So erleben die St. Pauler Mönche den LockdownAusgabe 49 | Mittwoch, 2. Dezember 2020

Auch die Mönche im St. Pauler Klöster erleben die Einschränkungen durch die Maßnahmen der Bundesregierung am eigenen Leib. Die Gottesdienste werden ohne Gläubige abgehalten. Pater Marian Kollmann sieht, trotz der Tragik, auch eine Chance für die Kirche.

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St. Paul. Der aktuelle Lockdown stellt viele Menschen vor Herausforderungen im privaten und beruflichen Bereich. So haben die Maßnahmen auch für starke Veränderungen im Benediktinerkloster St. Paul gesorgt. »Gemeinsame Aktivitäten wurden eingestellt. Wir haben uns darauf geeinigt, die Älteren zu schützen und so gut es geht zu isolieren. Dadurch, dass es jetzt keine Gottesdienste in ihrer ursprünglichen Form gibt, geht das natürlich leichter«, beginnt Stiftsadministrator Pater Marian Kollmann.

Herausfordernd sei für ihn und die aktuell zehn Mönche – im Jänner wird mit einem 26-Jährigen Deutschen der elfte Mönch im Kloster aufgenommen –, die im Stift St. Paul leben und arbeiten, vor allem der Wegfall äußerer Tätigkeiten. »Durch den Wegfall bestimmter Abläufe hat man mehr Zeit. Langeweile kann auftreten, und wenn die Menschen über längere Zeit auf engem Raum zusammen sind, entstehen auch hier Spannungen wie in einer Familie«, so Pater Marian.

»Auch hier bei uns entstehen Spannungen, wie es bei einer Familie der Fall ist«
Pater Marian, Stiftsadministrator

Zusammen mit den Mönchen geht er jetzt auch vermehrt Arbeiten nach, wie sie in einem Haushalt anfallen: »Ausmisten und putzen sind ein großes Thema. Es steht auch für diese Zeit, dass man Ordnung macht und in seinem eigenen Leben ausmistet.«

Gerade auch deshalb wird weiterhin an festen Gebets- und Mahlzeiten festgehalten. Pater Marian: »Ein geregelter Tagesablauf ist wichtig. Fixe Zeiten sind ein großer Halt und helfen, dem Tag eine Struktur zu verleihen.«

Die Ur-Mönchsform
Für Pater Marian und die Mönche ist der Lockdown im Grunde genommen nichts Neues. »Die Mönche leben, durch die Geschichte des heiligen Benedikt, nach der sie das Kloster nicht mehr verlassen sollen, nur für sich und somit bereits in einer Art eines Lockdowns. Das ist die Ur-Mönchsform, wie es sie seit 1.500 Jahren gibt«, so der Stiftsadministrator, der neben der Pfarre St. Paul auch für die Pfarre St. Georgen zuständig ist und im Stiftsgymnasium als Lehrer und Klassenvorstand fungiert.

Um die entstehenden Spannungen abzubauen, setzt der Pfarrer auf einen gemeinschaftsfreien Tag: »An diesem Tag, bei uns ist es immer der Samstag, hat den Tag jeder für sich. Verbracht wird die Zeit von einigen mit Wanderungen. Andere beschäftigen sich mit einem guten Buch. Das hat wirklich sehr viel an Puffer geboten, wenn man einen Tag völlige Ruhe hat.«

Die Gottesdienste in St. Georgen feiert Pater Marian jeden Sonntag alleine. Bei den Gottesdiensten im St. Pauler Kloster fungieren die Mönche als das Volk. »Bei aller Tragik, denn hier geht es um Existenzen, ist es auch eine Chance. Die Leute denken um und beschäftigen sich damit, was sie trägt und hält. Sie fragen sich, wie sie die Gottesdienstzeiten für sich selbst, zum Beispiel durch Gebete, gestalten können«, sagt Pater Marian.

Livestream auf YouTube
Live auf YouTube übertragen werden die Christmette am 24. Dezember sowie die Festmesse am Christtag (25. Dezember). »Das junge Durchschnittsalter der Mönche (Anm.: Der Altersschnitt liegt bei knapp über 40 Jahren, die Hälfte ist unter 50 Jahre alt) sorgt auch dafür, dass wir neue Elemente hereinholen und zusammen einen innovativeren Weg gehen«, freut sich Kollmann.
In Bezug auf die Corona-Pandemie erklärt der Pfarrer abschließend: »Das Wichtigste ist nicht zu verzweifeln. Es geht weiter. Also haben wir Hoffnung, dass es besser wird.«

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