Johannes Habich im Interview mit den Unterkärntner NachrichtenAusgabe | Mittwoch, 17. Oktober 2018

Kabarettist Johannes Habich über seinen Weggang aus dem Lavanttal, seine Geburt und seine Kunstfigur Fiffi Putzenbacher.

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Sie haben mit 24 Jahren das Lavanttal verlassen. Warum?
Ich ging als Leiter der Verkaufsförderung zu adidas Österreich. Das war der Startschuss zu meiner beruflichen Laufbahn. 1988 machte ich mich mit einer Agentur für Marktkommunikation und Werbung selbstständig. Unter anderem war ich mit meinem Unternehmen für den Aufbau der Marke Jacques Lemans verantwortlich. Beim internationalen Uhrenhersteller Festina hatte ich in Österreich den Gesamtaufbau und in Deutschland den Bereich außerordentliche Werbeformen über. Mir war wichtig, gezielt zu arbeiten, deshalb war ich immer exklusiv für einen Kunden tätig. Das ist bis heute so. Neben der wirtschaftlichen Tätigkeit etablierte ich noch eine zweite Schiene im Unterhaltungsbereich. Die beinhaltet zum einen die Künstler-Vermarktung und die Umsetzung von Veranstaltungen, zum anderen mein eigenes Bühnenleben, besonders »Die schrägen Vögel«

Warum heißt es »Die schrägen Vögel«?
Meine Frau hat meinen Kabarettpartner Helmut »Luigi« Unterluggauer und mich angesehen und gesagt, sie sei mit unseren beiden Gesichtern überfordert, das Einzige, dass zu uns passen würde, wäre schräge Vögel. Und da ich immer mache, machen muss, was meine Frau sagt, gab es keine Diskussion. Der Name hat uns am Anfang nicht immer Glück gebracht. Unsere erste Vorstellung ging am 1. April in Wald bei Stainz in der Steiermark über die Bühne. Das Zuschauerinteresse hielt sich in Grenzen, weil alle glaubten, es handelt sich um einen Aprilscherz. Ist das nicht schräg?

Waren Sie schon als Kleiner ein Spaßvogel?
Stimmt zur Hälfte: Falsch ist Kleiner – ich wog bei der Geburt 5,10 Kilo und es hat schon damals niemand gewagt, mich Kleiner  zu nennen. Das Problem war, nur mein halber Kopf passte auf die Karten, die meine Eltern zur Geburt aussenden wollten. Das fand ich lächerlich und so wurde ich zum Spaßvogel.

Warum sind Sie Kabarettist geworden?
Ich wollte Skifahren wie Hermann Maier und Schauspielern wie Arnold Schwarzenegger, leider bin ich Ski gefahren wie Schwarzenegger und habe geschauspielert wie Hermann Maier – da habe ich gedacht: Wirst halt Kabarettist. Spaß bei Seite: Schon von der Volksschule an habe ich gespürt, dass es mir große Freude bereitet, Menschen zu unterhalten.

Sie parodieren Arnold Schwarzenegger , Hermann Maier, Franz Posch ... Wie sind Sie darauf gekommen?
Das begann beim St. Andräer Fasching, bei dem parodierte ich Lokalgrößen wie Werner Kristan, oder Herrn Fritzl vom gleichnamigen Kaufhaus. Da spürte ich, dass mir die Stimmenimitation liegt.

Gemeinsam mit »Luigi« Unterluggauer stehen Sie mittlerweile über 18 Jahre auf der Bühne, wird das nicht fad?
Eben nicht, denn die Persönlichkeiten, die wir parodieren, sorgen immer wieder für neuen Gesprächsstoff, und wir sind da sehr flexibel und nehmen das sofort in unser Programm auf, das sich dadurch ständig ändert. Außerdem bei Luigis und meiner Textsicherheit ist keine Vorstellung wie die andere.

Ging bei den Vorstellungen noch nie etwas schief?
Wie soll bei den »Schrägen Vögeln« etwas gerade gehen? Ausgerechnet bei einem Auftritt in Wolfsberg vor ausverkauftem Haus bekam Luigi als Papst Johannes Paul II. einen zehnminütigen Lachkrampf, zum Glück schloss sich das Publikum an. Viele Zuschauer gingen nach Hause und meinten: selten so gelacht.

Geht man sich nach so vielen Jahren nicht gegenseitig auf den Geist?
Jaaaaaaaaa!!!!!!!!!!

Wie lange wollen Sie noch gemeinsam auf der Bühne stehen?
Unser Ziel waren immer 20 Jahre. Da Luigi nicht einmal bis drei zählen kann und ich mich auf dem Rechenschieber nicht auskenne, kann es durchaus länger sein. Parallel hatte ich immer wieder Soloprogramme und sonstige Experimente. Aktuell arbeite ich an einer Bühnenfassung für meine Kunstfigur Fiffi Putzenbacher, die man auf Youtube und Facebook bereits sehen kann.

Wie schaffen Sie es, dass bei den vielen beruflichen Aktivitäten noch Zeit für die Familie bleibt?
Ganz einfach, meine Familie ist die Basis dafür, dass ich so viele berufliche Aktivitäten durchziehen kann. Meine Frau bringt viel Verständnis auf, ist ein enormer Rückhalt, eine gute Ratgeberin und gleichzeitig mein bester Freund. Zudem haben wir die Verantwortung für unsere vier Kinder. Besonders gefreut hat mich, dass uns vor sieben Wochen der älteste Sohn zu Großeltern der kleinen Emelie gemacht hat.

Auch in Ihrem Leben war und ist nicht immer alles eitel Wonne?
Ja, aber irgendwie gehört das zu einem kompletten Leben. Unser zweitältester Sohn leidet unter dem Tourette-Syndrom. Das stellt in erster Linie für ihn, aber auch für die gesamte Familie eine große Herausforderung dar und kostet allen Beteiligten sehr viel Kraft. Hier zeigt sich, wie wichtig eine intakte Familie und der Zusammenhalt unter den Familienmitgliedern ist.

Wie war Ihre Jugend im Lavanttal?
Ich wuchs in St. Andrä auf. Gott sei Dank in den 60er Jahren und zu Beginn der 70er Jahre, in denen das Leben noch viel einfacher, unkomplizierter, freier und noch nicht von der Technik geprägt war. Wir kannten kein Handy, kein Internet, hatten ein Fernsehprogramm und für uns Kinder war die Sendung mit dem Kasperl am Mittwoch der Höhepunkt der Woche. Der Rest spielte sich draußen im Freien mit Freunden ab.

Welchen Bezug haben Sie noch zum Tal?
Ich bin regelmäßig im Lavanttal  unterwegs, pflege hier das Grab meiner Eltern und genieße das Aufleben vieler alter Freundschaften. 

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