Artikel
Wolfsberg, München. Wenn in München alljährlich die internationale Sicherheitselite zusammenkommt, stehen auf der Liste der Teilnehmer üblicherweise Staats- und Regierungschefs, Militärstrategen, Geheimdienstexperten und Spitzenforschern. 2026 mischte sich unter die rund 2.500 geladenen Gäste jedoch auch ein Wolfsberger: Rechtsanwalt Christian Ragger. Seine Teilnahme erfolgte über eine Einladung eines Klienten. »Man kann sich nicht selbst in Sicherheitskonferenz reklamieren, man muss eingeladen werden«, erzählt der Wolfsberger.
Schon das Betreten der Konferenzräume bewies die Hochkarätigkeit der Veranstaltung: Eine acht Meter lange Sicherheitsschleuse, strengste Kontrollen, ein Umfeld, das sonst nur hochrangigen Regierungsdelegationen vorbehalten ist. »Allein das zeigt, welche Persönlichkeiten an dieser Konferenz teilnehmen«, so Ragger.
Von Freitag bis Sonntag nahm Ragger an mehreren hochkarätigen Panels, also Vorträgen mit anschließenden Diskussionen, teil. Eines davon wurde von Hillary Clinton, der Frau des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, geleitet und widmete sich der Frage, wie Umwelt- und Ernährungssicherheit aus amerikanischer Sicht künftig bewertet werden. Weitere Themen reichten von der Stabilität internationaler Währungen – insbesondere im Spannungsfeld zwischen klassischen Finanzsystemen und Kryptowährungen – bis hin zur Frage, wie fit Europa sicherheitspolitisch tatsächlich ist.
Parallel dazu fanden viele Side-Events statt, organisiert von globalen Konzernen wie Allianz oder BMW, die ihre Räume für sicherheitspolitische Fachvorträge öffneten. »Man kann sich kaum vorstellen, wie viele hochkarätige Gespräche gleichzeitig laufen. Es gab über 100 Side-Events – und jedes davon ist mit Top-Experten besetzt«, sagt Ragger.
Cybersecurity als Weckruf
Besonders eindrücklich war für Ragger die vorgeschaltete Cybersecurity-Konferenz. Dort wurde schonungslos aufgezeigt, wie schlecht Europa im digitalen Verteidigungsbereich aufgestellt ist. »Die USA haben den Großteil der weltweit verfügbaren CPUs (Anm.: Computerprozessoren) aufgekauft. Die Frage ist: Warum? Und was bedeutet das für uns?«, fasst Ragger zusammen. Die Antwort blieb unausgesprochen – die Sorge jedoch spürbar.
Was Ragger besonders bedauert: Die geringe österreichische Präsenz. »Aus Österreich waren nur zwei Personen aus den höchsten politischen Kreisen vertreten – Bundeskanzler Christian Stocker und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Bei keinem Panel war ein Österreicher als Vortragender vertreten.« Das sei symptomatisch für ein größeres Problem. »Österreich kann nicht einmal internationale Friedenskonferenzen anbieten, weil es in unserem Land keinen einzigen NATO-zertifizierten abhörsicheren Raum gibt«, ärgert sich Ragger. Während andere Staaten – allen voran die Türkei – sicherheitspolitisch massiv aufrüsten und sich als moderne Akteure positionieren, bleibe Österreich in vielen Bereichen Zuschauer.
Europa rückt zusammen
Politisch war die Konferenz stark von den bevorstehenden US-Midterms, den Zwischenwahlen im November, geprägt. »Es waren noch nie so viele Amerikaner bei der Sicherheitskonferenz wie in diesem Jahr«, berichtet Ragger, der weiters meint, dass die Kritik an Donald Trump ungewöhnlich offen ausgefallen sei. Europa wiederum zeigte sich geschlossen – etwa beim Thema Grönland – und betonte den Willen, sicherheitspolitisch wieder mehr Eigenständigkeit zu entwickeln. »Das bedeutet aber auch enorme Investitionen. Und das geht dann wieder zulasten anderer Bereiche, etwa des Sozialstaats«, so der Wolfsberger Rechtsanwalt.
Für Ragger war die Teilnahme mehr als nur ein beruflicher Ausflug: »Man lernt viele Menschen kennen. Und man bekommt einen Eindruck davon, wie globale Sicherheit wirklich gedacht wird – auf höchstem Expertenniveau.« Themen wie Ernährungssicherheit, Energieversorgung, Wasserwirtschaft und Ressourcenschutz seien dabei genauso präsent wie klassische Militärfragen. Sein Wunsch: Dass auch neutrale Staaten wie Österreich sich künftig stärker einbringen. »Europa braucht Plattformen, wie diese Konferenz. Ich würde mir wünschen, dass Österreich ein klareres sicherheitspolitisches Profil entwickelt«, so Ragger.

FF St. Georgen leistete im Vorjahr über 10.000 ehrenamtliche Stunden
Diözesaner Theaterwettbewerb: Sieg für »Minis & Co.« aus Bad St. Leonhard
Die Lavant erwacht: Wie ein Renaturierungsprojekt einem sterbenden Fluss neues Leben einhaucht
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!