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Klagenfurt, Lavanttal. Er glaubt, dass der Beschluss nicht lange halten wird. Der Lavanttaler Energielandwirt Franz Dorner, Mitbesitzer des im Bau befindlichen Windparks Bärofen, sagt: »Wenn Österreich das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (Anm.: EABG) beschließt, wird die Windkraftzonierung in Kärnten aufgehoben werden müssen.« Jetzt ist sie aber fix: Am Donnerstag, 5. Feber, hat der Landtag einstimmig festgelegt, dass in Kärnten maximal 50 Windräder in vier Zonen im Lavanttal errichtet werden dürfen. 0,077 Prozent der Landesfläche sind dafür nun »reserviert«.
»Die Vier-Parteien-Einigung wird von uns auf Punkt und Beistrich eingehalten«
Martin Gruber, Raumordnungsreferent
Die Windkraftzonierung geht auf die Volksbefragung am 12. Jänner 2025 zurück, bei der sich 51,55 Prozent der teilnehmenden Bevölkerung – 34,88 Prozent der Kärntner waren dabei – gegen die Windkraft ausgesprochen hatte. Sie wurde zwar vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) im Dezember 2025 wegen der nicht korrekten Fragestellung wieder aufgehoben – woran Dorner federführend beteiligt war. Auf die Politik hatte das aber keine Auswirkungen mehr.
FPÖ und Team Kärnten, die die Befragung initiiert hatten, waren sich mit SPÖ und ÖVP bereits einig, Windkraftanlagen nur mehr in den Lavanttaler Gebieten Soboth-Lavamünd, Steinberger Alpe, Bärofen und Peterer Alpe – wo bereits Windräder stehen oder genehmigt sind – zu erlauben. Der Landtag segnete diese Entscheidung in der Vorwoche ab.
»Die Windkraftzonierung in Kärnten wird wieder aufgehoben werden müssen«
Franz Dorner, Mitbesitzer Windpark Bärofen
SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser meinte nach der Abstimmung in einer Aussendung: »Wir drücken die Stopptaste, was die Errichtung neu eingereichter Windkraftanlagen angeht – um dem Ergebnis der Volksbefragung Rechnung zu tragen.« Bei der räumlichen Verortung habe es eine klare Prämisse gegeben: »Hier lautet das Motto: So weit wie nötig, aber so eng wie irgendwie möglich. Die Zonierung zieht enge Grenzlinien um die eingereichten Projekte. Somit ist sichergestellt, dass es zu keiner Ausweitung kommt«, sagte Seiser.
Energie-Landesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) meinte: »Wir haben eine Lösung gefunden, die Notwendiges in puncto Versorgungssicherheit mit dem Schutz von Landschaft und Natur in Einklang bringt. Zugleich erfüllen wir damit auch unsere EU-rechtlichen Vorgaben.«
»Riegel vorgeschoben«
Der aus dem Lavanttal stammende FPÖ-Wirtschaftssprecher Jürgen Ozwirk zeigte sich zufrieden, dass »mit dem im Landtag beschlossenen Windkraft-Verbot der Errichtung weiterer Windräder in Kärnten der Riegel vorgeschoben« werde. Ozwirk weiter: »Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die bestehenden und geplanten Windräder im Lavanttal nicht verhindert werden konnten. Dass diese überhaupt erst errichtet werden konnten bzw. können, liegt allein in der Verantwortung der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden: also bei ÖVP, SPÖ und dem Team Kärnten.« Allerdings wurde das Lavanttal durch den Beschluss »vor bis zu 200 Windrädern« bewahrt und der »unkontrollierte Ausbau der Windkraft« gestoppt.
Raumordnungsreferent LHStv.Martin Gruber (ÖVP) kündigte an: »Die Vier-Parteien-Einigung wird von uns auf Punkt und Beistrich eingehalten.«
Das glaubt Franz Dorner nicht: Laut ihm wird das Parlament noch heuer das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) annehmen, das in Österreich die Vorgaben der EU-Richtlinie RED III (Erneuerbare-Energien-Richtlinie oder Renewable Energy Directive III) umsetzen wird. Damit soll der Ausbau von ökologischer Energie durch verkürzte Genehmigungsverfahren und definierte Beschleunigungsgebiete bis 2030 angetrieben werden, Das ist wesentlich ist für die Umsetzung des Green Deals und der Klimaneutralität der EU. Allerdings: RED III hätte bereits bis Mai 2025 in nationales Recht umgesetzt werden sollen, auch für das EABG gibt es kein fixes Datum für einen Beschluss.
Dorner ist aber überzeugt, dass das EABG in diesem Jahr Wirklichkeit wird. »Dann wird sich zeigen, dass Kärnten die Ziele nicht erreichen kann, weil wir zu wenig Windkraft und Photovoltaik haben, was Folgen für das jetzt beschlossene Windrad-Verbot haben wird«, so Dorner. Der Beschluss des Landtags sei also keineswegs »in Stein gemeißelt«.
Laut ihm liege eine – nicht veröffentlichte – Studie der Fachhochschule Kärnten vor, laut der Kärnten fünf Terawatt aus erneuerbarer Energie bis 2040 benötige. Dorner: »Der Windpark Bärofen mit acht Anlagen erzeugt 0,1 Terawatt. Das heißt, wir brauchen in Kärnten mindestens 150 Windräder.« Auch Landesrat Schuschnig habe im vergangenen Dezember eine Studie zur Winterstromlücke – in den kalten Monaten verringert sich die Stromerzeugung durch Wasserkraft massiv, weshalb Importe nötig sind – in Auftrag gegeben. Im März soll sie vorgestellt werden. Dorner: »Auch sie wird zeigen, dass es nur mit Windkraft geht, die außerdem den geringsten Flächenbedarf aufweist.« Ob er recht hat, wird sich zeigen.
// INFO
Windräder in Kärnten
Soboth: zwei Anlagen in Betrieb, sieben in Planung.
Steinberger Alpe: sechs Anlagen in Betrieb, neun in Planung.
Bärofen: acht Anlagen im Bau.
Peterer Alpe: acht Anlagen in Planung.
Plöckenpass (Bezirk Hermagor): zwei Anlagen in Betrieb.
Damit sind in Kärnten zehn Windräder in Betrieb, die 27,7 Megawatt Strom erzeugen. Vier Kleinanlagen kommen dazu.

Von Horst Kakl
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