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St. Paul. Über 150 Jahre lang wurde die Lavant begradigt, reguliert und verbaut – mit fatalen Folgen. Was einst als einer der fischreichsten Flüsse der gesamten Monarchie galt, ist heute vielerorts nur noch ein strukturloser Kanal, in dem Fische kaum Rückzugsräume finden. Besonders südlich von St. Paul zeigt sich dieses Bild drastisch: ein schnurgerader Abschnitt ohne Tiefen, ohne Kiesbänke, ohne Verstecke. »Gefühlt 500 Meter lang gibt es dort nichts. Es gibt keine Struktur, keine Möglichkeit für Fische, irgendwo einzustehen«, beschreibt Alexander Petik vom Verein Raubaum die Lage.
Genau hier beginnt nun ein Projekt, das Hoffnung macht. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Befischungen des Kärntner Instituts für Seenforschung zeigen Fischbiomassen zwischen neun und zwanzig Kilo pro Hektar – weit unter dem EU-Grenzwert von 50 Kilo. »In Summe haben wir in manchen Abschnitten nur drei Fische über 30 Zentimeter gefunden. Das ist ein Tiefpunkt. Wenn die Muttertiere fehlen, wird es kritisch«, berichtet Emanuel Schwabe vom Verein Raubaum.
Zu den strukturellen Problemen kommt ein weiterer Faktor: der Fischotter. »Er ist zurückgekehrt, als die Bestände eingebrochen sind. Und seit er da ist, brechen sie noch weiter ein«, erzählt Petik. Die Projektbeteiligten betonen jedoch, dass Renaturierungsmaßnahmen kein Ersatz für ein übergeordnetes Prädatorenmanagement sind – und dass der Fischotter als Natura-2000-Art streng geschützt ist. »Wir wollen ihn nicht konterkarieren. Wir setzen auf Lebensraumverbesserungen, nicht auf Besatz«, sagt Petik.
Abflusskanal zu Lebensraum
Mit dem Revitalisierungsprojekt südlich von St. Paul soll der Lavant ein Stück ihrer ursprünglichen Dynamik zurückgeben werden. Der Verein Raubaum hat die Vorarbeit geleistet, geplant, organisiert und Partner ins Boot geholt. Wasserbau Kärnten setzt die Maßnahmen nun um. Die Lösung klingt einfach, ist aber ökologisch hochwirksam: Totholz, Wurzelstöcke, Holzpiloten, Strukturen, die die Strömung brechen, Sedimente lenken und Lebensräume schaffen. »Wir bauen Unterstände ein, damit Wasserlebewesen wieder Nahrung, Schutz und Rückzugsräume finden«, erklärt Petik. Manche Arten fressen sogar Totholz – ein natürlicher Bestandteil vieler Flüsse, der durch jahrzehntelange Regulierung fast vollständig verschwunden ist.
Eine »Wasserwüste«
Schwabe ergänzt: »In diesem Abschnitt, den wir gerade in Angriff nehmen, gibt es keine Steine, keine Tiefen, keine Vielfalt. Es ist eine Wasserwüste.« Die neuen Einbauten sollen das ändern. Sie schaffen Strömungsvielfalt, bilden Mikrohabitate und ermöglichen es den Fischen, sich vor Hitze, Strömung oder Prädatoren, also Räubern, zu schützen.
Die Arbeiten sollen in den kommenden zwei Wochen abgeschlossen werden. 500 bis 700 Meter Lavant werden revitalisiert. »Es ist der erste Abschnitt, weitere sollen folgen«, sagt Petik. Die Maßnahmen sollen nicht nur lokal wirken. Sie sollen ein ökologisches Bindeglied schaffen – ein Trittstein, der hochwertige Lebensräume entlang der Lavant miteinander verbindet. Ziel ist ein langfristiger Wiederaufbau stabiler Fischbestände.
Auch das Stift St. Paul, Fischereiberechtigter in diesem Bereich, setzt große Hoffnungen in das Projekt. »Der Abschnitt war seit mindestens zehn Jahren nicht mehr wirtschaftlich nutzbar. Wir sind schon mit Teilerfolgen zufrieden«, erklärt Oliver Beer, der als Förster und für die Fischerei im Stift tätig ist. Bernhart Binder, Vorsitzender des Fischereirevierverbands Wolfsberg, begrüßt das Projekt, mahnt aber zu einer realistischen Erwartungshaltung: »Kleinräumige Strukturverbesserungen können übergeordnete Probleme nicht lösen. Eine Bejagung des Fischotters etwa kann dadurch nicht ersetzt werden.«
In ein bis zwei Jahren wird ein Monitoring folgen – mit dem Kärntner Institut für Seenforschung. Dann wird sich zeigen, ob die Maßnahmen greifen, ob Fische zurückkehren, ob die Lavant wieder zu dem wird, was sie war: ein lebendiger, vielfältiger Fluss.

Von Michael Swersina
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