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Wolfsberg, Bagdad. »Nein«, sagt der 21-jährige Wolfsberger Sandro Kalcher, er legt es nicht darauf an, in Schwierigkeiten zu kommen. »Ich wollte nur die Zikkurat von Ur sehen.« Der etwa 4.000 Jahre alte frühere Stadtstaat Ur samt seinem weltberühmten Tempelturm liegt allerdings im heutigen Irak – keine Gegend, in der sich Touristen drängen, Sehenswürdigkeiten hin oder her. Doch Kalcher, der wie berichtet im vergangenen Jahr in Afghanistan »Urlaub« machte, ließ sich davon nicht abschrecken. Er verbrachte während des Jahreswechsels zwei Wochen im Irak – samt Silvesterfeier in der Stadt Erbil.
Doch wie kommt man eigentlich in den Irak? »Man kauft sich um rund 350 Euro ein Ticket und fliegt von Wien direkt nach Erbil«, sagt Kalcher. Am 25. Dezember hob der Wolfsberger mit Austrian Airlines ab. In Erbil angekommen, sah er sich erst den großen Weihnachtsmarkt an – »Es gibt in dieser Stadt eine große Christengemeinde« – und besuchte die dortige Zitadelle. Danach ging es um etwa zehn Euro in einem Sammeltaxi ins drei Stunden entfernte Bergdorf Akre, das sich der 21-Jährige auf Google Maps ausgesucht hatte. »Es ist ein Kurort für die Einheimischen und es gibt ein altes jüdisches Viertel, das ich besuchte. Juden leben dort allerdings nicht mehr«, sagt er. Nach zwei Tagen reiste er weiter in die Millionenstadt Mossul. Sie befindet sich dort, wo einst Ninive lag, die antike Hauptstadt des assyrischen Weltreichs. »Leider hat der IS vieles zerstört«, berichtet Kalcher, »alte Statuen wurden von ihnen enthauptet.« Von Mossul aus unternahm er Tagesausflüge zu den antiken Stätten Nimrud, Aššur und Hatra. Kalcher: »Hatra war ein Trainingslager des IS, doch einige Gebäude sind noch in gutem Zustand. In Aššur ist wenig los, die Ausgrabungen sind aber cool, die Zikkurat darf betreten werden.«
»Bei Hatra sollte man nicht weiter nach Westen in Richtung Syrien reisen«
Sandro Kalcher gibt einen Rat
Nach der Kultur dachte er an weltlichere Dinge: Um den Jahreswechsel zu feiern, fuhr er zurück nach Erbil, denn: »Dort gibt es Alkohol. Um Mitternacht wurde ein großes Feuerwerk gezündet und getanzt – ich war auch dabei.«
Es folgte der Besuch der Hauptstadt Bagdad: »Die zwei riesigen Schwerter von Kadesia sind sehr beeindruckend. Allerdings ist in der Stadt viel Militär unterwegs. Wenn man in die Grüne Zone kommt (Anm.: einst der Bereich der Regierung und des Diktator Saddam Hussein, dann Sitz der US-Armee), fühlt man sich wie in Europa, alles ist sehr modern.«
Die Stadt Ur
Und wieder ging es weiter – diesmal nach Süden, zur Stadt Nasiriyah, in deren Nähe das eigentliche Ziel der Reise, die Stadt Ur, liegt. Kalcher: »Hussein ließ die Zikkurat wieder aufbauen, es war sehr beeindruckend. Außer mir war niemand dort, 22 Euro Eintritt musste ich trotzdem bezahlen.«
Doch es gab nicht nur Monumente, sondern auch menschliche Begegnungen: In Al-Chibayish, einer Stadt am Euphrat, die von sogenannten »Marscharabern« bewohnt wird, schipperte Kalcher mit einem Boot durch den dortigen Sumpf: »Die Menschen leben auf kleinen Inseln in Strohhütten. Zu einer wurde ich hingerufen und zum Essen am Lagerfeuer und zum Übernachten eingeladen. Es waren auch zwei Iraker dabei, die eigentlich in Finnland leben.«
Eine der letzten Stationen war die legendäre Stadt Babylon, rund 90 Kilometer südlich von Bagdad. Laut dem Wolfsberger ein »archäologischer Super-Gau«, da sie überrestauriert wurde und wie neu aussieht. Allerdings: Die »hängenden Gärten«, ein Weltwunder, seien davon nicht betroffen. Und vom Turm zu Babel ist nur mehr eine drei Meter hohe Wand samt einem Erdhaufen zu sehen. Am 8. Jänner kehrte Kalcher nach Österreich zurück.
Sein Rat: »Bei Hatra sollte man nicht weiter nach Westen in Richtung Syrien reisen, denn die dortigen Checkpoints werden nicht mehr von Regierungssoldaten kontrolliert. Mir ist nichts passiert, aber es war seltsam. Ansonsten sind die Iraker extrem gastfreundlich, mehrere Male haben die Leute einfach für mich bezahlt.« Apropos: Was kostete der Urlaub? »Rund 2.000 Euro, mit den Flügen«, sagt der Wolfsberger, der bereits neue Ziele hat: »Ich möchte nach Kolumbien – oder nach Syrien, wenn es die dortige Lage wieder erlaubt.«

Von Horst Kakl
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