Artikel
Lavanttal. Ein massiver Störfall in der Papierfabrik Mondi in Frantschach-St. Gertraud hat am Wochenende zu einer deutlichen Verunreinigung der Lavant geführt. In der Nacht auf Sonntag, 8. März, gelangte stark belastetes Abwasser in den Fluss, was zu auffälliger Schaumbildung, milchiger Trübung und einem drastischen Fischsterben führte. Spaziergänger meldeten bereits am frühen Sonntagmorgen tote Kleinfische entlang der Uferbereiche, besonders im Raum St. Andrä.
Wie Mondi bestätigt, kam es in der Fabrik in Frantschach zu einer Produktionsstörung, in deren Folge ein Überlauf von Mischlauge in das interne Abwassersystem gelangte. Von dort wurde die stark alkalische Flüssigkeit in die zentrale Kläranlage Mettersdorf weitergeleitet. Obwohl der Vorfall im Werk innerhalb einer Stunde behoben wurde, war die Menge so groß, dass die Kläranlage damit nicht fertig wurde. »Das Ereignis führte zu einer Überlastung der Kläranlage Mettersdorf, was die Reinigungsleistung der Anlage vorübergehend beeinträchtigte und in der Folge die Qualität des in die Lavant eingeleiteten Wassers«, heißt es in einer Stellungnahme von Mondi.
Der chemische Sauerstoffbedarf im Abwasser war stark erhöht – ein klarer Hinweis auf eingetragene Schadstoffe. Der Landeschemiker wurde umgehend verständigt und leitete einen Einsatz ein, begleitet von einem Messprogramm der Landesregierung.
Kläranlage am Limit
Markus Kleinszig, Geschäftsführer des Reinhalteverbands Mittleres Lavanttal, schildert die Lage so: »Die Kläranlage in Mettersdorf konnte sehr viel abfangen, aber alles war nicht möglich, dafür reicht unsere Kapazität nicht aus. Zulaufseitig ist wieder alles stabil, aber es ist bei uns noch Lauge in den Becken – das dauert, bis es die Anlage durchläuft.« Am Montagvormittag, 9. März, seien die Ablaufwerte zwar bereits rückläufig gewesen, lagen aber noch über den Grenzwerten.
Während die Behörden davon ausgehen, dass sich die Wasserwerte im Laufe der nächsten Tage stabilisieren, zeigen sich bereits dramatische ökologische Folgen. Emanuel Schwabe vom Verein Raubaum, der ein Renaturierungsprojekt an einem Teilabschnitt der Lavant durchführt, spricht von einem »verheerenden« Schaden. Nach seinen Beobachtungen sei der gesamte Bestand an Äschen und Bachforellen im Abschnitt bis St. Paul »faktisch ausgelöscht«. Aufgrund der derzeit wasserarmen Zubringer sei sogar davon auszugehen, dass die Auswirkungen bis zur Drau-Mündung reichen. Besonders schwer wiegt der Verlust des Benthos – jener Kleinstlebewesen am Flussgrund, die die Basis der Nahrungskette bilden. »Da diese Nahrungsgrundlage vernichtet wurde, ist die Nahrungskette auf Jahre hinaus unterbrochen. Der Fluss ist in diesem Bereich ökologisch tot«, so Schwabe.
Mondi kündigt Analyse an
Mondi betont, den Vorfall »mit höchster Priorität« zu behandeln. Neben Sofortmaßnahmen wie dem Stoppen des Überlaufs und der Information der Behörden wurden umfassende Untersuchungen eingeleitet. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben eng mit dem Reinhalteverband, den Behörden, dem Fischereiberechtigten und Umweltfachleuten zusammen, um die Ursache vollständig zu klären und Maßnahmen zur Minimierung zukünftiger Risiken zu entwickeln.
Obwohl das zur Kläranlage geleitete Abwasser bereits am Sonntag wieder Normalwerte erreicht habe, erkennt Mondi laut einer Pressemitteilung die Ernsthaftigkeit des Vorfalls ausdrücklich an. Zudem wolle man Maßnahmen zur Wiederherstellung der ökologischen Gesundheit des Flusses unterstützen.
Am Montag wurden zusätzliche Wasserproben aus der Lavant entnommen, um die Entwicklung der Belastung genau zu dokumentieren. Die Behörden rechneten mit einer baldigen Normalisierung der Werte. Wie lange es jedoch dauern wird, bis sich das Ökosystem der Lavant erholt hat – und ob es sich überhaupt vollständig regenerieren kann – bleibt offen.

Von Michael Swersina
Theatergruppe KampuZ führt in diesem Jahr »Das Apostelspiel« auf
Briefmarkensammelverein blickte zurück und bestätigte seinen Vorstand
Emanuel Schwabe: »Wir sprechen von einem Verlust von 99 Prozent der Fische«
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!