Helvig Eva Kanduth: »Es waren schon sehr fordernde Zeiten, oft hatte ich kaum Zeit zu essen«Ausgabe | Mittwoch, 24. April 2019

Die Lavanttalerin Helvig Kanduth ist seit elf Jahren selbstständige Geschäftsführerin des Klagenfurter Traditionshotels »Sandwirth«. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach sie über die Hotelbranche, ihre große Familie und die Gesetzesflut in Österreich.

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Sie stammen von einem großen Bauernhof im Lavanttal. War es nie angedacht, dass Sie einmal den Hof übernehmen?
Wir sind ja vier Mädels, und dann gibt es noch unseren Bruder. Der Bauernhof war immer für ihn gedacht.

Und Sie wollten von jeher in den Tourismusbereich bzw. die Hotellerie?
Das war nicht so geplant. Ich habe in Graz BWL studiert und mich danach bei einigen Unternehmen beworben. Schließlich bekam ich bei der Papierfabrik Frantschach in der Zentrale in Wien einen Job. Ich war damals in einem Team, mit dem wir verschiedene Optimierungsprojekte umgesetzt haben. Wir waren dabei in ganz Europa unterwegs. In dieser Zeit hat sich Frantschach vergrößert und es war spannend dabei zu sein, wie Frantschach in eine Konzernstruktur kam.

Führten Sie auch Projekte im Lavanttal durch?
Für Frantschach war ich nicht im Lavanttal tätig. Aber nach drei Jahren beendete ich meine Tätigkeit beim Papierkonzern und wechselte zur Firma Velox. Für diese war ich für Sales & Marketing verantwortlich.

Und wie sind Sie dann zur Hotellerie bzw. zum »Sandwirth« gekommen?
2003 habe ich meinen Mann Robert bei der Generalversammlung der Industriellenvereinigung kennengelernt. Er hatte kurz davor das Hotel »Sandwirth« wiedereröffnet. Noch am selben Abend hat er mich zum Sandwirth »entführt« und mir das Hotel gezeigt. Wir sind stundenlang in der Leselounge gesessen und haben uns unterhalten – und da hat es dann auch gleich irgendwie gefunkt. 

Also war es Liebe auf den ersten Blick?
Ja, das könnte man so sagen. Denn wir wussten sehr rasch, dass wir ziemlich ähnlich ticken.

Aber zunächst wollten Sie das Hotel nicht übernehmen?
Es war natürlich nicht mein Plan, ich hatte ja keinerlei Erfahrung mit einem Hotel. Aber ich bin dann langsam hineingewachsen, war auch bei der Erweiterung in den Planungsprozess eingebunden und später für den Bau zuständig. Da habe ich dann meine Liebe zur Hotellerie entdeckt.

Vor elf Jahren haben Sie dann die Geschäftsführung übernommen. Und ist gleich alles gut gegangen?
Im Großen und Ganzen schon. Natürlich macht man am Anfang Fehler, aber daraus lernt man. Und ich habe ein großartiges Team, auf das Verlass ist. Da weiß jeder, was er zu tun hat.  

Beim »Sandwirth« steigen ja auch immer wieder Promis ab. Welche konnten Sie schon bewirten?
Das waren schon eine ganze Menge. Erst kürzlich war Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Gast bei uns. Auch Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko war schon bei uns und der bekannte Sänger »Seal« nächtigte im »Sandwirth«.

Und wie kompliziert waren bzw. welche Ansprüche hatten ihre prominenten Gäste?
Aus der Erfahrung kann ich sagen, je prominenter eine Person ist, desto einfacher und relaxter sind diese Menschen. Zum Beispiel Seal war komplett easy going. Ich dachte, er wird sicher auf seinem Zimmer frühstücken wollen usw. Aber er hat sich einfach eine Jogginghose angezogen und ist ganz normal, wie jeder andere Gast, in den Frühstücksraum gekommen und hat sich auf das Büffet gestürzt.

Der »Sandwirth« läuft sehr gut. Können Sie sich vorstellen auch im Lavanttal ein Hotel zu eröffnen bzw. betreiben?
Nein. Ich habe nicht die Absicht, ein weiteres Hotel zu errichten. Ich bin mit dem »Sandwirth« ausgelastet, da steht derzeit eine Erweiterung auf dem Programm. Wir werden in der angrenzenden ehemaligen Benediktinerschule weitere Hotelzimmer errichten. Derzeit wird gerade eine Tiefgarage errichtet, ab Herbst soll der erste Teil benutzbar sein. Abgeschlossen wird die Erweiterung mit der Tiefgarage 2021.

Viele Unternehmer klagen über die Gesetzesflut. Ist Österreich überreguliert?
Es gibt mittlerweile zu viele Gesetze und Vorschriften, der Aufwand, alle Bestimmungen einzuhalten, ist schon riesig. Alleine wenn ich an die Dokumentationspflicht denke, da geht so viel Zeit verloren, ohne produktiv zu sein. Natürlich muss alles umgesetzt werden, aber es muss eine Vereinfachung her.

Die neue Regierung möchte das tun. Merkt man davon schon etwas?
Es hat sich schon einiges getan. Aber natürlich geht nicht alles auf einmal. Für wirkliche Veränderungen muss man das System ändern – und dazu braucht es viel Zeit. Aber ich bin zuversichtlich.

Sie haben vier Kinder, Karenz hat es für Sie aber nie gegeben. Wie schafft man das?
Ganz einfach: Es ist das Schönste auf der Welt, viele Kinder, einen tollen Mann und einen so erfüllenden Beruf zu haben. Zwei, drei Wochen nach der Geburt habe ich schon wieder gearbeitet. Ich kann sehr gut organisieren und hatte ein Au-Pair-Mädchen zur Unterstützung. Es waren sehr fordernde Zeiten, oft hatte ich kaum Zeit zu essen, und es war körperlich und mental sehr anstrengend. Aber in Summe war es ein großes Glück. Und jetzt, da die Kinder schon etwas größer sind, ist natürlich alles wesentlich einfacher. 

Vier Kinder und ein stressiger Job. Was tun Sie um abzuschalten?
Ich bin recht sportlich und reise sehr gerne.

Welchen Sport betreiben Sie?
In Klagenfurt kommt man am Triathlon eigentlich nicht vorbei. Wir haben ja jedes Jahr den Ironman, und da mein Mann auch schon drei Mal daran teilgenommen hat, trainiere ich auch oft mit ihm mit. Ich schwimme gerne, liebe Rennradfahren und laufen. Ich mache aber auch gerne Skitouren und gehe langlaufen.

Ist auch eine Ironman-Teilnahme geplant?
Das ist eigentlich schon ein Ziel. Jetzt, da die Kinder größer sind, könnte ich mir schon vorstellen, einmal bei einem Ironman an den Start zu gehen.

Und wohin reisen Sie?
Mein Mann muss beruflich viel reisen, er hat Kunden in Südamerika, den USA und Asien. Da sind wir oft gemeinsam unterwegs und hängen dann einfach ein paar Tage Urlaub an. 

Und sind Sie auch noch regelmäßig im Lavanttal ?
Ja, gerade erst zu Ostern war ich wieder zu Hause. Meine Eltern leben ja nach wie vor im Tal und die besuche ich natürlich regelmäßig. Ich komme immer wieder gerne ins Lavanttal.

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