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»Kinder geben so viel zurück«: Christoph Groß und sein Weg vom Schlosser zum KindergartenleiterAusgabe | Mittwoch, 8. Juli 2026

Der 45-Jährige tauschte Werkstatt und Baustellen gegen Elementarpädagogik. Heute leitet er den Kindergarten in Bad St. Leonhard und begleitet Kinder in ihrer wichtigsten Entwicklungsphase. Bereut hat er seinen ungewöhnlichen Karriereschritt keine Sekunde.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Christoph Groß ist gelernter Schlosser und schlug einen neuen Karriereweg ein. Seit September 2024 arbeitet der 45-Jährige als Leiter des Kindergartens in Bad St. Leonhard. Bild rechts: Groß mit seinem 15-köpfigen Team des Kindergartens. Fotos: Fotografie Gutschi, Jasmin Pieber Fotografie

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Wolfsberg, Bad St. Leonhard. Mit 45 Jahren hat Christoph Groß einen Berufsweg hinter sich, den wohl nur wenige erwartet hätten. Der heutige Leiter des Kindergartens Bad St. Leonhard, der seit zehn Jahren von den LKH-Zwergen betrieben wird (siehe auch S. 17), begann seine Laufbahn als Schlosser, arbeitete jahrelang auf Montage im Mobilfunkbereich und fand schließlich seine Berufung in der Elementarpädagogik. »Vom ersten Tag an war klar: Das ist das, was ich machen will«, sagt Groß rückblickend auf sein dreimonatiges Jobtraining, das er im Frühjahr 2017 im Kindergarten von Bad St. Leonhard absolvieren konnte. »Seit damals gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht gerne hierhergefahren bin. Für mich ist das nicht Arbeit«, so Groß, der mit seiner Frau, seinen drei Kindern und Zwergpudel Moki in St. Margarethen lebt.

Dabei war der Weg alles andere als vorgezeichnet. Nach einer Schlosserlehre und dem Bundesheer führte ihn sein Weg zunächst österreichweit auf Montage. »Die Montage war cool, das hat mir gut gefallen«, erzählt er. Als jedoch seine drei Kinder geboren wurden, änderten sich seine Prioritäten. »Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein, sondern mehr Zeit für die Familie haben«, sagt Groß. Statt auf Montage zu sein, startete er eine Beschäftigung in der Werkstatt eines Lavanttaler Unternehmens. Das brachte zwar geregeltere Arbeitszeiten mit sich, erfüllte ihn aber nicht. »Ich war einfach nicht mehr glücklich. Den ganzen Tag von früh bis spät in der Werkstatt – das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe«, blickt Groß zurück.

Die Inspiration für seinen Neuanfang kam aus der Familie. Seine Mutter arbeitete viele Jahre in Kindergärten in St. Margarethen und Wolfsberg. »Durch sie bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, etwas in diese Richtung zu machen«, erzählt Groß.

Ein entscheidender Wendepunkt war ein Gespräch beim Arbeitsmarktservice. »Hans Jürgen Pum vom AMS war ausschlaggebend dafür, dass ich heute hier bin«, sagt Groß. Gemeinsam mit den LKH-Zwergen wurde ein Jobtraining ermöglicht. Ein Gespräch mit Brigitte Wulz, der Leiterin der LKH-Zwerge, verlief gut. Groß durfte daraufhin das dreimonatige Jobtraining absolvieren. »Danach wusste ich: Genau das möchte ich machen«, erinnert sich der heute 45-Jährige. Den Kindergarten in Bad St. Leonhard verließ er nicht mehr.

