Ihre Kunstwerke galten in der Zeit des Nationalsozialismus als "entartet"Ausgabe | Mittwoch, 13. Februar 2019

Mit Ernst Barlach und Käthe Kollwitz kommen ab Mai Werke von zwei Vorläufern des Expressionismus nach Bleiburg. Mit 160 Exponaten ist es die größte Ausstellung dieser beiden deutschen Künstler, die es bis jetzt in Österreich gegeben hat.

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Bleiburg. Heuer stellt das Werner Berg Museum in Bleiburg Werke der beiden deutschen Künstler Käthe Kollwitz (1867 – 1945) und Ernst Barlach (1870 – 1938) in Relation zu Spätwerken von Werner Berg. Diese Tradition der Gegenüberstellung von Künstlern hat in Bleiburg im Jahr 2004 begonnen und obwohl Kollwitz und Barlach zwei Generationen vor Berg auf die Welt kamen – Werner Berg lebte von 1901 bis 1981 – waren diese beiden Künstler sehr wichtig für ihn.

Für den Frieden

»Barlach war Maler, Bildhauer und Schriftsteller, er hat auch Theaterstücke verfasst, und Kollwitz ist die wohl bis heute bekannteste deutsche Künstlerin«, erklärt Museumsleiter Arthur Ottowitz. Beide malten gegen Krieg, Hass und Gewalt und für den Frieden, aufgrund ihrer Erlebnisse während des ersten Weltkriegs. »Kollwitz verlor einen Sohn im ersten Weltkrieg«, weiß Ottowitz. Zur ihren bekanntesten Werken zählen die Bilderzyklen »Ein Weberaufstand« und »Bauernkrieg«. Für den ersten Zyklus wurde sie 1898 für die »kleine goldene Medaille« vorgeschlagen, was aber von Kaiser Wilhelm II. abgelehnt wurde, da er ihre Darstellungen von der Armut der Menschen als »Rinnsteinkunst« bezeichnete.

Das bekannteste Mahnmal gegen den Krieg ist Barlachs Bronzeskulptur »Der Schwebende«, auch bekannt als der »Engel von Güstrow«. Das Gesicht des Engels ist ein Abbild von Käthe Kollwitz und die Skulptur hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich. »Wie auch die Werke von Werner Berg wurden jene von Barlach und Kollwitz in der Zeit des Nationalsozialismus als ›Entartete Kunst‹ bezeichnet«, so der Museumsleiter. »Der Schwebende«, der 1927 von Barlach für den Güstrower Dom gefertigt wurde, wurde von den Nazis eingeschmolzen. Glücklicherweise existierte aber noch das originale Werkmodell, das einen Nachguss erlaubte, ehe es bei einem Bombenangriff zerstört wurde.

Größte Schau in Österreich

Der einzige bronzierte Gipsabguss des Engels wird auch im Werner Berg Museum zu sehen sein, neben 160 weiteren Werken. »Es ist die größte Ausstellung dieser beiden Künstler, die es je in Österreich gegeben hat«, ist Ottowitz stolz. Von den 160 Werken sind 40 Skulpturen von Barlach. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft in Hamburg. 

Wie seit der Gottfried Helnwein-Ausstellung im Jahr 2017, die dem Museum einen Rekord von 23.000 Besuchern bescherte, wird es auch heuer gr0ßflächige Fassadengestaltungen im Stadtkern zur Ausstellung geben. »Das Hinausgreifen in den öffentlichen Raum nimmt die Schwellenangst. Die ganze Stadt identifiziert sich mit dem Museum«, sagt Ottowitz. Er betont, dass es eine »sehr ernste und aufrüttelnde« Ausstellung wird, die »leider in die heutige Zeit passt«. Die reine Werner Berg-Ausstellung im Jubiläumsjahr 2018, in dem das Museum seinen 50. Geburtstag feierte, besuchten über 11.000 Kunstinteressierte. Doch nicht nur das Werner Berg Museum holt Künstler zu sich ins Haus, auch Bergs Bilder gehen auf Reisen. So sind 120 Werke von ihm ab 16. März  im Rahmen einer Sonderschau im Museum Penzberg in Oberbayern zu sehen. 

Werner Berg Museum

Ernst Barlach – Käthe Kollwitz: Über die Grenzen der Existenz

Ausstellungsdauer: 4. Mai bis 27. Oktober 2019

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Jeden Sonntag um 11 Uhr findet während der Ausstellung eine kostenlose Führung statt.

Web: www.wernerberg.museum

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