Michael DotschekalAusgabe | Mittwoch, 18. Juli 2018

Michael Dotschekal, Techniker bei der Firma Schlossinger, nimmt es mit jedem technischen Problem auf, das ihm gestellt wird. Mit jedem. Dazu sammelt er alte Geräte - an die er aber gewisse Ansprüche stellt.

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Alles lässt sich reparieren - Dotschekal in seiner Werkstatt

WOLFSBERG. In seiner Werkstatt hört er Jazz - sehr laut. Sein Markenzeichen ist seine Mütze, die er auch dann nicht abnimmt, wenn er sich tief über ein Gerät beugt, um herauszufinden, was ihm »fehlt«. Er ist ein Original, was nicht zuletzt seine Visitenkarte beweist: Auf der steht unter seinem Namen die Bezeichnung »Technik-Spinner«. Michael Dotschekal sagt über sich: »Ich kann alles reparieren.« Und das ist kein angeberischer Spruch, sondern die hehre Wahrheit.

Der »Techniker des Hauses«

Der 47-Jährige hat schon viel in seinem Leben unternommen. Er war Fahrdienstleiter bei den ÖBB, dann Weinbauer und Schnapsbrenner. Jetz repariert er in der Werkstatt der Wolfsberger Firma Schlossinger, die seine Lebensgefährtin Ines Schlossinger betreibt, als Techniker des Hauses all jene Apparaturen, die aus irgendeinem Grund den Geist aufgegeben haben, von denen sich ihre Besitzer aber nicht trennen wollen. Als da wären: Nähmaschinen (Dotschekal: »Vergangenes Jahr habe ich an die 500 Stück repariert«), Fernseher (mit Röhre oder ohne), Plattenspieler, Radios, Tonbandgeräte, mit einem Wort: Alles, was in den Bereich Technik und damit in Dotschekals »Revier« fällt. »Mein Großvater war Geschäftsführer bei der Firma Schlossinger«, erzählt er, »von ihm bekam ich als Kind alte Fernseher - zum Zerlegen.« Seither tüftelt er über technische Probleme und deren Lösung. »Gelernt« hat er seine Fertigkeiten bei Raimund Hobel, bis zu dessen Pensionierung als Mechaniker angestellt - natürlich bei der Firma Schlossinger. Mit dessen Wissen und einer gehörigen Portion Neugier und Zähigkeit ausgestattet, schraubt Dotschekal seither auf kaputten Geräten so lange herum, bis sie ihren Dienst wieder aufnehmen. Sein kuriosester Fall? »Ein defekter Profil-Schneider für Autoreifen, den mir ein Rallye-Pilot brachte.« Auch den brachte der gebürtige Wolfsberger wieder zum Funktionieren - klar. Als Technik-Freak sammelt Dotschekal auch alte Apparaturen und  beherbergt sie in einem kleinen Privat-Museum. »Ich hebe aber nur Geräte auf, die zu ihrer Zeit auf einem hohen technischen Level waren.« Ramsch kommt ihm weder ins Geschäft noch in die Sammlung. In letzterer befindet sich neben einer Nähmaschine aus dem Jahr 1860 und einem Grammophon auch ein Braun-Plattenspieler des Typs PS 600 aus den späten 1960ern, der wegen seines zeitlos-schönen Designs auch im Museum of Modern Art in San Francisco ausgestellt wird. Dotschekal: »Er kann mehrere Platten nacheinander abspielen, ohne dass man die Tonträger wechseln muss.«

Panzer-Funkgerät

Der liebste Apparat in seiner Sammlung ist ein  Funkgerät aus dem Zweiten Weltkrieg, den die Engländer in ihren Panzern verwendeten - ein Erbstück des Opas. Während alle anderen Geräte im Museum tadellos funktionieren - Ehrensache! -, gilt das für das Funkgerät nur theoretisch. Dotschekal: »Es darf laut Funkgesetz wegen seines großen Frequenzbereichs nicht benutzt werden. Ich könnte es aber in Gang bekommen.« Daran besteht bei ihm kein Zweifel. Ein Stück fehlt in der Sammlung: »Ein Tuner für ein Revox-A77-Tonbandgerät. Schwer zu bekommen.« Wenn Dotschekal nicht schraubt, hört er Musik, vorzugsweise auf Vinyl. 6.000 Platten nennt er sein Eigen. Regelmäßig lädt er in die Geschäftsräume zu Hi-Fi-Abende - auch andere sollen etwas von seinen Schätzen haben.

 

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