen helfen, ihre Ziele zu erreichen und die dafür notwendigen Konzepte zu entwickeln.

Sie haben Ihren Ehemann Justin in New York kennengelernt und recht schnell geheiratet. Ist er auch Tänzer?
Als ich 2013 nach New York ging, wollte ich zunächst nur kurz bleiben. Nachdem ich Justin kennenlernte, habe ich mich aber entschieden zu bleiben. Justin gibt Tanzunterricht und Workshops auf der ganzen Welt und produziert Videos für bekannte Künstler. Wir halten auch gemeinsam Workshops ab oder tanzen bei verschiedenen Events. Wir haben zum Beispiel bei zwei Konzerten von »FKA Twigs« getanzt, Videos produziert usw. Wir machen aber generell recht viel für Künstler, vor allem aus den USA und Großbritannien.

Wie ist das Leben mit einem Mann. Gab es im teilweise konservativen Amerika nie Probleme?
New York ist eine sehr liberale und diverse Metropole. Da ist das nichts Ungewöhnliches. In Wolfsberg ist es schon ein wenig anders. Da schauen einem die Menschen schon öfters hinterher. Aber das geht an uns vorbei. Wir wollen den Leuten zeigen, dass es ganz normal ist, wenn zwei Männer zusammen sind. Wir sind doch alle Menschen.

In New York leben auch viele Österreicher, zum Beispiel Model Nadine Leopold oder Saxofonist Dennis Brandner. Haben Sie schon Landsleute getroffen?
Leopold und Brandner habe ich nicht getroffen. Aber es kommen regelmäßig Tanzstudenten aus Österreich nach New York. Und davon gar nicht wenige. Da habe  ich schon viele getroffen.

Wie sind Sie zum Tanzen gekommen, wann haben Sie begonnen?
Mit sieben Jahren bin ich zu meinen Eltern gegangen und habe gesagt: Ich möchte tanzen. Erst wussten Sie nicht, was ich meinte, dann haben sie mich aber voll unterstützt. Zuerst tanzte ich lateinamerikanische Tänze und wurde Kärntner, österreichischer und jüngster Staatsmeister in der A-Klasse. Mit 16 wechselte ich zum Showdance. Das war der Beginn meiner heutigen Karriere.

Haben Sie weitere Preise gewonnen?
In Porec wurde ich dreifacher Weltmeister und doppelter Vizeweltmeister. Dabei wurde ich von einem australischen Jurymitglied entdeckt und nach Sidney zu einem einjährigen Tanzstudium eingeladen.

Eine schöne Kindheitserinnerung?
Als Kind wuchs ich in den Sommermonaten in Vrbnik auf der Insel Krk auf. Das sind sehr schöne Erinnerungen. Heuer war ich mit meiner Familie wieder dort, da nahm ich mir vor, nächstes Jahr dort länger Urlaub zu machen.

Wie hält man von den USA aus Kontakt zur Familie?
Wir kommunizieren regelmäßig über Facetime, ein- bis zweimal pro Jahr komme ich auch ins Lavanttal, das nächste Mal heuer zu Weihnachten.

Haben Sie noch viel Kontakte in Österreich?
Wir sind öfters in Österreich und nutzen dann so viel Zeit wie möglich, um sie mit der Familie zu verbringen. Aber auch mit meinen Freunden gibt es noch regen Kontakt. Einige Bekannte haben mich auch schon öfters in New York besucht.

Was schätzen Sie an Wolfsberg?
Das Essen, die Ruhe, die Natur und die Menschen. Es ist mein Ursprung, hier habe ich meine Wurzeln.

Wollen Sie irgendwann nach Österreich zurückkehren?
Im Moment nicht, es läuft in den USA beruflich gerade sehr gut, und in Österreich ist auch der Markt für Tänzer bzw. Projekte, die wir machen, einfach zu klein. Wir haben aber schon vor, in Zukunft ein paar Konzerte in Österreich zu geben. Da sind wir bereits am Planen. Wir möchten aber noch viel reisen und erleben, ein größeres Netzwerk aufbauen und schauen, was die Welt zu bieten hat, bevor wir entscheiden, wo wir uns niederlassen werden. Bezüglich einer Rückkehr nach Österreich kann ich nur sagen: Sag niemals nie.

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