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500 Jahre altes Fastentuch kehrt nach dreijähriger Restaurierungszeit zurück in die LeonhardikircheAusgabe 19 | Mittwoch, 6. Mai 2026

Drei Jahre lang befand sich das 5,5 mal 3,65 Meter große Textil in Wien, wo es von Mitarbeitern des Bundesdenkmalamts restauriert wurde. Es besteht aus insgesamt 25 Bildfeldern und kehrte in der Vorwoche an seinen angestammten Platz in der Leonhardikirche zurück.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Mittels Kran und unter der Mithilfe von Mitarbeitern des Bundesdenkmalamts und Freiwilligen, wurde das mehr als 500 Jahre alte Fastentuch nach seiner Restaurierung wieder an seinem Platz in der Kirche montiert (Bild rechts). Links: Stadtpfarrer Martin Edlinger (2. v. l.), Pfarrgemeinderatsobmann Marco Kopp (l.) und Mitarbeiter des Bundesdenkmalamts. Fotos: Tripolt (3)

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Bad St. Leonhard. Nach drei Jahren intensiver Restaurierung ist eines der bedeutendsten sakralen Kunstwerke des Lavanttals an seinen angestammten Platz zurückgekehrt: das Fastentuch in der Leonhardikirche in Bad St. Leonhard. Das bemalte Textil zählt zu den ältesten noch erhaltenen Fastentüchern Kärntens. Entstanden ist es um 1520, doch es beeindruckt nicht nur durch sein Alter, sondern auch durch seine Dimensionen: 5,50 Meter hoch und 3,65 Meter breit spannt sich das Werk über die Nordwand des Presbyteriums. In einem streng gegliederten Feldertypus angelegt, erzählt es in 25 Bildfeldern – angeordnet in fünf Reihen zu je fünf Szenen – zentrale Geschichten der Bibel. Sieben Darstellungen widmen sich dem Alten Testament, 18 dem Neuen. Die Bildfolge reicht von der Schöpfung über die Verkündigung an Maria und die Passion Christi bis hin zur Auferstehung.

Seit 1915 in Bad St. Leonhard
Seit 1915 befindet sich das ursprünglich aus Reichenfels stammende Fastentuch in Bad St. Leonhard und prägt seither den Kirchenraum. Umso bemerkenswerter ist, dass es sich bei der nun abgeschlossenen Maßnahme um die erste umfassende Restaurierung seit über einem Jahrhundert handelt. »Es ist schön, wieder den vertrauten Anblick zu haben«, sagt Stadtpfarrer Martin Edlinger, nachdem das Textil am Mittwoch der Vorwoche mittels Kran und unter Mithilfe von Mitarbeitern des Bundesdenkmalamts in Wien und Freiwilligen wieder an seinen angestammten Platz gehievt wurde.  Das auf einem Spannrahmen fixierte Tuch wurde schließlich eingehängt und mit Muttern an seinem neuen alten Platz fixiert.

»Es ist schön, wieder den vertrauten Anblick zu haben«
Martin Edlinger, Stadtpfarrer

Die Arbeiten am Fastentuch begannen im Jahr 2023 und wurden  unter der Leitung des Bundesdenkmalamts, Abteilung für Konservierung und Restaurierung in Wien, durchgeführt. Daran haben eine Gemälde- und eine Textilrestauratorin eng zusammen gearbeitet. Wie Fachreferentin für Gemälde und Textil des Bundesdenkmalamts, Jessica Roßmann, erläutert, zeigte sich die Malschicht insgesamt in überraschend stabilem Zustand. Eingriffe konnten daher auf ein Minimum beschränkt werden. Statt umfangreicher Retuschen lag der Fokus auf der strukturellen Sicherung: Umgeschlagene Kanten wurden behutsam geöffnet, das gesamte Tuch mit einem stabilisierenden Stoff hinterlegt und nähtechnisch gesichert. Besonders heikel erwiesen sich die Bereiche rund um alte Nagellöcher, wo sich im Laufe der Zeit Rostrückstände gebildet hatten. Diese wurden sorgfältig behandelt und punktuell retuschiert, ohne den historischen Charakter zu verfälschen.

Fastentücher dienten ursprünglich dazu, während der Fastenzeit den Blick auf den Altar zu verhüllen und so den Fokus auf Buße und Besinnung zu lenken. Gleichzeitig fungierten sie als »Bilderbibeln«, die Gläubigen zentrale Inhalte der Heiligen Schrift vor Augen führten. Heute ist das Tuch ganzjährig zu sehen und kann nach Voranmeldung im Pfarramt sowie unter den Nummern 04350/2259, oder 0676/877 28 458 in der Kirche besichtigt werden. Eine feierliche Segnung ist für den Leonhardisonntag im November geplant, wie Stadtpfarrer Edlinger wissen ließ. 

Während die Mitarbeiter des Bundesdenkmalamts in der Vorwoche ihre Gerätschaften einräumten, wurde vor dem Eingangsportal der Kirche ein Gerüst aufgebaut. Beim Emporenfenster, oder auch Orgelfenster genannt, das aus dem Jahr 1886 stammt, werden in den kommenden Wochen einzelne beschädigte Glaselemente ausgetauscht. Zusätzlich erhält das Fenster eine Schutzverglasung, wie es bereits bei den anderen gotischen Kirchenfenstern der Fall ist.

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