Am Turnersee grüßt die NS-VergangenheitAusgabe | Mittwoch, 4. Juli 2018

Der See erhielt seinen Namen von einem SS-Mann, nach dem noch heute ein Heim am Ufer betitelt ist. Eine Umbennung wird abgelehnt.

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St. Kanzian, wolfsberg. Auch 73 Jahre nach dem Untergang des »Dritten Reichs«: Die nationalsozialistische Vergangenheit lebt in manchen Bereichen munter weiter. Etwa im Namen »Turnersee« und dem dortigen »Karl-Hönck-Heim«, das jeden Sommer von Schülern aus ganz Österreich besucht wird. Nur wenige von ihnen wissen, wer Hönck wirklich war.

Verlorener Name Der Turnersee trug bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Namen Sablatnigsee. Damals tummelten sich junge Turner an seinem Ufer, die körperlich ertüchtigt und zur »rechten« Denkweise getrimmt wurden. Über das dortige Lager hieß es 1940 in der Zeitschrift »Kärntner Grenzruf«: »Das Turnerseelager diente in der Systemzeit zur Schulung und zur Ausrichtung der Führer des Turnerbundes auf das große Ziel, das 1938 mit der Heimkehr der Ostmark ins deutsche Reich auch erreicht wurde.« 1932 bot ein Mitglied der Familie Orsini-Rosenberg den See zum Verkauf an. Der – noch heute in Wolfsberg ansässige – Verein »Kärntner Grenzland« schlug zu und erwarb das Gewässer. Vereinsgründer Karl Hönck, seit den 1920ern Mitglied des »Wolfsberger Turnvereins«, schritt umgehend zur Tat und ersetzte den slowenisch angehauchten Namen Sablatnigsee durch die treudeutsche Bezeichnung Turnersee. Wes Geistes Kind Turnlehrer Hönck war, zeigen seine weiteren »Tätigkeiten«: Wehrbauer und Oberscharführer der heute als verbrecherisch eingestuften Schutzstaffel SS. Nichtsdestotrotz trägt das Heim am See, das jeden Sommer mit Schulklassen ausgebucht ist, bis heute Höncks Namen.

Einmal muss Ruhe sein »Und das soll auch so bleiben«, sagt Wolfgang Tröls, der aktuelle Obmann des Vereins »Kärntner Grenzland«. »Warum sollen wir das ändern? Das ist Vergangenheit, da muss einmal Ruhe sein. Es gibt keine Umbenennung, wir sind mit dem Karl-Hönck-Heim glücklich.« Gleiches gilt laut Tröls für den Turnersee, der sich bis heute im Eigentum des Vereins befindet. »Auch hier kommt eine Neubenennung nicht in Frage« sagt der Obmann, »da gibt es kein Rütteln.« Tröls erhält unerwartete Schützenhilfe. Denn Andreas Schäfermeier, Pressesprecher von SP-Landeshauptmann Peter Kaiser, sagt auf Anfrage der Unterkärntner Nachrichten: »Der Turnersee ist als solcher ungeachtet seiner Vorgeschichte nunmehr seit Generationen den Kärntnern als auch seinen zigtausenden jährlichen Gästen als Turnersee bekannt. Zudem hat sich unter dem Namen Turnersee eine bis weit über die Grenzen hinaus bekannte und beliebte touristische Marke entwickelt. Daher ist aus unserer Sicht eine Namensänderung nicht sinnvoll.« Laut Schäfermeier sei es aber notwendig, die Geschichte zu kennen und an »unsere Kinder mit den entsprechenden Mahnungen und Erklärungen weiterzugeben, damit sich Abscheulichkeiten wie in der Zeit des Nationalsozialismus nie mehr wiederholen«. Wohl wahr. Auch das »Karl-Hönck-Heim« will der Kaiser-Sprecher nicht antasten. »Was den Namen des Heimes betrifft, so liegt die Verantwortung für eine allfällige Umbenennung allein beim privaten Eigentümer«, sagt Schäfermeier.

Er beweist Mut Einzig Thomas Krainz, SP-Bürgermeister von St. Kanzian und damit für den See zuständig, zeigt Mut: »Man könnte die Jugendlichen, die den Turnersee im Sommer besuchen, im Rahmen eines Bewerbes auffordern, einen neuen Namen für das Hönck-Heim zu finden.« Die Bezeichnung des Sees will auch Krainz nicht ändern: »Er ist österreichweit bekannt, eine neue Bezeichnung würde zu Probleme bei der Identifizierung durch die Gäste führen.« Und das wäre schlecht für den Tourismusrubel …

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