Streit um Koralpe: Riegler hat endgültig genug, Flick’sche Verwaltung »ist sofort gesprächsbereit«Ausgabe 29 | Mittwoch, 21. Juli 2021

Dietmar Riegler, Betreiber des Skibetriebs auf der Koralpe, sagt jetzt: »Ich bin weg.« Eine Zusammenarbeit mit Flick sei nicht möglich, dazu habe es »Aktionen« seitens des Flick-Bruders gegeben. Die Gegenseite will nun reden und sieht die Politik in der Pflicht.

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Koralpe. Jetzt ist der Ofen aus, nicht nur der Burgstallofen. Dietmar Riegler, Betreiber des Skibetriebs auf der Koralpe, hat genug und zieht sich endgültig zurück. »Mein Entschluss steht fest, ich bin weg. Die Zusammenarbeit mit der IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH funktioniert nicht«, so Riegler zu den Unterkärntner Nachrichten.

Er will nun gegenüber einem eventuellen neuen Betreiber »großzügig« sein, wie er sagt, doch der Übergang wird dennoch nicht einfach: Denn nicht nur die Lifte, die Beschneiungsanlagen und die Parkplätze, sondern auch das Fernwärmewerk, die Appartementanlage, der Speicherteich etc. befinden sich in Rieglers Besitz. Millionenwerte, die ein neuer Betreiber pachten müsste. Der hätte sich aber auch mit der IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH und deren Eigentümerin, der Milliardärin Ingrid Flick, auf guten Fuß zu stellen, von der er ebenfalls Grund bräuchte. Keine ganz leichte Situation, die Flicksche GmbH zeigte sich zuletzt trotzdem überzeugt, dass sich ein neuer Pächter finden werde. 

»Ohne politische Mediation wird der Karren wohl leider festgesteckt bleiben«
Wolfgang Rosam, Flick-Sprecher

Wie berichtet haben sich Riegler, dessen SW Koralpen GmbH das Ski- und Tourismusgebiet betreibt, und die IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH im Streit getrennt. Rieglers Anwalt Herbert Juri teilte am 24. Juni in einer Erklärung mit, dass sich Riegler von der Koralpe zurückziehen werde. Der WAC-Präsident wollte zur Zukunftssicherung mehrere Millionen Euro in den »Ausbau der Beschneiung, Erneuerung bzw. Erweiterung der Liftanlagen sowie sonstige Infrastruktur« investieren. Daher wurde seit 2019 über einen längerfristigen Nutzungsvertrag verhandelt – vergebens.

Schließlich einigten sich Riegler und der (mittlerweile abgezogene) Flick-Verwalter darauf, dass die SW Koralpen GmbH die für den touristischen Betrieb erforderlichen Grundstücksflächen kauft, was heuer am 31. März per Handschlag besiegelt wurde. Der Verwalter war wenig später nicht mehr auf seinem Posten, die IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH teilte mit, ein Verkauf käme nicht in Frage.

Riegler ging darauf am 24. Juni mit einer Aussendung an die Öffentlichkeit, wohl auch in der Hoffnung, Flick doch noch zum Einlenken bewegen zu können. Es wurde nichts daraus. In einer weiteren öffentlichen Erklärung am 15. Juli teilte Riegler nun mit, dass eine »Weiterführung des Ski- und Tourismusgebietes durch unser Unternehmen unter den gegebenen Bedingungen bedauerlicherweise nicht mehr möglich« sei, er habe endgültig genug. 

In der jüngsten Mitteilung merkte Riegler nicht nur die »teilweise äußerst unsachlichen Reaktionen von Vertretern der IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH« auf seine erste Aussendung an. Er legte auch dar, »die Betriebsführung durch unser Unternehmen gestaltete sich in den letzten Jahren, insbesondere durch wiederholte ›Aktionen‹ seitens Herrn Günther Ragger (Anm.: der Bruder von Ingrid Flick), welcher für die IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH auf der Koralpe maßgeblich handelte, schwierig.« Lediglich aufgrund der  »umsichtigen Geschäftsführung« des abgezogenen Verwalters konnten die Probleme beigelegt werden.

Das sagt die Gegenseite

Wolfgang Rosam, Sprecher der IF Forst- und Gutsverwaltungs GmbH, sagt jetzt: »Herr Riegler hat einen gültigen Pachtvertrag bis 2023 mit Verlängerungsmöglichkeit bis 2028. Der Eigentümer war jedoch bereits mit Herrn Riegler im Gespräch und willens, einen noch viel längeren Pachtvertrag abzuschließen – etwa für 25 Jahre oder länger, um etwaige Investitionen für den Betreiber ›rechenbar‹ zu machen.« Doch Riegler sei »plötzlich« nur mehr an einem Kauf interessiert gewesen. Rosam: »Man hört, dass größere Immobilien-Development-Projekte bzw. Ferienimmobilien geplant sein sollen.« Einen Verkauf der Koralpe wollte aber der Eigentümer nicht. »So kam es zum bekannten und bedauerlichen Quasi-Ultimatum des Herrn Riegler an den Eigentümer, das man auch so übersetzen kann: Wenn ihr mir die Koralpe nicht verkauft, muss ich den Skibetrieb einstellen. Das ist der Status quo«, so der Sprecher .

Während Riegler endgültig genug zu haben scheint, ist laut Rosam eine Einigung weiter möglich. Der Sprecher: »Der Wolfsberger Bürgermeister Hannes Primus kündigte ja bereits einen runden Tisch an – mit allen Beteiligten. Also auch mit anderen Unternehmen, für die die Koralpe wichtig ist. Aber vor allem auch mit Herrn Riegler. Das begrüßen wir sehr!« Die Frage sei, ob Riegler dazu bereit ist. Rosam: »Wenn ihm die Entwicklung der Ferienregion und ihre darin arbeitenden Menschen wirklich ein Anliegen sind, wird er wohl nicht zögern, der Einladung des Bürgermeisters zu folgen.« Ohne politische Mediation werde der Karren aber »wohl leider festgesteckt bleiben,wovon niemand etwas hat! Der Eigentümer der Koralpe ist jedenfalls sofort gesprächsbereit, weil ihm das Naherholungsgebiet Koralpe für alle Kärntner und ihre Gäste wichtig ist«, sagt Rosam. Laut ihm sei jetzt »die Politik gefordert«.

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