Nun warten sie auf die Reaktion der ArbeitgeberAusgabe | Mittwoch, 20. März 2019

Mit den von der Arbeitgeberseite angebotenen 2,4 Prozent Lohnerhöhung wollen sich die Vertreter der Produktionsgewerkschaft nicht zufrieden geben. Der Protestmarsch in Bad Eisenkappel am vergangenen Donnerstag verlief »friedlich, aber lautstark».

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Eisenkappel, Vellach. Vergangenen Donnerstag marschierten Forstarbeiter vom Gemeindeamt in Bad Eisenkappel bis zum Schloss Hagenegg in Vellach. Sie protestierten laut dem Veranstalter »friedlich, aber lautstark« für höhere Löhne, denn bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Privatforste gibt es laut Branchensekretär Franz Stürmer von der Produktionsgewerkschaft (Pro-Ge) bis dato keine Bewegung seitens der Arbeitgeber. Am 22. Jänner wurde die zweite Kollektivvertragsverhandlung für die Arbeiter der heimischen Privatforste ohne Ergebnis abgebrochen. 

Unverständnis bei Betriebsräten

»Die Arbeitgeberseite hat weiteren Verhandlungen eine Absage erteilt und lediglich eine unverbindliche Empfehlung an die Unternehmen abgegeben, die Löhne um 2,4 Prozent zu erhöhen. Das stößt bei den Betriebsräten auf Unverständnis. Wir haben daher beschlossen, Protestmaßnahmen einzuleiten«, so Stürmer. 

Laut ihm sollen rund 200 Personen an dem Protestmarsch teilgenommen haben, der deshalb in Bad Eisenkappel stattfand, weil der Verhandlungsleiter der Obmännerkonferenz der Arbeitgeberverbände der privaten Land- und Forstwirtschaften, Johannes Thurn-Valsassina, hier wohnt. »Wir wollen in Richtung drei Prozent Lohnerhöhung«, macht Stürmer gegenüber den Unterkärntner Nachrichten das Ziel der Pro-Ge klar. Derzeit gelten für die Forstarbeiter in Privatforsten die Löhne aus dem Jahr 2014.

»Ausnahmesituation«

Thurn-Valsassina stellte sich den Protestierenden. Es gab Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern. Den Unterkärntner Nachrichten erklärte der Verhandlungsleiter den Standpunkt der Arbeitgeberseite: »Aufgrund der wirtschaftlichen Ausnahmesituation können wir nicht mehr geben. Es war schon sehr schwierig, sich auf der Arbeitgeberseite auf 2,4 Prozent zu einigen.« Die wirtschaftliche Ausnahmesituation rührt laut Thurn-Valsassina daher, dass die mitteleuropäische Forstwirtschaft insgesamt vor dem massiven Problem steht, dass die Umsätze aufgrund der enormen Mengen an Schadholz (Käfer, Windwurf), die auf den Markt drücken, um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen sind. Allein in Italien würden rund 15 Millionen Festmeter Holz seit dem Sturm am 27. Oktober 2018 am Boden liegen. Diese würden nun für fünf bis zehn Euro pro Festmeter auf den Markt gelangen, quasi ein »Entsorgungspreis«. 

Preisverfall

Die Hitzewelle in Nordösterreich im Vorjahr, die auch Deutschland und Tschechien betraf, sorgte außerdem für 50 Millionen Festmeter Schadholz durch den Borkenkäfer: »Dieses Schadholz steht noch, ist aber bereits in der Pipeline und wird auch auf den Markt drücken.« Lag der Rundholzpreis in Österreich 2018 noch bei über 95 Euro, sind es aktuell laut Thurn-Valsassina nur mehr zwischen 70 und 75 Euro pro Festmeter: »Wegen dieser Umsatzeinbußen wird die Lohnerhöhung aus der Substanz der Betriebe bezahlt, deshalb finden wir das Angebot fair.«

Pro-Ge wartet auf Reaktion

Dass die Arbeitnehmerseite diese Meinung nicht teilt, zeigte der Protestmarsch. Die Pro-Ge will einige Wochen auf die Reaktion der Arbeitgeber warten. »Wenn sich nichts tut, werden wir mit Betriebsversammlungen weitergehen, um erneut über die Situation zu informieren. Wir würden gerne einen Abschluss tätigen«, so Stürmer. Dass es überhaupt zu einem Protestmarsch gekommen ist, bei dem der Verhandlungsleiter Zuhause »besucht« wird, kritisiert Thurn-Valsassina: »Ich nehme es sportlich, aber diese Eskalationsstufe ist unüblich und belastend.«

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