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Seit 1900 in Familienhand: Johanna Jäger führt den Gasthof Brenner in vierter Generation weiterAusgabe 4 | Samstag, 24. Januar 2026

In Schönweg bleibt ein Stück Wirtshauskultur lebendig: Johanna Jäger hat den Gasthof Brenner übernommen und verbindet Familiengeschichte, traditionelle Küche und moderne Gastfreundschaft. Während andere Gasthäuser schließen, wird Jäger erneuern.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Johanna Jäger hat mit 1. Jänner 2026 den Gasthof Brenner in Schönweg übernommen. Bild rechts: Jäger mit ihrer Mutter Evelin Brenner, die den Betrieb seit 1993 erfolgreich führte. Nun hat sich Brenner in die Pension verabschiedet und das Zepter an ihre Tochter Johanna übergeben. Fotos: UN/much (1), KK (1)

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Schönweg. Bereits seit dem Jahr  1900 wird der Gasthof Brenner in Schönweg von ein und derselben Familie geführt. Eröffnet wurde der Betrieb von Agnes Brenner, danach führte ihr Sohn Anton die Wirtschaft weiter. Nach dessen Tod im Jahr 1970 übernahm seine Frau Paula den Gasthof, bis sie ihn im Jahr 1993 an ihre Tochter Evelin Brenner-Jäger übergab. Nun folgt der nächste Schritt: Evelin trat im Dezember des Vorjahrs ihren Ruhestand an, der Gasthof Brenner wird nun seit Jänner 2026 von Tochter Johanna Jäger (35) geführt. Somit steht erneut eine Frau an der Spitze des Lavanttaler Traditionsgasthofs.

»In die Wiege gelegt war mir der Beruf Gastwirtin nicht«, erzählt Johanna und lacht. Nach der Hauptschule machte sie eine Lehre zur Damenkleidermacherin. »Aber mir hat der Kontakt zu den Menschen gefehlt«, so Jäger. Also sattelte sie um, absolvierte 2013 über das WIFI Spittal die Ausbildung zur Restaurantfachfrau und legte nach neun Monaten die Lehrabschlussprüfung ab. Seitdem half sie im Betrieb mit – und bereitete sich Schritt für Schritt auf die Übernahme vor.

»Wir brauchen diesen modernen Schnickschnack nicht. Bei uns gibt es bodenständige Küche«
Johanna Jäger, Inhaberin Gasthof Brenner

Johanna wird auch weiterhin das Zepter in der Küche schwingen, ihre Mutter wird sie aber trotz des Ruhestands weiterhin unterstützen. Zwei Mitarbeiterinnen im Service, eine Küchengehilfin und – wenn’s brennt – Bruder Julian sind im Gasthof Brenner tätig. »Wir sind ein richtiger eingeschworener Haufen. jeder hilft jedem. Das ist wie eine Familie«, sagt Johanna erfreut.

Und auch ihre eigenen vier Kinder – sieben, fünf, vier und zwei Jahre alt – gehören irgendwie dazu. »Manchmal laufen sie durchs Lokal oder sind beim Opa. Die Gäste finden das lieb. Zum Glück bin ich ein Organisationstalent und habe ein gutes Zeitmanagement. Ohne das wäre es natürlich nicht möglich, das alles zu schaffen«, sagt Jäger. Viele Stammgäste kennen die Familie seit Jahrzehnten, manche sogar seit Generationen.

Was ist das Erfolgsgeheimnis eines Lokals, das seit über 100 Jahren besteht, während immer mehr Gastronomiebetriebe die Pforten schließen? »Wir brauchen all das moderne Schnickschnack nicht«, sagt Johanna und erzählt weiter: »Bei uns gibt es Wiener Schnitzel, Cordon Bleu, Grillteller, hausgemachte Salzburger Nockerl, Eispalatschinken – Rezepte, die seit Generationen überliefert werden.« Dazu kommen saisonale Spezialitäten wie Spargelgerichte im Mai oder die legendäre saure Suppe, ein über 120 Jahre altes Familienrezept, das einmal im Monat serviert wird. »Mittlerweile brauchen wir davon an die 100 Portionen – ein Teil wird hier gegessen, ein Teil abgeholt.«

Geräumiger Gasthof

Der Gasthof bietet Platz für viele Anlässe: einen großen Saal für Feiern mit bis zu 80 Personen, ein Stüberl mit 40 Sitzplätzen, eine Gaststube mit 20 Plätzen und im Sommer auch eine Terrasse für 60 Gäste. Während viele Gastwirte über hohe Kosten, fehlendes Personal und ausbleibende Kunden klagen, läuft es für den Gasthof in Schönweg bestens. »Unsere traditionelle Küche wird von den Gästen geschätzt, der große Parkplatz vor der Haustür ist sicher auch ein Vorteil. Außerdem gefällt den Gästen mein Umgang mit ihnen. Die Leute mögen es, wenn sich der Küchenchef zeigt und mit ihnen redet.«

Pläne für die Zukunft

Stillstand gibt es bei Johanna nicht. Im August soll der große Saal renoviert werden – ein neuer Boden kommt hinein, ein Raumteiler, damit mehrere Feiern gleichzeitig möglich sind. Auch die sechs Doppelzimmer, über die das Haus verfügt, sollen Schritt für Schritt modernisiert werden.

Trotz Preissteigerungen spürt Johanna keine Zurückhaltung bei den Gästen. »Die Leute kommen gern. Viele sagen: Super, dass du das machst – und das mit vier Kindern.« Johanna ist stolz darauf, diesen Weg weiterzugehen: »Es ist schön, dass der Betrieb in der Familie bleibt.« Und man spürt: Mit ihr beginnt kein neues Kapitel – sondern eine starke Fortsetzung einer Geschichte, die Schönweg seit über 120 Jahren prägt.

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