Artikel
St. Paul. Zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung in St. Paul in der Vorwoche präsentierte Christoph Knauder von ALP.Lab ein Zukunftsprojekt in der Marktgemeinde: Ein autonomer Bus soll ab 2028 als Testfahrzeug im ländlichen Raum eingesetzt werden (wir berichteten). Knauder erläuterte Funktionsweise, Sicherheitskonzept und mögliche Einsatzgebiete – ein Projekt, das St. Paul langfristig zu einem Modellstandort machen könnte.
Danach ging man zur eigentlichen Tagesordnung über: Für Diskussionen und Ärger bei den St. Pauler Mandataren sorgte die Haltung der Stadt St. Andrä bezüglich des Schulbesuch eines Kindes aus St. Andrä in der Volksschule St. Paul. Vizebürgermeister Adolf Streit (ZAS) kritisierte, dass die Nachbargemeinde keinen Schulbeitrag leiste: »Es geht um die Kinder. Daher werden wir das Kind natürlich aufnehmen. Aber St. Andrä muss seinen Beitrag leisten. Wenn ein Kind aus unserer Gemeinde auswärts die Schule besucht, zahlen wir auch einen entsprechenden Beitrag.« Insgesamt besuchen drei Kinder aus St. Andrä die Schule, ohne dass die Stadt St. Andrä die Kosten übernimmt. Bürgermeister Stefan Salzmann (SPÖ) berichtete, dass bisherige Gespräche erfolglos geblieben sind: »Da sind wir stets auf taube Ohren gestoßen.«
Anders sieht es der St. Andräer Schulreferent Christian Taudes (ÖVP). Er sagte zu den Unterkärntner Nachrichten: »Wir haben Vorschläge der Gemeinde St. Paul erhalten, wie wir mit diesem Fall umgehen können. Die werden wir uns anschauen. Ich bin davon überzeugt, dass wir auf einen grünen Zweig kommen werden. Wir haben ja nicht kategorisch nein gesagt. Es wird noch Gespräche geben und zeitnah eine Lösung gefunden werden.«
Taudes sagte, dass für jedes St. Andräer Kind, das in einer anderen Gemeinde eine Pflichtschule besuchen möchte, individuell mit der Schulstandortgemeinde gesprochen werde und man in der Vergangenheit immer Lösungen gefunden habe. Manchmal werde ein Schulbeitrag bezahlt, manchmal nicht. »Meist ist es so, dass sich die Wechsel der Schüler hin und zurück von einer Gemeinde ausgleichen. Damit gleicht sich auch ein allfälliger Schulerhaltungsbeitrag aus«, meinte Taudes.
Die St. Pauler Gemeinderäte stimmten am Ende der Aufnahme des Kinds zu. Ob sich St. Andrä doch noch entschließt, einen Schulbeitrag zu leisten, wird sich in den kommenden Tagen klären.
Positiver Jahresabschluss
Breiten Raum nahm in der Sitzung der Bericht von Bürgermeister Salzmann über den St. Pauler Rechnungsabschluss des Jahres 2025 ein. Das Ergebnis fiel überraschend positiv aus: Statt der im Voranschlag erwarteten 254.100 Euro Plus konnte die Gemeinde einen Überschuss von 411.000 Eur0 erzielen. Gründe dafür waren höhere Ertragsanteile (+38.000 Euro), eine deutlich gestiegene Kommunalsteuer (+86.000 Euro) sowie geringere Transferzahlungen im Sozialbereich und bei der Abgangsdeckung für Krankenanstalten. Die sanken auf 686.607 Euro – ein Rückgang um 43.206 Euro gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig investierte die Gemeinde kräftig in den Um- und Zubau der Musikschule, den Hochbehälter Kampach, eine neue Bushaltestelle im Granitztal, den Ausbau von Geh- und Radwegen sowie in das örtliche Entwicklungskonzept. Zum Jahresende 2025 verfügte St. Paul über ein Anlagevermögen von 25,7 Millionen Euro, davon 87 Prozent Eigenmittel und 13 Prozent Fremdmittel.
Gemeindevorstand Helmut Krobath (ZAS) mahnte trotz des guten Ergebnisses zur Vorsicht. Der Überschuss enthalte auch Gewinne aus Gebührenhaushalten, bereinigt bleibe ein Plus von rund 200.000 Euro. Ohne Bedarfszuweisungen würde sich das Ergebnis sogar in ein Minus von 380.000 Euro drehen. »Das zeigt, dass die finanzielle Situation keine Spielräume mehr zulässt. Selbst Pflichtaufgaben werden immer schwerer zu erfüllen«, sagte Krobath. Hauptgrund seien steigende Umlagen, auf die die Gemeinden keinen Einfluss hätten. Bund und Länder müssten neue Regeln schaffen, um die kommunale Handlungsfähigkeit zu sichern.
Hohe Investitionen befürchtet
Einstimmig beschlossen wurde die umfassende Inspektion des Kanalnetzes. Vizebürgermeister Streit rechnet mit deutlichen Herausforderungen: »Diese Inspektion wird Mängel ans Tageslicht bringen, und die müssen wir rasch beheben.« Erste Vorinformationen deuten etwa in der Allersdorfer Straße auf Verschiebungen im Kanalsystem hin. Der endgültige Bericht steht noch aus.
ZAS fordert Geld für Straßen
Zum Abschluss der Sitzung brachte die Liste ZAS einen Antrag ein, das Straßenbudget 2026 um 100.000 Euro zu erhöhen. Straßen und Wege seien »Lebensadern der Gemeinde«, so der zuständige Referent Streit. Die vorgesehenen Mittel reichten nicht einmal für den Mindestbedarf an Instandhaltung. Der Antrag wurde in den Ausschuss verwiesen.

Von Michael Swersina
Der Parkplatz am Bahnhof St. Paul ist bereits jetzt überfüllt – wer falsch parkt, muss Strafe zahlen
St. Georgener Apfelblütenlauf feierte eine gelungene Premiere
Die »Mostbarkeitenmesse« brachte Mehrfachsieger aus dem Lavanttal
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!