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Wolfsberg. Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass die Bienen »Betonhonig« produzierten, einen Honig, der sich nicht schleudern lässt. Das bringt für die Lavanttaler Imker Probleme mit sich. Laut Werner Pachler, Wolfs- berger Bienenwanderlehrer, Bienenpädagogen und Gründungsobmann des Vereins »Lavanttaler Carnica Biene«, ist dieses Naturphänomen für Ertragseinbußen bei der heurigen Honigernte von 30 bis 50 Prozent verantwortlich.
Das Lavanttal ist traditionell ein gutes Waldhoniggebiet. Die Bienen erzeugen den Waldhonig vor allem aus dem Honigtau von Fichten, aber auch aus dem von Laubbäumen. Dieser Honigtau enthält neben Traubenzucker und Fruchtzucker auch sehr viele Mineralstoffe.
»Die Bienen können diesen Betonhonig im Winter auch nicht als Futter verwerten«
Werner Pachler, Imker
In klimatisch sehr warmen Jahren stellen die Bäume ihren Siebröhrensaft jedoch auf Vielfachzucker um, in der Fachsprache Melezitose genannt. Melezitose ist ein Dreifachzucker, der aus zwei Teilen Traubenzucker und einem Teil Fruchtzucker besteht und zu den Kohlenhydraten zählt.
Wenn die Bienen den Waldhonig aus Honigtau mit Melezitose herstellen, wird er in den Waben innerhalb weniger Tagen fest und ist nicht mehr schleuderbar. In der Umgangssprache wird dieser Melezitose-Honig auf Grund seiner Eigenschaften auch als »Betonhonig« bezeichnet.
Arbeiten bis zur Erschöpfung
Bienen können von diesem Honigtau mit Melezitose sehr große Mengen eintragen, was für die Insekten sehr viel Arbeit bedeutet. Aber nicht nur die Bienen arbeiten fast bis zu Erschöpfung, sondern auch die Imker. Sie müssen nämlich aus mehreren Gründen diesen Melezitose-Honig aus den Völkern entfernen. Bei so ausgiebigem Honigeintrag wie bei der Melezitose können die Waben in den Bienenvölkern so voll getragen werden, dass kein Platz mehr für die Bienenbrut vorhanden ist. Das be-deutet, dass das Bienenvolk auf Grund fehlender Nachkommen zu Grunde gehen kann.
»Weiters können die Bienen diesen Betonhonig im Winter nicht als Futter verwerten, weil sie ihn ohne Wasser nicht für ihre Nahrung aufbereiten können«, so Pachler. Das würde dann den Hungertod des Volks bedeuten. Außerdem würde die Melizitose im Winter die Kotblase der Bienen so sehr belasten, dass sie platzt und das Volk durch die Ausscheidungen krank werden würde.
Große Ertragseinbußen
Jetzt es die Aufgabe der Imker, die Bienenvölker gut durch die Melezitose-Tracht zu bringen. Sie müssen die große Anzahl der mit Melezitose-Honig befüllten schweren Waben nach Hause bringen, die aber nicht geschleudert werden können. Das bedeutet starke Ertragseinbußen und eine große Menge an Mehrarbeit. Solche Melezitose-Waben können aufbewahrt und den Bienenvölkern im Frühjahr als Futterunterstützung wieder gereicht werden.
Wenn aber alle Waben mit Melezitose gefüllt sind, müssen sie mit Wasser wieder melezitosefrei gemacht werden. Der mit Wasser verdünnte »Melezitose-Brei« kann aber nicht als Honig verwendet werden. Man kann ihn zur Produktion von Honigessig oder zur Herstellung von Met nutzen. Weiters muss der Imker eine bestimmte Anzahl Waben melezitosefrei machen, damit er sie im Frühjahr den Bienen wieder für den Honigeintrag zur Verfügung stellen kann. Gerhard Klinger

Von Gerhard Klinger
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