Schreiben der Wirtschaftskammer sorgt für Wirbel: Berufsschule Wolfsberg bangt um LehrlingszahlAusgabe 26 | Mittwoch, 24. Juni 2020

LAbg. Harald Trettenbrein appelliert an alle Lavanttaler Politiker, für die Schule zu kämpfen, die ab Herbst ihre Lehrlinge an Villach verlieren soll, wie es in Schreiben der Kammer heißt. Deren Lehrlingsbeauftragter sagt: »Ein Irrtum, nur Klagenfurt ist betroffen.«

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Wolfsberg. Einen Appell an alle Politiker des Lavanttals richtet der Landtagsabgeordnete Harald Trettenbrein (FPÖ): »Kämpfen wir gemeinsam dafür, dass die Berufsschule Wolfsberg nicht ausgehungert wird.« Denn laut Trettenbrein besteht dafür jetzt große Gefahr. Allerdings: Laut Bernhard Plasounig, Lehrlingsbeauftragter der Wirtschaftskammer Kärnten, handelt es sich um ein Missverständnis, das kurz später aufgeklärt wurde.  

Der Hintergrund: Auf Landesebene wurde ein neues Konzept beschlossen. Es sieht vor, dass alle Kärntner Lehrlinge, die das Handwerk des Kfz-Technikers erlernen, künftig in Villach unterrichtet werden. Da viele von ihnen in Wolfsberg die Schulbank drücken, gab es gegen den Plan massiven Widerstand.

»Da wird von Stärkung des ländlichen Raums geredet – und jetzt kommt dieser Angriff«
Harald Trettenbrein, Landtagsabgeordneter FPÖ

Schließlich kam es zu einer Einigung: Die Berufsschule Wolfsberg – übrigens eine Vorzeigeeinrichtung, die nicht nur hervorragend ausgestattet ist, sondern auch drei Staatsmeister im Bereich Kfz-Technik stellt – soll in Zukunft die Kärntner Metaller ausbilden, die derzeit auf mehrere Standorte verteilt sind. Und: Jeder Schüler, der nach Villach geht, wird umgehend durch einen neuen Metaller-Lehrling ersetzt, womit sichergestellt werden soll, dass die Schülerzahlen in Wolfsberg nicht abrupt einbrechen. 

Doch jetzt herrscht Alarmstimmung: Die Lehrlingsstelle der Kärntner Wirtschaftskammer hat laut Trettenbrein ein Schreiben an alle Kärntner Kfz-Betriebe ausgesandt, in dem darauf hingewiesen wird, dass »aufgrund des von der Landesregierung beschlossenen Berufsschulkonzepts alle Lehrlinge des ersten Lehrjahrs aus dem Lehrberuf Kraftfahrzeugtechnik ab Herbst 2020 an der Fachberufsschule Villach 2 eingeschult« werden müssen. Titel des Schreibens: »Achtung! Änderung Berufsschulstandort.«

Der Landtagsabgeordnete ist empört: »Ich fürchte, dass nun mit einem Schlag viele Lehrlinge wegfallen, die Metalllehrlinge aber nur nachtröpfeln. Was ist mit den zugesagten Metallern? Warum wurde das jetzige Vorgehen nicht mit dem Land und den Gemeinden koordiniert? Wir wollen ein gleiches Schreiben auch für alle Metallbetriebe.« Trettenbrein lässt eine Attacke auf die Wirtschaftskammer folgen: »Da wird geredet, der ländliche Raum soll gestärkt werden. Und jetzt kommt ein Angriff auf genau diesen Raum. Der Wahnsinn dabei ist, dass die Berufsschule Wolfsberg nicht einmal eingebunden wurde.«

Nur Klagenfurt betroffen

Bernhard Plasounig, Lehrlingsbeauftragter der Wirtschaftskammer Kärnten, sagt dazu: »In diesem Schreiben ist ein Fehler passiert. Es richtet sich nicht an alle Kärntner Kfz-Betriebe, sondern nur an die, deren Lehrlinge bisher in Klagenfurt unterrichtet würden. Nur diese Lehrlinge im ersten Lehrjahr gehen ab Herbst in Villach zur Schule. Nächstes Jahr folgen jene im zweiten Lehrjahr, ebenfalls nur aus Klagenfurt. Erst 2022 kommen auch die Wolfsberger Lehrlinge nach Villach. Wir werden eine Korrektur an die Betriebe schicken.«

Grundsätzlich versteht Plasounig, der als Unternehmer in Villach einen Kfz- und einen Metallbetrieb leitet, die Attacke Trettenbreins nicht: »Er hat wohl vergessen, dass die Metallerlehrlinge schon seit drei Jahren in Wolfsberg sind. 60 bis 70 von ihnen werden dort bereits unterrichtet. Damals hätte es Zug um Zug gehen sollen, aber die Lehrlinge kamen sofort nach Wolfsberg, während Villach eine Übergangszeit hat.« Plasounig hält den Standort Villach als Schwerpunkt der Kfz-Ausbildung für bestens geeignet – »wegen des Automotive-Sektors von Infineon, den wir hier haben«. 

Der Direktor der Wolfsberger Berufsschule, Norbert Aichholzer, sagt zum Wirbel: »Ich kenne das Schreiben der Wirtschaftskammer nicht. Es kann aber keiner unserer Politiker dafür sein, dass die Berufsschule Wolfsberg Lehrlinge verliert. Und ich befürworte das natürlich auch nicht.«

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