Kreuze, ein Kinderschuh, eine Mönchskappe: Die Gruft in der Markuskirche gibt Geheimnisse preisAusgabe 32 | Mittwoch, 11. August 2021

Die Archäologen Astrid Hassler und Rainer Pauer sind mit der Erforschung der Krypta unter dem Valentinsaltar so gut wie fertig. Sie fanden die Überreste der Wolfsberger High Society vergangener Jahrhunderte, die künftig in einem Sarkophag ruhen soll.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Rainer Pauer und Astrid Hassler zeigen die Stola und ein Kreuz, die in der Gruft entdeckt wurden. Dass auch Kinder bestattet wurden, beweist dieser kleine Schuh (rechts, oben). Bei den Toten fanden sich Ringe, Kreuze und Anhänger, die sie am Herzen trugen (rechts, unten). Hok

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Wolfsberg. In der Gruft  unter dem Valentinsaltar ist es eng und wenig stickig. An ihrem Ende ragen die Überreste eines Körpers aus dem Boden, das Skelett ist erst zum Teil von der Erde befreit. »Bisher haben wir 45 Menschen gefunden«, sagt Astrid Hassler, Grabungstechnikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, die mit ihrem Kollegen Rainer Pauer den Inhalt der Gruft in der Wolfsberger Markuskirche archäologisch un-tersucht. Was die beiden zum Vorschein brachten, ist erstaunlich.

»Die Verstorbenen trugen Rosenkränze in den Händen, alle waren herausgeputzt.«
Astrid Hassler, Archäologin

Wie berichtet fasste Pfarrer Christoph Kranicki im Zuge der jüngsten Restaurierungsarbeiten in der Kirche den Plan, auch die Gruft zu öffnen. Im Mai zeigte sich dabei ein Bild der Verwüstung: Die Särge waren zerborsten, Holztrümmer mischten sich mit menschlichen Überresten und der Kleidung der Toten. Kranicki entschloss sich, den Verstorbenen eine würdige Neubestattung zu ermöglichen, der aber die wissenschaftliche Aufarbeitung vorausgehen sollte. Hier wurden Hassler und Pauer eingeschaltet, die die Gruft jetzt erforschten.

»Außergewöhnlich«

»Alles, was wir entdeckt haben, ist außergewöhnlich«, sagt Hassler, »denn es gibt nicht oft die Möglichkeit, Grüfte zu untersuchen. Daher ist es sehr speziell.« Festgestellt wurde, dass der älteste Verstorbene hier 1664 seine Ruhestätte fand, 1774 kam es zur letzten Grablegung. Früher besaß die Markuskirche fünf Grüfte, darunter eine, die für Bewohner des Schlosses Bayerhofen reserviert war. Vier Kammern wurden 1862 im Zuge einer Renovierung aufgelassen und mit Sand gefüllt. Übrig blieb nur jene unter dem Valentinsaltar.

Pauer: »1862 wurden alle Särge in der Gruft, die wir jetzt untersuchen, gestapelt. Das war auch ein Mitgrund für den nun schlechten Zustand. Denn die Behältnisse brachen aufgrund des Gewichts ein.« Das Hochwasser im Jahr 1955, als der Schoßbach überging und das Wasser auch in die Gruft drang, sorgte für weitere Schäden und immense Unordnung. 

Die haben Hassler und Pauer mittlerweile beseitigt. Die Gruft wurde von den Archäologen ausgeräumt, Sargbretter, Knochen, Grabbeigaben und Kleidung liegen sorgfältig getrennt in Kisten rund um den Valentinsaltar. Dabei bestätigte sich, was schon zuvor klar war und was Pauer so ausdrückt: »Hier wurde die High Society von Wolfsberg beerdigt. Schon einen Sarg zu bekommen, war damals ein Privileg. Arme Leute wurden manchmal nicht einmal auf einem Friedhof, sondern auf freiem Feld bestattet.« In der Gruft finden sich Mitglieder des Adels, des Bürgertums sowie der Geistlichkeit. Ein Mönch, der bei den Ausgrabungen entdeckt wurde, trug noch seine Kappe. Gefunden wurde auch eine mit Edelmetall verzierte Stola, also ein liturgisches Gewandstück, mehrere Skapuliere, worunter Stoffmedaillen mit dem Abbild der Muttergottes zu verstehen sind, dazu fünf Hauben von Bürgerinnen. Dass auch Kinder beigesetzt wurden, beweist ein kleiner Schuh. Hassler: »Die Verstorbenen trugen teils Rosenkränze in den Händen, hatten Schürzen umgebunden, alle waren herausgeputzt.«

Wie es weiter geht, schildert Kranicki so: »Die Funde werden an einem trockenen Ort zwischengelagert. Die Gruft soll in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt öffentlich zugänglich gemacht werden, ein fester Boden und eine Beleuchtung sollen installiert werden. Die Verstorbenen möchte ich in einem Sarkophag, der in der Gruft aufgestellt wird, mit Ehre und Respekt bestatten.«Die Grabbeigaben und ihre Kleidung werden den Toten nicht genommen, sondern ebenfalls im Sarkophag untergebracht.

Angebote werden eingeholt

Der Pfarrer will nun Angebote für den Sarkophag einholen, »danach wird mit dem Pfarrgemeinderat entschieden, ob wir noch heuer oder im Frühjahr beginnen«.

Hassler und Pauer klettern über eine kleine Stehleiter wieder hinunter in die Gruft, um den letzten bedeutenden Wolfsberger von der Erde zu befreien, die sich im Laufe der Jahrhunderte über ihn legte. Ihre händische Arbeit ist fast erledigt, danach werden sie eine Dokumentation erstellen – für die Wissenschaft und im Gedenken an jene, die hier ruhen.

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