Ein Laternenmarsch gegen die Covid-Maßnahmen sorgte für jede Menge Gesprächsstoff auf FacebookAusgabe 2 | Mittwoch, 13. Januar 2021

Mit einem Laternenumzug durch Wolfsberg drückten am Freitag Gegner der Coronamaßnahmen der Bundesregierung ihren Unmut aus. Ein Video der Unterkärntner Nachrichten sorgte für eine heiße Diskussion. Strafen mussten beim Umzug nicht verhängt werden.

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Andacht, Menschen, Park, Wolfsberg
Zum Abschluss gab es eine Andacht mit Gesang und Gebeten im Kapuzinerpark. Foto: KK

Wolfsberg. Ein »Laternenumzug für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit«, der eigentlich ein Protestmarsch war, sorgte am Freitag in Wolfsberg für Aufsehen. Rund 75 Teilnehmer marschierten mit Laternen vom Süden Wolfsbergs in den Kapuzinerpark, wo zum Abschluss eine Andacht mit Liedern und Gebeten gefeiert wurde.

Ursprünglich war Stadtpfarrer Christoph Kranitzki eingeladen worden, um die Andacht zu feiern. Doch die Kirche lehnte die Teilnahme ab und distanziert sich von der Veranstaltung, die sich gegen die Covid-19-Maßnahmen der Bundesregierung richtete. 

Eine Polizeieskorte sorgte für die Einhaltung der Covid-Bestimmungen, Anzeigen mussten keine ausgestellt werden. »Wir sind keine Coronaleugner, aber die Maßnahmen der Bundesregierung sind überzogen. Wir beten um die Erleuchtung der Politiker«, sagt die Organisatorin des Marschs, Veronika Liebhart. 

»Wenn eine Versammlung während eines Lockdowns stattfindet, stellt sich die Frage nach der Solidarität«
Peter  Hauser, Bezirkspolizeikommandant 

75 Menschen trafen sich laut Polizei am Freitagabend,8. Jänner, im Süden von Wolfsberg, um mit einem Marsch,  der als religiöser Laternenspaziergang angemeldet war, ihren Unmut über die Coronamaßnahmen der Bundesregierung auszudrücken. Ausgestattet mit Laternen, einer Fahne und Plakaten sammelte sich die Gruppe beim Euco-Center. Auch drei Polizeistreifen waren vor Ort, um die Einhaltung der Coronamaßnahmen, wie die Abstandsregeln, zu kontrollieren, aber auch um die Verkehrssicherheit während des Marsches entlang der B70 zu garantieren.

Organisiert wurde der Marsch von der »Bezirkscoronagruppe Wolfsberg«, die vor einem halben Jahr gegründet wurde. »Wir sind mit den Maßnahmen der Bundesregierung nicht einverstanden. Wir sind keine Coronaleugner, aber wie die Regierung mit uns umgeht, dass können wir so nicht hinnehmen. Wir bitten zu Gott, dass er unsere Politiker erleuchtet«, sagte Organisatorin Veronika Liebhart.

Nach dem Marsch entlang der B70 traf man sich zum Abschluss im Kapuzinerpark, wo die Gruppe eine Andacht mit einem »zufällig anwesenden« (Zitat Liebhart) Pastor, Liedern, Fürbitten und Gebeten feierte, ehe sich die Teilnehmer auf den Heimweg machten. Ursprünglich war geplant, die Andacht mit Stadtpfarrer Christoph Kranitzki zu feiern, die Stadtpfarre nahm an der Andacht aber nicht teil. Ganz im Gegenteil.

Kirche distanziert sich

Die Stadtpfarre Wolfsberg distanzierte sich von der Veranstaltung. Stadtpfarrer Kranitzki meinte später in einer Aussendung, er sei telefonisch gebeten worden, eine Andacht als »Gebet um Frieden« im Kapuzinerpark zu halten. Nicht informiert hätte man ihn aber darüber, welche Ziele die Veranstaltung hatte und »dass sie de facto als Demo geplant wurde«. Dementsprechend habe er seine Anwesenheit abgesagt. Weder Kranitzki noch Kaplan Bartholomew Obidigbo waren anwesend. 

Auch Pater Nikolaus Reiter OSB vom Stift St. Paul – diesem ist die ehemalige Kapuzinerkirche zugeordnet – schickte eine Stellungnahme namens des Benediktinerkonvents St. Paul: »Bezugnehmend auf den Video-Bericht der Unterkärntner Nachrichten möchten wir darauf hinweisen, dass auf Anweisung der Österreichischen Bischofskonferenz aktuell keine öffentlichen Gottesdienstfeiern stattfinden, dies gilt auch für die ehemalige Kapuzinerkirche, die seit 27. Dezember. geschlossen ist.« 

Heftige Diskussion

Die Unterkärntner Nachrichten waren auch vor Ort und posteten ein Live-Video vom Laternenmarsch auf Facebook. Sofort entbrannte dort eine heftige Diskussion. Während ein Teil der Facebook-User den Marsch guthieß und lobte,  ärgerten sich andere über die Protestteilnehmer. 

»Menschen wie diese tragen nicht zur Lösung des Problems bei, sie sind Teil des Problems. Alle, die bei solchen Demonstrationen ohne Mund-Nasen-Schutz und anderen Vorkehrungen mitgehen, sollten unterschreiben, dass sie, sollten sie sich mit Corona infizieren, sämtliche Arzt- bzw Krankenhauskosten selbst tragen müssen. Na dann viel Spaß! Und wenn ihr dann  für die Politiker betet, betet besser für eure eigene Erleuchtung«, meinte eine Userin auf Facebook zur Demonstration. Eine andere Leserin schrieb: »Leider kein Verständnis für solche Aktivitäten ohne Abstand, ohne Maske! Wie sollen wir da am 25. Jänner wieder öffnen – da können die Zahlen nicht sinken! Echt traurig.«

Andere wiederum lobten den Marsch und kommentierten mit »spitze« oder »Ihr macht das super«. Einer meinte: »Ich kann nur sagen es war friedlich und jeder hat sich an den Abstand gehalten... und es wird nicht aufhören den es wird noch schlimmer den diese Regierung hat nichts gutes mit der Bevölkerung vor ... ich akzeptiere jeden wen sich jemand testen, Masken tragen oder impfen möchte bitte ... aber es soll jeden gestattet sein so zu Leben wie er möchte... wünsch Ihnen noch einen schönen Abend ... (sic)«.

Keine Strafen

Bezirkspolizeikommandant Peter Hauser sagte: »Beim Sammeln beim Euco-Center wurden Abstände teilweise nicht eingehalten. Es bedurfte anfangs mehrerer Interventionen der Polizei zur Einhaltung der Covid-Maßnahmen und Aufforderungen an die Veranstalterin. Während des Marsches und der Abschlusskundgebung gab es keine Beanstandungen.« Und weiter: »Meine persönliche Meinung ist, für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten, ist ein legitimes und hehres Ziel. Wenn das aber in Form einer Versammlung während eines Lockdowns, bei dem private Kontakte stark eingeschränkt werden sollten, stattfindet, stellt sich für viele die Frage nach der Solidarität.«

In 14 Tagen hat Liebhart einen weiteren Laternenspaziergang geplant.

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