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Wolfsberg. Die Sanierung des unterirdischen Schoßbach-Laufs vom Getreidemarkt bis zur Lavant in Wolfsberg im Herbst 2024 hat für einige Hausbesitzer weitreichende Folgen gebracht: Besonders betroffen war davon auch das Haus Hoher Platz 24, in dem sich seit 1872 die Trafik Bardel befindet.
Während der Arbeiten am unter dem Gebäude befindlichen Gerinne des Schoßbachs kam es zu massiven Schäden. Der Boden hob sich, Mauern wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nun stehen die Sanierungsarbeiten am beschädigten Haus an. Daher muss die Trafik erstmals seit 1872 ihren Standort verlassen – wenn auch nur vorübergehend. Für die Dauer der Sanierungsarbeiten übersiedelt sie in das ehemalige Uhren- und Schmuckgeschäft Kudrinka, direkt gegenüber am Hohen Platz 21. Bis Samstag, 24. Jänner, bleibt der Betrieb noch am gewohnten Standort geöffnet, danach wird über das Wochenende gesiedelt. Ab Montag, 26. Jänner, empfängt die Trafik Bardel ihre Kundschaft am neuen Standort mit all den gewohnten Angeboten und Dienstleistungen. »Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen. Wir haben eine Glasfaserleitung verlegt, die wir für unser Lottoterminal benötigen. Für uns ist dieser, wenn auch nur kurzfristige Standortwechsel, ein historischer Schritt«, sagt Inhaber Dieter Bardel.
Die Arbeiten am beschädigten Gebäude sollen bis Ende März abgeschlossen sein. Danach wird die Trafik Bardel wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren – dorthin, wo seit über 150 Jahren Tabak verkauft wird und wo vier Generationen Familiengeschichte geschrieben haben.
Eine Trafik mit Geschichte
Die Trafik am Hohen Platz ist weit mehr als ein Geschäft – sie ist ein Stück Wolfsberger Identität. Seit 1872 gibt es an dieser Ecke eine Tabakverkaufsstelle. 1921 übernahm Johann Steiner, Bardels Urgroßvater, den Betrieb und führte ihn als Tabak-Hauptverlag. Seine Tochter Hermine Steiner hielt den Laden während des Zweiten Weltkriegs alleine am Laufen, ehe 1970 Gerhard Bardel übernahm und das Haus umfassend modernisierte. 1998 ging die Trafik schließlich an Dieter Bardel über, der die vierte Generation repräsentiert.
Bardel hat den Betrieb in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach neu ausgerichtet. Er erinnert sich: »Wir waren die erste Trafik im Bezirk mit einem Lottoterminal. Am Samstag standen die Leute bis auf die Straße.« Auch der erste begehbare Humidor – ein spezieller, meist hölzerner Behälter, der die ideale Luftfeuchtigkeit und Temperatur für die langfristige Lagerung von Zigarren schafft – der Region wurde hier eingerichtet. Außerdem wurde das Geschäft auch zweimal als bestes Pfeifenfachgeschäft Österreichs ausgezeichnet.

Von Michael Swersina
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