Bürgermeister Markut ist gegen die Importpläne des Wasserverbands: »Ich will kein totes Wasser«Ausgabe 5 | Mittwoch, 29. Januar 2020

Nichts abgewinnen kann der Stadtchef von St. Georgen dem Vorhaben, Wasser aus dem Bezirk Völkermarkt über die Jauntalbrücke ins Lavanttal zu pumpen. Er ortet mangelnde Qualität. Verbandsobmann Schlagholz will zumindest die Voraussetzungen dafür schaffen.

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St. Georgen, Wolfsberg. Die Zeit drängt. Im Juli beginnen bereits die Vorarbeiten der ÖBB für den Umbau der Jauntalbrücke. Das heißt, bis dahin sollte der Wasserverband Verbundschiene Lavanttal (WVVL) eine Vereinbarung mit der Bahn getroffen haben, um zumindest eine Aufhängevorrichtung für die angedachte Wasserleitung ins Lavanttal anbringen zu können. Denn es gilt, den Wasserbedarf des Bezirks Wolfsberg, in dem jetzt zu Spitzenzeiten eine beträchtliche Lücke klafft, langfristig zu sichern.

Nicht alle Mitglieder des Wasserverbands sind aber vom Projekt, Wasser aus Völkermarkt ins Lavanttal zu »importieren«, begeistert. So sagt Karl Markut, Bürgermeister von St. Georgen: »Stimmt, ich bin nicht erfreut und glaube nicht, dass das sinnvoll wäre.«

»Stimmt, ich bin nicht erfreut und glaube nicht, dass dieses Vorhaben sinnvoll ist«
Karl Markut, Bürgermeister St. Georgen

Wie berichtet trägt sich die Lavanttaler Wasserschiene mit dem Gedanken, Wasser aus dem Brunnen Traundorf im Bezirk Völkermarkt über die Jauntalbrücke ins eigene Netz einzuspeisen. Markut: »Es handelt sich um totes Wasser, das aus 60 Metern Tiefe geholt, kilometerweit gepumpt und dann mit unserem guten Quellwasser vermischt wird. Dieses Kieswasser ist schlecht, denn darin sammeln sich Schadstoffe an.«

»Lavanttaler Lösung«

Der St. Georgener Bürgermeister bevorzugt eine andere Variante: »Ich will eine Lavanttaler Lösung. Wir haben im Tal genug Wasser und genug Quellen, etwa auf der Koralm. Derzeit wird der Wasserbedarf zu Spitzenzeiten nicht abgedeckt, mit zusätzlichen Quellen wäre das aber durchaus machbar.« Auch der Druckstollen in Lavamünd wäre laut Markut eine Option. 

Er hält nichts von Lösungen, bei denen Wasser »quer durch Kärnten« gepumpt werden müsse. 

»Außerdem würden die Kosten für die Leitung über die Jauntalbrücke knapp zehn Millionen Euro betragen, wofür die Gebührenzahler aufkommen müssten. Das will ich ihnen nicht zumuten«, sagt Markut.

Obmann des Wasserverbands ist der Wolfsberger Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz. Er sagt: »Das Thema Wasserversorgung ist langfristig zu betrachten. Aus Landessicht ist die Leitung über die Jauntalbrücke sinnvoll.« Jetzt wurde eine Studie in Auftrag gegeben, wie die Verlegung einer Leitung im Zuge des Brückenumbaus möglich wäre. Schlagholz: »Wir müssen mit den ÖBB einen Vertrag schließen, um jetzt zumindest Haltevorrichtungen an der Brücke anbringen zu können und damit die Voraussetzungen für eine künftige Leitung von der Quelle Traundorf ins Lavanttal zu schaffen. Vielleicht ist sie derzeit nicht akut nötig – aber später ist der Bau nicht mehr möglich.«

»Er ist sehr engagiert«

Dass Markut gegen den Wasserimport aus Traundorf ist, weiß der Wolfsberger Bürgermeister: »Er ist in dieser Sache sehr engagiert. Aber meines Wissens nach ist auch er dafür, wenigstens die Voraussetzungen für die Leitung zu schaffen.«

Auf die Frage, was geschieht, wenn Markut im Wasserverband gegen die Leitung stimmt, sagt Schlagholz: »Grundsätzlich wird nur eine Mehrheit benötigt. Bisher haben wir aber alles einstimmig beschlossen, das will ich auch weiterhin erreichen.« Markuts Gegenvorschläge, wie die Wasserversorgung sichergestellt werden kann, hängen laut Schlagholz von der Zustimmung des Landes ab.

Der derzeitige Wasserbedarf der am Wasserverband beteiligten Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä, St. Paul und St. Georgen liegt zurzeit im Schnitt bei 93,9 Liter pro Sekunde. Zu Spitzenzeiten werden aber 154,5 Liter/Sekunde benötigt, während nur 132,8 Liter/Sekunde zur Verfügung stehen. Erwartet wird, dass der mittlere wie der Spitzenverbrauch künftig stark ansteigen, während sich die Schüttung aufgrund verschiedener Faktoren um bis zu 20 Prozent verringern soll. Es muss also etwas geschehen.

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