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Vom Land geehrt, von seiner Heimatstadt ignoriert: Wolfsberger Verleger übt Kritik, die Stadt wehrt sich Ausgabe 7 | Mittwoch, 11. Februar 2026

Als der 66-Jährige mit dem Ehrenzeichen des Landes und dem Professortitel ausgezeichnet wurde, ließ sich kein Stadtvertreter blicken. Ragger äußert seine Frustration über das Desinteresse an der Kunst. Wolfsberg weist all das zurück: Man wurde nicht eingeladen.

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Klagenfurt, Wolfsberg. Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Das scheint auch auf die Bezirkshauptstadt zuzutreffen. »Ich bin keineswegs wehleidig, ich will auch nicht beleidigt erscheinen«, sagt der bekannte Wolfsberger Autor und Verleger Gernot Ragger (66). Aber seine Enttäuschung über seine Heimatstadt kann er nicht verbergen. Denn Ragger wurde am Mittwoch, 28. Jänner, mit dem Ehrenzeichen des Landes Kärnten und dem Professortitel ausgezeichnet (wir berichteten) – was der Stadt weder die Entsendung eines Vertreters noch eine Gratulation wert war. 

»Ich hatte es eigentlich erwartet, trotzdem war ich enttäuscht«
Gernot Ragger, Autor und Verleger

Es geht auch anders: Die St. Andräer Bürgermeisterin Maria Knauder begleitete ihren Gemeindebürger Edgar Unterkirchner in den Spiegelsaal der Landesregierung in Klagenfurt, wo er ebenfalls das Ehrenzeichen des Landes und den Titel »Professor« erhielt. Auch Sonya Feinig, Bürgermeisterin von Feistritz im Rosental, war dabei, als dem Feistritzer Musiker Tonč Feinig das Landes-Ehrenzeichen überreicht wurde.

Ragger: »Abgesehen davon, dass Kultur in Wolfsberg eh nicht mehr existent ist – es gibt keine Lesungen, keine Ausstellungen mehr – werde ich bis auf einige Ausnahmen stets ignoriert. Ich bin seit 35 Jahren literarisch tätig und habe 300 Bücher veröffentlicht. Das Ehrenzeichen ist ein Hinweis dafür, dass ich Vernünftiges getan habe.« 

Trotz aller Abgeklärtheit: Dass bei der Ehrung in der Landesregierung kein Stadtvertreter anwesend war, stößt Ragger sauer auf: »Ich hatte eigentlich erwartet, dass es so kommt, trotzdem war ich enttäuscht. Ich habe nachgefragt: Die Bürgermeister aller Gemeinden, aus denen die Geehrten stammen, waren zur Feier eingeladen, die Bürgermeisterinnen Knauder und Feinig waren dabei. Aus Wolfsberg kam niemand, auch seither habe ich von der Gemeinde kein Wort gehört.« Sein Nachsatz: »Ich will von der Stadt eh nichts«, freuen kann er sich über die Ignorierung aber auch nicht.

»Es ist keine Einladung an die Stadt Wolfsberg ergangen, dies in so einem Fall auch gar nicht üblich«
Die Stadt Wolfsberg in ihrer Stellungnahme

Der 66-Jährige hat den Verdacht, dass er von manchen in der Gemeinde »blockiert« werde: »Mit den Bürgermeistern hatte ich immer guten Kontakt, aber mit bestimmten Gemeindemitarbeitern funktioniert es nicht.« Eine Landesauszeichnung und die Ernennung zum Professor seien einmalige Ereignisse im Leben – »und dann hört man nichts von der Stadt«, sagt der Wolfsberger. Nur Eva Schatz vom Stadtmarketing habe ihm telefonisch gratuliert – »weil sie es auf Facebook gelesen hat und wir befreundet sind«.

