Wolfsberger Stadtwerke-Beirat hat ein neues Mitglied: Jetzt macht Verkaufsgerücht die Runde Ausgabe 50 | Mittwoch, 11. Dezember 2019

Der Vorstandsvorsitzende der Judenburger Stadtwerke sitzt seit kurzem im Beirat. Sein Kollege Harald Trettenbrein befürchtet, es handle sich um den ersten Schritt einer »schleichenden Übernahme«. Bürgermeister und Geschäftsführer weisen das zurück.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Im Beirat der Wolfsberger Stadtwerke wurde ein neues Mitglied begrüßt: der Judenburger Stadtwerke-Chef Manfred Wehr. Ein Stimmrecht besitzt er in Wolfsberg allerdings nicht. Für Beirat Trettenbrein ist das, »als würde man bei Spar einen Billa-Aufsichtsrat hineinsetzen«. Bürgermeister Schlagholz meint dazu, Trettenbrein schlafe wohl schlecht. Foto: Pixabay

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Wolfsberg. Die Bestellung von Harald Wenzl zum interimistischen Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfsberg war nicht die einzige Neuerung, die zuletzt vollzogen wurde. So hat auch der Beirat des Unternehmens ein neues Mitglied: Seit kurzem ist darin Manfred Wehr vertreten. Während Wenzl weiterhin auch als Prokurist und Zuständiger für Finanzen und Einkauf bei den Judenburger Stadtwerken tätig ist, hat Wehr die Position des dortigen Vorstandsvorsitzenden inne. Ein Umstand, der dem Wolfsberger Stadtwerke-Beirat Harald Trettenbrein nicht gefällt.

»Läuft ein Plan, die Stadtwerke – oder Teile davon – an Judenburg zu verkaufen?« 
Harald Trettenbrein, Stadtwerke-Beirat

»Ich mache mir Sorgen um die Zukunft unserer Stadtwerke«, sagt Trettenbrein, »besonders um jene Bereiche, die mit Gewinn arbeiten. Erst wird Wenzl als Geschäftsführer geholt, von dem wir immer noch nicht wissen, was in seinem Vertrag steht. Dann wird Wehr in den Beirat gewählt. Auch wenn er dort kein Stimmrecht hat: Das ist, als würde man bei Spar einen Billa-Aufsichtsrat hineinsetzen. Da läuten bei mir die Alarmglocken.« Trettenbrein fragt: »Läuft ein Plan, die Stadtwerke – oder Teile davon – zu verkaufen?«

Nur 10.000 Einwohner

Allerdings: Judenburg ist mit rund 10.000 Einwohnern nicht einmal halb so groß wie Wolfsberg mit seinen 25.000. Entsprechend kleiner muss auch die Finanzkraft der dortigen Stadtwerke ausfallen. Können sie sich da eine Übernahme leisten? Trettenbrein verweist auf die Homepage der Judenburger Stadtwerke, die zahlreiche Beteiligungen ausweist, darunter an den Stadtwerken Trofaiach (49 Prozent) oder den Stadtwerken Voitsberg (49 Prozent).

»Auch das Lavanttaler Kabelfernsehen LavNet gehört ihnen zu 50 Prozent«, sagt der FPÖ-Landtagsabgeordnete. Und weiter: »Ich warne vor einer schleichenden Übernahme, denn dann käme auch unser Wasser in steirische Hände. Der Aussage des Wolfsberger Bürgermeisters Hans-Peter Schlagholz, Wehr sei wegen seiner Erfahrung geholt worden, glaube ich nicht.«  

Schlagholz (SPÖ) weist jede Verkaufsabsicht zurück. »Das ist mit Sicherheit nicht im Geringsten angedacht«, sagt er. Und: »Jetzt mache ich mir langsam Sorgen um Trettenbrein, er schläft wahrscheinlich schlecht.« Das neue Beiratsmitglied Wehr kenne Schlagholz bereits länger, »er hat viel Erfahrung, bietet uns sein Know-how an und macht es kostenlos«. Die Zusammenarbeit mit den Judenburger Stadtwerken beschränke sich allein auf das LavNet, »das ist alles«, so der Bürgermeister, laut dem die jetzige Lösung mit den Judenburgern günstiger sei als die vorherige Regelung. Die Zusammenarbeit sei auch zeitlich beschränkt: »Wenn wir wieder einen Chef für das Wasserwerk haben, fällt eine Tätigkeit der Judenburger weg«, sagt der Bürgermeister. »Und mit 30. Juni 2020 übernimmt der neue Stadtwerke-Leiter die Geschäfte – wenn wir bis dahin einen gefunden haben.« Schlusssatz des Bürgermeisters: »Ich kenne nur einen in Österreich, der sagte, er würde das Wasser verkaufen – und das ist ein Blauer.« Gemeint: HC Strache ...

»Ein Verkauf ist mit Sicherheit nicht im Geringsten angedacht« 
Hans-Peter Schlagholz, Wolfsberger Bürgermeister

Der neue Stadtwerke-Geschäftsführer Wenzl erklärt die Mitgliedschaft Wehrs im Beirat so: »Er verfügt über großes Know-how in vielen Bereichen und ist seit 20 Jahren Vorstandsvorsitzender der Judenburger Stadtwerke.« Der Eintritt in den Wolfsberger Beirat erfolgte auch keineswegs auf sein Drängen. »Wehr wurde gebeten zu kommen«, sagt Wenzl.

Auf die Frage, ob die Judenburger am Kauf von Teilen der Wolfsberger Stadtwerke interessiert seien, sagt Wenzl: »Ich bin nicht der, der entscheidet. Aber mir ist nichts davon bekannt, dass eine Kaufabsicht besteht.«

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