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Tracht und Gemeinschaft: Seit 50 Jahren sind die Bürgerfrauen das Herz des Lavanttaler BrauchtumsAusgabe 35 | Dienstag, 1. September 2026

Im Jahr 1976 wurde in Wolfsberg ein Verein gegründet, der bis heute das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Bezirkshauptstadt maßgeblich bereichert: Die Bürgerfrauen feiern heuer ihr 50-jähriges Bestehen und blicken auf eine bewegte Geschichte zurück.

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Wolfsberg. Die Anfänge reichen in das Jahr 1975 zurück. Die damalige Präsidentin der Kärntner Bürgerfrauen, Erna Weinländer, und Hofrat Franz Koschier kamen nach Wolfsberg, um über die Gründung einer Bürgerfrauengruppe zu sprechen. Bereits zuvor hatten sich die Initiatorinnen Waltraud Schüßler, Roswitha Sternat, Ines Kohlbach und Gertraut Buchbauer für eine Tracht entschieden, die nach dem Vorbild eines rund 150 Jahre alten Lavanttaler Bürgerkleids gefertigt wurde. 

Ergänzt wurde sie durch eine Silberhaube, die ebenfalls nach historischem Lavanttaler Vorbild entstand. Diese einzigartige Kopfbedeckung geht auf den einst bedeutenden Silberbergbau im Lavanttal zurück und ist bis heute ein unverwechselbares Symbol der regionalen Geschichte und Identität.

Maßgeblichen Anteil an der Gründung der Gruppe hatte Otto Sterling, Obmann der Wolfsberger Brauchtumsgruppe Lavanttal. Er brachte Frauen zusammen, die sich für Brauchtum und Tradition begeisterten und bereit waren, die aufwendig gefertigte historische Tracht anzuschaffen. Mit der feierlichen Gründung am 12. September 1976 traten zwölf Wolfsberger Bürgerfrauen erstmals öffentlich in Erscheinung. 

24 Mitglieder

Heute zählt der Verein 24 Mitglieder. Mit der Ehrenobfrau Gertraut Buchbauer und Herlinde Gärtner-Zeitlinger gehören noch zwei Gründungsmitglieder der Gemeinschaft an. An der Spitze der Wolfsberger Bürgerfrauen, einer von insgesamt 14 Bürger- und Goldhaubengruppen in Kärnten, steht Obfrau Elisabeth Hutter. Unterstützt wird sie von ihrer Stellvertreterin Ruthild Sölle, der Schriftführerin und Chronistin Barbara Oberwalder, deren Stellvertreterin Erna Kienleitner sowie Kassierin Anna Malliga und ihrer Stellvertreterin Waltraud Schober. Die Wolfsberger Bürgerfrauen sind Teil des Landesverbands der Kärntner Bürger- und Goldhaubenfrauen, dem rund 500 Frauen angehören. Neben der Pflege des kulturellen Erbes ist das karitative Engagement ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit aller vierzehn Kärntner Gruppen. Hilfe erfahren in Not geratene Menschen ebenso wie Opfer von Naturkatastrophen. 

Die Silberhaube

Die Bürgerfrauentracht und insbesondere das Tragen der Silberhaube sind für die Wolfsberger Bürgerfrauen weit mehr als ein sichtbares Zeichen traditioneller Kleidung. Sie stehen für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – und sie setzen mit ihrem vielfältigen Engagement zahlreiche Akzente. Alljährlich organisieren sie den traditionellen Nikolausbesuch bei der Mariensäule am Hohen Platz. Gemeinsam mit Engeln und Krampussen verteilt der heilige Nikolaus kleine Gaben an die Kinder und sorgt für leuchtende Augen in der Adventzeit.

Darüber hinaus unterstützen die Bürgerfrauen die »Team Österreich Tafel«, eine Initiative von Ö3 und dem Roten Kreuz, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt. Ein sichtbares Zeichen für die Pflege des kulturellen Erbes setzte der Verein mit der Erneuerung der Gedenktafel für die Wolfsberger Schriftstellerin Gertrud Schmirger, die unter dem Pseudonym Gerhart Ellert zahlreiche historische Romane, Reisebeschreibungen und Jugendbücher veröffentlichte. Die feierliche Enthüllung der erneuerten Gedenktafel erfolgte im Rahmen des 60. Zammelsberger Treffens am Kärntner Dichterweg. Ob bei kirchlichen Hochfesten, städtischen Feierlichkeiten oder kulturellen Veranstaltungen – die Wolfsberger Bürgerfrauen sind aus dem öffentlichen Leben der Bezirksstadt nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer historischen Tracht repräsentieren sie das traditionsreiche Bürgertum des Lavanttals und verbinden auf eindrucksvolle Weise Brauchtum, Geschichte und gelebte Gegenwart.

Das 50-jährige Jubiläum ist daher nicht nur Anlass zum Rückblick auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte, sondern auch Ausdruck der Wertschätzung für Frauen, die sich mit großem Einsatz für Brauchtum, Kultur, Mitmenschlichkeit und das Gemeinwohl engagieren.

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