Der Weg zum Pädagogen
Es folgte die Ausbildung zum Kleinkinderzieher am Institut für Bildung und Beratung (IBB) in Klagenfurt, die er 2018 abschloss. Doch damit war sein Bildungsweg nicht beendet: »Ich hatte keine Matura. Deshalb habe ich die Berufsreifeprüfung nachgeholt.« Seit Herbst 2025 studiert er an der Universität Graz »Elementar Plus« zum Elementarpädagogen. Zwei der sechs Semester hat er bereits abgeschlossen.
Seit September 2024 leitet Christoph Groß den Kindergarten in Bad St. Leonhard. Die Funktion übt er derzeit mit einer Ausnahmegenehmigung aus, bis Studium und der anschließende Leitungslehrgang abgeschlossen sind. Trotz der zusätzlichen Verantwortung möchte er eines keinesfalls aufgeben: die tägliche Arbeit mit den Kindern.

»Eine Gruppe hergeben würde ich auf keinen Fall. Man bekommt von den Kindern so viel zurück. Jeder Tag ist anders, keiner gleicht dem anderen«, sagt Groß, der gemeinsam mit Doris Unterluggauer weiterhin eine Kindergartengruppe betreut. Parallel dazu koordiniert er den Betrieb des Hauses: Dienst- und Urlaubspläne, Krankenstandsvertretungen, Brandschutz, behördliche Überprüfungen, Jahresplanungen, Ausflüge und Veranstaltungen gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie die organisatorische Leitung des Hauses. Groß: »Man muss alles am Laufen halten. Das ist nicht immer einfach. Aber mit unserem Team funktioniert das hervorragend.«

Insgesamt arbeiten im Kindergarten unter Groß 15 pädagogische Mitarbeiterinnen. »Ich muss unser Team wirklich loben. Mit ihnen zu arbeiten macht einfach Freude. Alle sind flexibel, jeder hilft jedem – es läuft sehr harmonisch ab«, sagt der Leiter über sein Team.

Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte, die sich im selben Gebäude befindet, und dem Kindergarten sieht er als großen Vorteil: »Das eine geht ins andere über. Die Kinder kennen uns bereits und wir kennen die Kinder, die zu uns kommen. Wir sind ein Haus und das ist Gold wert.« Derzeit besuchen 137 Kinder den Kindergarten und 30 Kinder die Kinderkrippe. Im Herbst werden es voraussichtlich rund 140 Kindergartenkinder sein, verteilt auf fünf Kindergartengruppen und eine alterserweiterte Gruppe.

Rückhalt der Familie
Als männlicher Kindergartenleiter fällt Christoph Groß durchaus auf. Negative Reaktionen hat er jedoch nie erlebt. »Alle haben meinen Schritt positiv aufgenommen. Es gab keine blöden Kommentare. Natürlich ist es ein ungewöhnlicher Berufswechsel, aber mein gesamtes Umfeld hat mich unterstützt, und dafür bin ich sehr dankbar.« Diese Unterstützung sei überhaupt entscheidend gewesen. »Ohne meine Familie wäre ich heute nicht hier. Dass alle hinter mir gestanden sind, war unglaublich wichtig«, weiß Groß, der seinen beruflichen Neuanfang nie bereut hat. Im Gegenteil: »Damals habe ich mir gedacht: Ich muss noch 30 Jahre arbeiten. Warum sollte ich das in einem Beruf tun, der mich nicht erfüllt? Ich bereue keine Sekunde.« Auch deshalb lautet sein Rat an andere: »Wenn man etwas anderes machen möchte und die Möglichkeit dazu hat, dann sollte man es einfach probieren.«

Auf die Frage, was ihm an seinem Beruf die größte Freude bereitet, kommt die Antwort ohne langes Überlegen: »Man darf Kinder in der wichtigsten Entwicklungsphase begleiten. Kinder sind so ehrlich. Sie bringen einen jeden Tag zum Lachen und geben einem unglaublich viel zurück.« 

Und wenn Christoph Groß einen Wunsch für »seine« Kinder in Bad St. Leonhard frei hätte, dann wäre dieser ganz einfach: »Ich wünsche mir, dass sie sich bei uns wohlfühlen, sich entfalten können und unser Kindergarten für sie wie ein zweites Zuhause ist.«

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