Peter Ebner: »Es gibt Schlimmeres, als den ganzen Tag mit einem Rennauto herumzufahren«Ausgabe 45 | Mittwoch, 6. November 2019

Der ehemalige zweifache Motorradstaatsmeister Peter Ebner (48) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über seine aktive Zeit als Motorradfahrer und seinen Wechsel zur GT4-Serie sowie seine Arbeit als Fahrsicherheitstrainer und Coach für Rennfahrer.

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Mann, Boxengasse, Peter Ebner

Wie kamen Sie zum Motorsport?
Ich war schon als Kind davon begeistert und habe im Fernsehen Autorennen geschaut. Ich war auch mit meinen Eltern öfters am Österreich-Ring und immer wieder bei der Lavanttaler Mitternachtsrallye und beim Moto-Cross auf der Schlosswiese in Wolfsberg zuschauen. Dass ich dann selbst einmal Rennen fahren würde, daran habe ich damals aber noch nicht gedacht. 

Wann kam der Entschluss, Rennfahrer zu werden?
Das hat sich im Alter von 16, 17 Jahren langsam entwickelt. Mit 18 bekam ich mein erstes Motorrad und da stand dann fest, dass ich auch Rennen fahren möchte. Ich war zwar schon öfters auf Rennstrecken unterwegs, bis zu meinem ersten Rennen hat es aber noch ein bisschen gedauert.

Warum?
Ich musste ja zunächst die Schule fertig machen und anschließend zum Bundesheer. Außerdem mussten auch entsprechende finanzielle Mittel aufgestellt werden. 1995 habe ich dann am Österreich-Ring im damals neu errichteten ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum angefangen zu arbeiten. Mein Chef war Gustl Auinger, der erfolgreichste Motorrad-Rennfahrer Österreichs, der mich sehr unterstützt hat. So kam es schließlich zu meinem Einstieg in den Motorrad-Zirkus.

»1998 konnte ich den Meistertitel gewinnen, 1999 verteidigte ich meinen Titel erfolgreich« 
Peter Ebner, Motorsportler 

Wann fuhren Sie Ihr erstes Rennen?
Das war 1996, in der 125-Kubikzentimeter-Klasse, ein Lauf zur österreichischen Meisterschaft. Dabei hatte ich gleich einen Sturz und musste verletzungsbedingt den zweiten Meisterschaftslauf auslassen. Am Ende der Saison belegte ich in der Meisterschaftswertung Platz neun. Das war für mich okay, nachdem ich ja zwei Rennen nicht fahren konnte.

Nach der geglückten Premierensaison ging es steil nach oben.
1998 konnte ich den Meistertitel gewinnen und in der darauffolgenden Saison meinen Titel erfolgreich verteidigen. Im Jahr 2000 wechselte ich zur deutschen Meisterschaft.

Warum kam dieser Wechsel zustande?
Die Rennen in Deutschland waren damals stärker besetzt, ich konnte auch ein paar Europameisterschaftsläufe fahren und es sollte mir als Sprungbrett für die Weltmeisterschaft dienen. Ich fuhr für ein deutsches Team. Leider hatten wir dann einige technische Probleme, trotzdem reichte es für Platz sechs in der Meisterschaftswertung.

Aber für WM-Läufe hat es nicht gereicht?
Das war aus finanzieller Sicht leider nicht möglich. Daher bin ich 2001 in die Supermoto-Serie umgestiegen. Diese Serie war damals sehr populär. Es war eine Mischung aus Straßen- und Geländerennen. Ich bekam ein gutes Angebot von Yamaha und fuhr dann zwei Jahre lang um die österreichische Meisterschaft, einmal wurde ich auch Vizemeister.

2003 haben Sie aber Ihre Karriere beendet. Wieso?
Supermoto hat mir nicht so viel Spaß gemacht wie die Straßenrennen. Aber um mein Ziel, die Weltmeisterschaft, zu erreichen, fehlten leider die finanziellen Mittel. Und daher kam mein Karriereende. 

Sie sind dem Motorsport aber treu geblieben?
Ich war danach bis 2016 immer wieder bei Rallyes und auch Rundstreckenrennen am Start. Ich bin aber nur 2016 fast eine ganze Rallyesaison durchgefahren und wurde damals Vizemeister in der 2-WD-Klasse. Ansonsten nahm ich nur vereinzelt an Rallyeevents teil.

Und in welcher Klasse sind Sie Rundstreckenrennen gefahren?
2017 nahm ich an der GT4-Europameisterschaft teil und wurde am Ende Dritter. Ich war dann immer wieder bei einzelnen Rennen dabei, eine ganze Saison bin ich aber nicht mehr gefahren. Ich nahm auch an einigen Langstreckenrennen teil, wie zum Beispiel dem Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. 

Was machen Sie jetzt beruflich?
In Verbindung mit Mercedes-AMG bin ich weltweit unterwegs und führe Fahrtrainings durch, bin aber auch bei Presse-Events dabei und fahre mit Journalisten auf den Rennstrecken. Außerdem bin ich auch bei der Entwicklung von Fahrzeugen dabei und führe regelmäßig Testfahrten durch. Daneben coache ich auch noch Rennfahrer. Ende November bin ich zum Beispiel ein paar Tage in Barcelona, wo ich zwei Dänen coachen soll.

Also haben Sie einen Traumberuf?
Es ist ein lässiger Job. Ich bin viel unterwegs, habe im Laufe der Zeit sehr viele Länder gesehen und kann aber immer mit den neuesten und besten Autos mit 500 PS und mehr fahren. Es gibt Schlimmeres, als den ganzen Tag mit Rennautos zu fahren.

Haben Sie schon viele Tickets wegen zu schnell Fahrens bekommen?
Eigentlich sehr selten. Dadurch, dass ich sowieso immer auf Rennstrecken unterwegs bin, muss ich mich nicht auf einer normalen Straße austoben. Ich brauche auch privat keinen Sportwagen, sondern bevorzuge ein bequemes, komfortables Auto, um von A nach B zu kommen.

Was fahren Sie privat für ein Auto. Und fahren Sie auch noch Motorrad?
Ich habe einen Skoda. Das Motorradfahren interessiert mich privat nicht. Ich besitze auch kein Motorrad mehr.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Da ich ständig auf der ganzen Welt unterwegs bin, genieße ich die Zeit im Lavanttal. Im Winter bin ich immer wieder gerne auf den Bergen zum Skifahren, mache Skitouren oder gehe Langlaufen. Im Sommer bin ich sehr viel mit dem Mountainbike unterwegs. Durch mein ständiges Reisen lernt man erst richtig zu schätzen, wie schön es eigentlich bei uns im Lavanttal  ist.

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