Vom offiziellen Wolfsberg fühlt sich Ragger nicht geschätzt: »Da wird ein Kulturbeirat gegründet. Man fragt aber nicht mich, ob ich für den Bereich Literatur dabei sein will. Man nimmt meinen Freund Wilhelm Kuehs, der ein guter Schriftsteller ist – aber im Bezirk Völkermarkt lebt. Ich gönne es ihm trotzdem.«

Generell sei es um die Kultur in Wolfsberg nicht gut bestellt. Ragger: »Es gibt hier viele Künstler, die schon längst hätten gewürdigt werden sollen – da passiert aber nichts, null. Hanns Lintschnig beispielsweise, der sich für Christine Lavant einsetzte, wurde nicht geehrt. Ich habe das Gefühl, bei uns werden Leistungen auf dem Gebiet der Kunst nicht gewürdigt, dafür fehlt jedes Interesse. Wolfsberg bezeichnet sich als Kultur- und Sportstadt. Sport stimmt, Kultur – na ja.« Und er betont abermals: »Ich bettle nicht um Zuspruch, nein. Ich möchte nur aufzeigen, wie es in Wolfsberg  ist.«

Die Stadt wehrt sich

Auf die Frage, warum kein Vertreter der Stadt bei der Auszeichnung Raggers dabei war, obwohl es laut ihm eine Einladung gegeben habe, antwortet das Rathaus: »Das ist nicht korrekt. Auf Nachfrage beim Land Kärnten wurde uns bestätigt, dass keine Einladung an die Stadt Wolfsberg ergangen ist und dies in so einem Fall auch gar nicht üblich ist. Die Geehrten können Begleitpersonen ihrer Wahl mitnehmen, außerdem werden auch die Antragsteller eingeladen.« Das sei auch der Grund, warum Bürgermeisterin Knauder dabei war – »sie war selbst Antragstellerin und damit eingeladen«. Die Stadtgemeinde Wolfsberg habe von der Ehrung keine Kenntnis erhalten, »ansonsten wäre auf jeden Fall ein offizieller Vertreter mit dabei gewesen«, so das Rathaus.

Der schriftlichen Stellungnahme ist an dieser Stelle eine Erklärung von Bürgermeister Alexander Radl und Kulturreferentin Michaela Lientscher (Beide SPÖ) angefügt, in der es heißt: »Gernot Ragger ist einer der profiliertesten Autoren und Kulturschaffenden unserer Stadt. Er prägt seit Jahrzehnten die Literaturszene und bereichert sie mit seinem vielfältigen Werk. Wir schätzen seine Arbeit sehr und gratulieren ihm herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung.«

Zu Raggers Kritik, Wolfsberg sei mehr Sport- als Kulturstadt, Kultur sei nicht mehr existent, sagt die Stadt: »Diese Vorwürfe können wir nicht nachvollziehen. Allein das Sommerprogramm 2025 der Stadtgemeinde Wolfsberg umfasste 25 verschiedene Termine zwischen Juni und Oktober – darunter Ausstellungen, Theater, Kulturangebote für Kinder, Konzerte, Diskussionsabende sowie geschichtliche Formate. Ein Großteil davon wurde bei freiem Eintritt angeboten.« Die Kulturabteilung und das Team des Museums im Lavanthaus leisten laut dem Rathaus hervorragende Arbeit in der Kulturvermittlung und präsentieren Jahr für Jahr ein vielfältiges, qualitätsvolles Programm. Hinzu komme eine große Bandbreite an Veranstaltungen der zahlreichen Kulturvereine, die die Stadt nach Kräften unterstütze.

Danach ein Statement Radls und Lientschers: »Wir sind der festen Überzeugung, dass Kultur ein unverzichtbarer Bestandteil einer lebendigen Stadtgemeinde ist. Kultur schafft Begegnung, stärkt das Miteinander und trägt wesentlich zur Lebensqualität in unserer Stadt bei. Deshalb legen wir Wert auf vielfältiges, hochwertiges Angebot, das wir den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen unserer Möglichkeiten Jahr für Jahr bieten.«

Wird er blockiert? 

Schließlich Raggers Vorwurf, es gebe Mitarbeiter in der Stadt Wolfsberg, die ihn »blockieren« würden. Dazu die Stadt: »Diese Aussage weisen wir zurück. Unsere Beschäftigten arbeiten selbstverständlich nach klaren Abläufen und Richtlinien und bemühen sich tagtäglich, Anliegen korrekt, fair und im Sinne aller Bürger zu behandeln.« Man sei jederzeit bereit, etwaige Unklarheiten im persönlichen Gespräch mit Ragger auszuräumen. Denn: »Die Stadt Wolfsberg ist an einer respektvollen und konstruktiven Zusammenarbeit mit Gernot Ragger ebenso interessiert wie mit allen anderen Kulturschaffenden in unserer Gemeinde. Unsere Tür steht für seine Inputs und Ideen immer offen und wir gratulieren noch einmal herzlich zur hohen Auszeichnung des Landes.«

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