Vorletzte Runde im Kampf um Stall: Vertreter der Gemeinde musste per Telefon angefordert werdenAusgabe 27 | Mittwoch, 7. Juli 2021

Die wohl letzte Bauverhandlung im zehnjährigen Ringen um einen Schweinestall in Völking ging über die Bühne. Der Bescheid soll in den nächsten Wochen ergehen. Sowohl Projektwerber als auch Gegner sehen sich als Sieger. Eine »Panne« wurde telefonisch behoben.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Auf diesem Areal in Völking, auf dem bereits Gebäude stehen (Mitte), soll der neue Schweinestall errichtet werden. Rechts im Bild sind Häuser von Anrainern zu sehen, darunter auch jenes von Otmar Kontsch, der sich gegen das Bauvorhaben seit vielen Jahren zur Wehr setzt. Er fürchtet gravierende Lärm- und Geruchsbelästigung. Foto: UN

Artikel

Wolfsberg, St. Andrä. Das vorletzte Kapitel im zehnjährigen Streit um einen Schweinestall in Völking ist aufgeschlagen. Kürzlich ging eine weitere Bauverhandlung über die Bühne. Laut dem Wolfsberger Bezirkshauptmann Georg Fejan sind aufgrund zahlreicher Einwände der Anrainer nun ergänzende Stellungnahmen der Sachverständigen notwendig. Danach kann der Bescheid, ob der Stall gebaut werden darf oder nicht, ausgestellt werden. Fejan: »Das wird sicher noch mehrere Wochen dauern.« Siegessicher geben sich nun sowohl Anrainer Otmar Kontsch, der seit 2011 gegen das Vorhaben Widerstand leistet, als auch der Wolfsberger Landwirt Ewald Halbrainer, der den Stall für 540 Tiere mit einem Lebendgewicht von 130 Kilo plus 24 ergänzende Plätze, etwa für kranke Schweine. bauen will. 

»Die Erstellung des Bescheids wird sicher noch mehrere Wochen dauern«
Georg Fejan, Bezirkshauptmann

Die Angelegenheit ist – wie berichtet – aus mehreren Gründen verzwickt: Das Gebäude in Oberaigen befindet sich gerade noch auf dem Gemeindegebiet von St. Andrä, die dortigen Anrainer hegen seit vielen Jahren massive Bedenken gegen einen Schweinestall und fürchten Lärm- wie Geruchsbelästigung, die ihre Lebensqualität und den Wert ihrer Immobilien schmälern würden. Weil zwei Gemeinden betroffen sind, liegt die Zuständigkeit bei der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg.

Rückblick

Nachdem eine Bauverhandlung im September 2020 Widersprüche in den Unterlagen offenbarte, die die Sitzung rasch enden ließen, wurde eine weitere Runde im heurigen Mai aufgrund der Pandemie kurzfristig abgesagt. Fejan lud nun im dritten Anlauf zu einer weiteren Sitzung, die vor Ort sowie im Wolfsberger KUSS (nicht öffentlich) durchgeführt wurde. Sein Resümee: »Die Verhandlung wurde erfolgreich beendet. Wir werden den Gutachtern nun die ergänzenden Fragen zusenden. Nachdem sie beantwortet wurden, gehen sie an die beteiligten Parteien, die Stellungnahmen abgeben können.«

Ist auch das erledigt, endet das Ermittlungsverfahren und der Bescheid wird erstellt. Die Frage, wie er ausfallen werde, wollte Fejan nicht kommentieren.

Kontsch sagte nach der Verhandlung: »Gegenüber anderen Verhandlungen, die ich erlebt habe, gab es große Fortschritte im Hinblick auf die Inhalte und die Transparenz. Fejan hat die Sitzung sehr gut geführt, zehn Sachverständige waren dabei. Allerdings gibt es in Halbrainers Antrag weiterhin Lücken, was ihn und seinen Rechtsvertreter, der als einziger teilweise emotional auftrat, sichtlich nervös werden ließ.« Kontsch bemängelt, dass das Stall-Konzept den letzten Stand der Technik nicht berücksichtige, was laut ihm zu einer Diskussion führte. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auf dieser Basis eine Genehmigung für den Stall geben wird«, so der Anrainer. Er kritisierte auch Halbrainers Absicht, den Stall mit Spaltböden auszustatten, wogegen sich die EU ausspricht, was in Österreich mit Ausnahmeregelungen aber rechtlich gedeckt ist. Kontsch: »Außerdem habe ich mich gewundert, als ein Vertreter der Landwirtschaftskammer sagte, der Stall müsse für mindestens 800 Schweine gebaut werden, um wirtschaftlich zu sein.«

Er berichtet auch von einer Panne: Als die Bauverhandlung vor Ort startete, fehlte ein Vertreter der Stadtgemeinde St. Andrä. »Darauf wurde versucht, telefonisch jemanden herbeizurufen, auch vom Bezirkshauptmann selbst. Erst als die Sitzung im KUSS fortgesetzt wurde, erschien der St. Andräer Amtsleiter Robert Astner persönlich, hielt sich aber im Hintergrund«, so Kontsch.

»Alles ist positiv« 

Antragsteller Halbrainer kommentierte den Verlauf der Verhandlung so: »Was soll ich noch sagen, wenn selbst Landwirte in meiner Umgebung kuriose Ansichten vertreten« – womit er wohl meinte, dass nicht alle Bauern auf seiner Seite standen. Trotzdem ist er überzeugt, seine Bauabsicht nach all den Jahren endlich durchsetzen zu können. »Jetzt wird es wohl eine Baugenehmigung geben. Wie soll die Behörde sonst entscheiden? Alles ist 100 Prozent positiv«, sagte Halbrainer. Ob er recht hat, wird sich in einigen Wochen zeigen ... 

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren