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Sie sind seit 1. Oktober die neue Bildungsdirektorin von Kärnten. Wie haben Sie sich in den ersten Tagen eingelebt?
Die ersten Tage waren intensiv und gleichzeitig sehr positiv. Ich bin sehr offen aufgenommen worden, und das macht den Einstieg leichter. Im Moment führe ich viele Gespräche, lerne Abläufe und Zuständigkeiten kennen und bin auch schon mitten im Alltag angekommen. Ich freue mich auf die Aufgabe und bin mir der Verantwortung sehr bewusst.
Was sind Ihre Aufgaben als Bildungsdirektorin?
Die Aufgabe der Bildungsdirektion Kärnten ist es, für eine umfassende Schulbildung für alle zu sorgen. Dazu gehören die Schulaufsicht, Personalfragen sowie rechtliche und organisatorische Themen. Wir setzen bildungspolitische Vorgaben des Bundes und des Landes um, haben aber auch eigene Gestaltungsmöglichkeiten.
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen im Kärntner Bildungssystem?
Eine zentrale Aufgabe ist für mich, sicherzustellen, dass alle Kinder die grundlegenden Kompetenzen erwerben, die sie für ihren weiteren Bildungsweg brauchen. Gleichzeitig dürfen Bildungschancen nicht so stark davon abhängen, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt oder welche Schule es besucht. Ein weiteres wichtiges Thema ist das Lehrpersonal. Wir müssen gute Lehrkräfte gewinnen, neue Kolleginnen und Kollegen gut begleiten und sie langfristig im Beruf halten. Meiner Meinung nach ist es einer der zentral wichtigsten Berufe für unsere Gesellschaft.
Was möchten Sie im ersten Jahr als Bildungsdirektorin in Kärnten konkret bewegen?
Zuerst möchte ich die Organisation und die Schulen gut kennenlernen. Danach geht es mir darum, Abläufe klar und serviceorientiert zu gestalten und Schulen gezielt zu unterstützen. Ein Schwerpunkt wird die Chancengerechtigkeit sein, gerade bei Schulen mit größeren Herausforderungen.
Dazu kommt die Förderung der Lesekompetenz. Ebenso wichtig ist mir die Begleitung neuer Lehrkräfte und der Umgang mit regionalen Personalengpässen, etwa auch im zweisprachigen Unterricht.
Für wie lange sind Sie bestellt?
Meine Funktionsperiode beträgt fünf Jahre und hat mit 1. Oktober 2026 begonnen.
In dieser Position gibt es immer wieder auch Zurufe aus der Politik. Wie gehen Sie damit um?
Die Bildungsdirektion arbeitet an der Schnittstelle von Bund und Land. Natürlich gibt es unterschiedliche politische Vorstellungen und Erwartungen. Für mich ist wesentlich, dass wir Entscheidungen rechtlich korrekt, fachlich begründet und nachvollziehbar treffen.
Seit 1. September gilt ein Kopftuchverbot für Mädchen bis zum vollendeten 14. Lebensjahr. Wie wird das in Kärnten umgesetzt?
Das ist eine bundesgesetzliche Regelung und wird selbstverständlich auch in Kärnten umgesetzt. Bei einem erstmaligen Verstoß führt die Schulleitung ein Gespräch mit der Schülerin und ihren Erziehungsberechtigten.
Die Schulen bekommen dazu klare Informationen und Unterstützung. Mir ist natürlich wichtig, dass wir solche Situationen ruhig und rechtskonform lösen und die betroffenen Familien gut begleiten.
Was wünschen Sie sich von Lehrern, Eltern und Schülern für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?
Ich wünsche mir, dass wir einander zuhören und Probleme früh ansprechen. Lehrkräfte brauchen Vertrauen und gute Bedingungen für ihre Arbeit, Eltern sind wichtige Partner der Schule.
Schüler sollen erleben, dass ihre Stimme gehört wird und gleichzeitig Verantwortung für das eigene Lernen und das Miteinander übernehmen. Schule gelingt dann gut, wenn miteinander gearbeitet wird.
Wie viele Mitarbeiter unterstehen Ihnen?
In der Bildungsdirektion selbst arbeiten rund 200 Mitarbeiter. Darüber hinaus ist die Bildungsdirektion für viele Personal- und Dienstrechtsfragen von mehr als 7.000 Lehrpersonen in Kärnten zuständig. Das zeigt die Dimension der Aufgabe sehr deutlich.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in den Schulen?
Das Ziel bei der Einbindung von KI in Kärntens Schulen ist, dass einerseits Lehrkräfte KI sicher und sinnvoll einsetzen können und andererseits Schülerinnen und Schüler KI verstehen, kritisch hinterfragen und verantwortungsvoll nutzen. Dabei sind wir mit der Pädagogischen Hochschule in engem Austausch, die für die Aus-, Fort- und Weiterbildung zuständig ist. Gemeinsam schauen wir, welche Angebote Lehrkräfte brauchen, um KI sinnvoll und sicher im Unterricht einsetzen zu können.
Bevor Sie Bildungsdirektorin wurden, waren Sie viele Jahre lang bei der Volkshochschule tätig. Wie kam es zur Entscheidung für den Jobwechsel?
Ich war insgesamt 20 Jahre bei den Kärntner Volkshochschulen tätig und bin jeden Tag gerne in die Arbeit gegangen. Die Möglichkeit, künftig noch stärker zur Weiterentwicklung des Bildungswesens beizutragen und mitgestalten zu können, hat mich schließlich motiviert, mich zu bewerben.
Welche Erfahrungen können Sie von der Volkshochschule in die neue Tätigkeit mitnehmen?
Sehr viele. Ich habe dort gelernt, wie wichtig es ist, Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu erreichen und Bildung an ihrem tatsächlichen Bedarf auszurichten. Ich habe viele Jahre Führungserfahrung gesammelt, große öffentlich finanzierte Projekte verantwortet und mit Land, Bund, Schulen und vielen anderen Partnern zusammengearbeitet. Vor allem nehme ich die Überzeugung mit, dass Bildung Menschen Möglichkeiten eröffnen muss.
Sie stammen aus Wolfsberg. Welche Erinnerungen verbinden Sie bis heute besonders mit Ihrer Heimatstadt?
Wolfsberg ist für mich natürlich besonders mit meiner Schulzeit im Schulzentrum verbunden. Ich habe die HBLA besucht und dort zur Freude meiner Familie unter anderem sehr gut kochen gelernt. Gerne war ich im Sommer im Stadionbad und im Winter auf der Koralpe. Auch wenn ich schon lange in Klagenfurt lebe, freue ich mich immer, wieder in meiner wunderschönen Heimatstadt zu sein.
Wenn Sie heute durch Wolfsberg spazieren: Welche Orte besuchen Sie am liebsten und was bedeutet Ihnen das Lavanttal noch immer?
Ich gehe gerne mit meiner Tante eine besonders schöne Runde über das Wolfsberg Schloss bis zum Mausoleum oder sitze an der Lavant auf einen guten Kaffee. Das Lavanttal ist für mich Heimat und wird auch immer meine Heimat bleiben.
// Zur Person
Tanja Leitner (46) wurde in Wolfsberg geboren und absolvierte ein Lehramtsstudium der Germanistik/Anglistik und Amerikanistik an der Uni Klagenfurt, dazu ein Diplomstudium Pädagogik, Berufs- und Erwachsenenbildung (Uni Klagenfurt) sowie ein Masterstudium Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung (PH Kärnten).
Außerdem ist Leitner zertifizierte Erwachsenenbildnerin (wba) und Bildungsmanagement expert (bifeb).
Von 2006 bis Oktober 2026 war sie bei den Kärntner Volkshochschulen tätig.

Von Michael Swersina
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