Wolfsberger Wirt verordnet Testpflicht für GeimpfteAusgabe 33 | Mittwoch, 18. August 2021

Lokalbetreiber Harald Thomaser teilt die Maßnahme auf einer mit Kreide beschriebenen Hinweistafel mit. Seine Erklärung: Er will Gäste und Mitarbeiter vor Geimpften, aber dennoch Infizierten schützen. Die Reaktionen fallen gemischt aus: Lob und Ablehnung.

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Wolfsberg. Er habe sehr viel Zuspruch für seine Aktion erhalten, sagt Harald Thomaser, Betreiber des Wettcafé »Betarea« in der Spanheimer Straße 4. Einige Kommentare auf sozialen Medien seien aber auch »tief« ausgefallen. Und: Eine dreiköpfige Gruppe habe er aus dem Lokal komplimentieren müssen. Die Männer wollten partout nicht einsehen, dass sie sich im »Betarea« trotz Impfung testen lassen müssen. »Sie wurden dann beleidigend«, sagt Thomaser. 

»Ich will Mitarbeiter und Gäste schützen. Daher habe ich diese Regel in meinem Lokal eingeführt«
Harald Thomaser, »Betarea«-Betreiber

Der Wolfsberger hatte vergangene Woche eine Hinweistafel vor sein Lokal gestellt, mit der er jede Menge Aufmerksamkeit auf sich zog (wir berichteten auf unserer Internet-Seite www.unterkaerntner.at). Denn geschrieben mit oranger Kreide steht auf dem Ständer: »Kein Zutritt für Corona-Geimpfte! Außer mit gültigem PCR- oder Antigentest.« 

Thomaser betonte von Beginn an, kein Verschwörungstheoretiker und selbst geimpft zu sein. Seine Begründung lautete: »Ich will meine Mitarbeiter und meine Gäste schützen. Meine Angestellten – teils geimpft, teils nicht – und ich machen jeden zweiten Tag einen Coronatest. Geimpfte müssen das nicht, obwohl sie das Virus genauso weitergeben können, wenn sie infiziert sind. Daher habe ich diese Regel in meinem Lokal eingeführt.«

Gäste und Angestellte sollen nicht von geimpften Personen gefährdet werden. »Daher müssen bei mir jetzt auch Geimpfte einen Test vorweisen«, so der Betreiber in der Vorwoche.

Auf Facebook war das Echo geteilt. Ein User forderte etwas holprig: »Solchen Unternehmern sollte man die staatlichen Unterstützungen zurückfordern« – wobei Thomaser laut eigener Aussage bisher nur in sehr bescheidenem Ausmaß Hilfe der öffentlichen Hand erhielt, da er das Wettcafé erst im August 2020 eröffnet hatte. Ein weiterer Kommentar lautete: »Wenigstens einer, der sein Hirn einschaltet.« Darauf wurde gekontert: »Kompletter Klescher. Leute wie er sind schuld, dass dieses Theater noch ewig dauern wird.« Eine (notwendige) Erklärung für diese Aussage blieb der Verfasser schuldig. Ein weiterer Facebooker schrieb: »Da denkt mal jemand mit, und so Unrecht hat er ja damit nicht.«

Lösungen werden gesucht

Währenddessen hat Thomaser das erste Wochenende mit der Tafel vor der Türe hinter sich gebracht und sagte am Montag, 16. August: »Natürlich versuche ich auch, Lösungen zu finden. Ich habe Tests im Lokal, die Geimpfte  gerne nutzen können. Oder sie setzen sich auf die Terrasse und sehen sich am außen angebrachten Bildschirm die Fußballspiele an. Mir geht es darum, Gäste und Personal im Innenraum zu schützen.«

Wird er die Tafel weiterhin vor der Türe belassen? »Natürlich, ich stehe dazu«, sagt Thomaser. »Ich bleibe dabei, dass sich auch Geimpfte testen sollen. Nur so können wir einen weiteren Lockdown verhindern. Die Infiziertenzahlen steigen wieder an – und es sind nicht nur die Reiserückkehrer, die dafür verantwortlich sind.«

In Richtung der Verantwortlichen meint er: »Ich bin dafür, dass die Regierung mit ihren Impf-Lemmingen endlich einsieht, dass auch sie sich testen lassen. Sonst bekommen wir die Pandemie nie in den Griff.« Auch Geimpfte sollen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, so Thomaser. Und er pocht weiterhin darauf: »Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, sonst wäre ich selber nicht geimpft.«

»Eine Gruppe mit drei Männern musste ich aus dem Lokal komplimentieren«
Derselbe über die Reaktionen

Fest steht, der Bekanntheitsgrad seines Lokals ist erheblich gestiegen: »Ich sehe viele Foto-Touristen, die die Tafel ablichten. Manche bleiben mit dem Auto stehen, um ein Bild zu machen.«

Das sagt die Forschung

Bleibt die Frage, ob Thomaser mit seiner Aussage, dass sich auch Geimpfte infizieren können und das Virus übertragen, recht hat. Laut dem »Robert Koch Institut« ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, »niedrig, aber nicht Null«. Auf Basis der bisherigen Daten ist aber davon auszugehen, dass die Viruslast bei Personen, die trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert werden, stark reduziert und die Virusausscheidung verkürzt ist: Das Risiko einer Übertragung sei stark vermindert.

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