Er zieht Ackerfurchen wie kein anderer: Doch jetzt will Hannes Haßler den Pflug an den Nagel hängenAusgabe 33 | Mittwoch, 18. August 2021

Der Wolfsberger hat heuer den Landesmeister-Titel im »Beetpflügen« errungen – wie jedes Jahr seit 2009. Er hätte auch Weltmeister werden können – Corona hat es verhindert. Nun will er das Wettkampf-Pflügen aufgeben und sich Familie und Betrieb widmen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Hannes Haßler vor seinem Wettkampf-Traktor und dem dazugehörigen Beetpflug. Beide werden nur bei Wettbewerben eingesetzt – mit großem Erfolg. Der 27-Jährige ist derzeit Staatsmeister im »Beetpflügen«, vor wenigen Tagen holte er einmal mehr den Landestitel. Hok

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St. Michael. In der Kategorie »Beetpflug Arriviert« ist er der Beste in Kärnten – und in der gesamten Alpenrepublik: Der Wolfsberger Hannes Haßler von der Landjugend St. Michael räumte vor wenigen Tagen bei der Drei-Furchen-Tournee 2021 in seiner Kategorie die Goldmedaille ab.

»Seit 2007 bin ich dabei«, sagt der 27-jährige. In den ersten beiden Jahren eroberte er als »Newcomer« jeweils den zweiten Platz. Seit 2009 ist er »arriviert« – und wurde ohne Unterbrechung Kärntner Landesmeister im »Beetpflug«. Doch jetzt will Haßler vom Bauernhof vulgo Binder den Pflug an den Nagel hängen: »Ich möchte meinen Fokus auf anderes richten: den Betrieb und die Familie. Am Höhepunkt soll man aufhören.«

»Mein Vater nahm schon an den Bewerben teil. Als ich ein Bub war, hat er mich mitgenommen«
Hannes Haßler, bester Beetpflüger Kärntens

Dabei ist er derzeit Titelverteidiger in Österreich im »Beetpflügen«: 2019 gewann er erstmals die österreichische Staatsmeisterschaft und hätte 2020 bei der Weltmeisterschaft im russischen St. Petersburg an den Start gehen sollen. Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung, die Veranstaltung wurde abgesagt. Jetzt hat sich der 1,90 Meter große Landwirt neuerlich für den Bundesentscheid qualifiziert, der in einigen Tagen nahe St. Pölten in Niederösterreich stattfindet. »Da werde ich noch dabei sein. Ich glaube aber nicht, dass ich gewinne. Und selbst wenn, bin ich nicht sicher, ob ich an der WM noch teilnehmen würde.«

Vor der WM-Absage hatte Haßler noch eifrig trainiert. Denn »Beetpflügen« ist Präzisionsarbeit, die geübt sein will. Es gilt, in maximal drei Stunden ein 100 mal 20 Meter großes Feld zu bearbeiten. Im Gegensatz zum Wendepflug, der auf und ab fährt, muss der Traktor  mit dem angehängten Beetpflug von außen nach innen gelenkt werden. »Dabei kommt es darauf an, dass alle Furchen gleich breit, gleich hoch und gerade sind. Sie müssen auch die gleiche Form haben. Pflugeinstellung, Boden und seine Feuchtigkeit müssen berücksichtigt werden«, sagt Haßler.

Warum kann er das so gut? »Mein Vater war auch schon bei diesen Bewerben, erst als Teilnehmer, dann als Schiedsrichter. Als ich ein Bub war, hat er mich mitgenommen. So begann mein Interesse.« Außerdem sitzt der Absolvent der Wiener Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik seit Kindesbeinen auf dem Traktor: »Ich fuhr schon mit fünf Jahren damit – natürlich unter Aufsicht.« Sein Erfolgsrezept sei seine Routine und seine Erfahrung im Umgang mit dem Gerät. Und: »Ich bin am längsten dabei, dadurch bekommt man ein Gefühl für den Boden.«

Professionelles Niveau
Überhaupt betreibt Haßler das Pflügen auf professionellem Niveau: Traktor und Pflug sind speziell an ihn angepasst, Sponsoren unterstützen ihn: »Der Traktor gehört dem Hattendorfer Landwirt Ernst Vallant, dem dafür von einem Sponsor ein anderer zur Verfügung gestellt wird. Der Pflug gehört der Steirerin Barbara Maier, die damit selbst bei einer Weltmeisterschaft war. Seit 2010 nutze ich ihn und habe ihn  regelkonform adaptiert. Pflug und Traktor werden nur bei Bewerben eingesetzt.«

Aber: So ehrenvoll es auch ist, Medaillen zu gewinnen, der dahinter steckende Aufwand an Material und vor allem Zeit ist groß. Haßler: »Wenn ich nicht in unserem Betrieb bin, müssen meine Eltern – meine Mutter Irmgard und mein Vater Johannes – und meine Freundin Kathrin die Arbeit übernehmen. Letztlich ist der Zeitfaktor wichtiger als der Geldfaktor.« Und daher denkt er auch ans Aufhören. Immerhin sind am Hof 70 Hektar Grund zu bearbeiten, dazu kommen Milchkühe sowie eine Schweinezucht. Und Auszeichnungen hat Haßler mittlerweile genug an der Wand hängen ...

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