Die OlympiateilnehmerinAusgabe 16 | Mittwoch, 21. April 2021

Die Unterkärntner Profiruderin Magdalena Lobnig (30) berichtet den UN, warum sie bei der Europameisterschaft aufgeben musste, wie die Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele in Tokio verlaufen und warum sie mit Olympia eine Rechnung offen hat.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Magdalena Lobnig hofft bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio, die am 23. Juli beginnen, auf eine Medaille. Bei der Europameisterschaft vor zwei Wochen in Italien musste Lobnig krankheitsbedingt vor dem Semifinallauf aufgeben. Ihr Gesicht war plötzlich angeschwollen, der Körper ohne Kraft. Warum, erzählt sie hier. Fotos: ÖRV/KK

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Bei der Ruder-EM vor zwei Wochen in Varese mussten Sie vor dem Semifinale aufgeben. Was war geschehen?
Ich bekam eine mächtige Schwellung, mein halbes Gesicht war angeschwollen und mein Körper komplett kraftlos. Da war der einzige Ausweg, im Semifinale nicht anzutreten. Es war aber die richtige Entscheidung, so leid es mir auch tut. Ich war dann bei Ärzten, sie sagten, es sei eine Infektion. 

Wie war die EM bis zum Semifinale für Sie?
Im Vorlauf ist es mir körperlich nicht so gut ergangen. Ich habe bereits nach 500 Metern gemerkt, dass mein Körper gegen alles kämpft. Sofort nach dem Rennen wusste ich, dass wir wahrscheinlich die gesamte EM abbrechen müssen. Auch die Trainer haben gesagt, dass wir es bleiben lassen sollen. Es war natürlich eine sehr bittere Entscheidung, denn ich habe mich noch nie von einem hochkarätigen Rennen abgemeldet. Das nagt noch heute an mir, aber die Gesundheit geht vor. Ich muss ja auch auf das große Ziel in diesem Jahr schauen – und das sind nun einmal die Olympischen Sommerspiele in Tokio.

Wie geht es Ihnen mittlerweile?
Es geht mir besser, aber es ist noch nicht perfekt. Ich merke noch immer, dass der Körper gegen etwas ankämpft. Ich versuche, mich mit kleinen Schritten wieder heranzutasten und das Training langsam aufzunehmen. Schauen wir einmal, was der Körper hergibt.

Wie sehr beeinflusst Sie das für die letzte Vorbereitung auf die Olympischen Spiele?
Es beeinflusst natürlich den Wettkampfkalender, ich hätte in etwas mehr als einer Woche ein Weltcuprennen in Zagreb. Der Nationaltrainer möchte mich nicht dorthin mitnehmen. Ich will mir die Entscheidung aber offen lassen. Vielleicht werde ich bis dahin wieder fit. Ich brauche einfach Rennen, es gibt mir sehr viel Selbstvertrauen, wenn ich ein gutes Rennen fahre. Aber natürlich möchte ich auch nichts riskieren. Es sind ja nur mehr etwas mehr als drei Monate bis zu den Spielen. 

Wenn man einen Infekt auskurieren muss, dann braucht das seine Zeit. Es ist natürlich ärgerlich, dass dadurch der Wettkampfkalender durcheinander gebracht wird.

Wie sehen nun diese letzten drei Monate bis zu den Spielen mit der Vorbereitung aus?
Wir hätten alle drei Wochen große Rennen gehabt, und danach waren  Trainingslager geplant. Jetzt bin ich einmal eine Woche zu Hause und versuche fit zu werden, dann werde ich gemeinsam mit den Trainer eine Entscheidung treffen, ob ich in Zagreb an den Start gehe oder in ein Trainingslager fahre. 

Ursprünglich hätten die Olympischen Spiele 2020 stattfinden sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurden sie auf heuer verschoben. War das die richtige Entscheidung?
Es war die absolut richtige Entscheidung, die Spiel zu verschieben. Wir hatten im Vorjahr ganz andere Probleme, als die Spiele durchzuführen. Aber es ist heuer ja noch immer fast die gleiche Situation. Die Japaner überlegen bereits, die Wettkämpfe wieder zu verschieben oder abzusagen. Es steht wieder zur Debatte. Ich bereite mich nach wie vor so vor, als ob sie stattfinden werden. Ich gehe schon davon aus, dass die Olympischen Spiele heuer abgehalten werden. Eine Pandemie kann man leider nicht kontrollieren, und man muss halt schauen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln.

Wie ist es Ihnen in der Coronazeit ergangen?
Im ersten Lockdown war es natürlich sehr schwer. Ich war ja genauso wie der Rest der Bevölkerung eingesperrt. Ich konnte nicht rudern gehen, den Sport nicht ausüben. Das ist für mich eigentlich unverständlich. Denn ich bin beim Rudern alleine auf dem Boot, weit weg von anderen Menschen. Der Trainer fährt mit einem Abstand von 20 Metern auf dem Motorboot nebenher. Aber ich habe mich an die Beschränkungen gehalten. 

Am Ende des ersten Lockdowns erhielten die Ruderer eine Ausnahmegenehmigung und wir durften wieder raus. Seitdem dürfen wir wieder unsere Trainingsstätten benutzen. 

Durch die Reisebeschränkungen sind die Trainingslager durcheinander geraten, wir mussten umplanen. Wir waren den ganzen Winter in Kärnten, da wir nicht ins Ausland reisen konnten. Wenn man alles am Ruder-Ergometer machen muss, ist das nicht optimal. Im Jänner und Februar waren wir dann in Italien und haben sehr gut trainiert.

Sie kommen auf ca.  4.000 Ruderkilometer pro Jahr. Sie fahren Einsitzer. Wird das nicht langweilig?
Ich trainiere ja nicht immer alles alleine. Ich arbeite auch viel mit meiner Schwester zusammen. Und das passt mir sehr gut und macht auch sehr viel Spass. Man muss die Monotonie abbrechen, das stimmt. Da hält meine Schwester als Trainingspartnerin sehr gut her. Ich mache ja auch sonst noch viele andere Sportarten, ich gehe zum Beispiel viel auf die Berge, gehe Radfahren, und da habe ich dann den Ausgleich.

Wer sind denn Ihre Weggefährten auf dem Weg zum Erfolg?
Zu Hause meine Schwester, sie ist meine wichtigste Trainingspartnerin. Natürlich auch das gesamte Nationalteam mit den Trainern und Betreuern. Wir sind auch immer sehr viel gemeinsam unterwegs und halten alle sehr gut zusammen. 

Wir konnten jetzt noch ein zweites Boot für die Spiele qualifizieren und ich hoffe darauf, dass sich bei den kommenden Wettkämpfen noch ein drittes Boot das Olympiaticket holt.

Sie sind seit über einem Jahrzehnt an der Weltspitze im Rudern. Sie haben 2006 Ihre erste Medaille gewonnen. Wie schafft man es, sich so lange an der Weltspitze zu halten?
Mein Antrieb sind die Erfolge. Es ist aber natürlich auch sehr wichtig, ein entsprechendes Umfeld zu haben. Wenn ich nicht so tolle Sponsoren hätte, würde ich den Weg wahrscheinlich nicht so lange gehen. Es muss am Ende der Strapazen und Entbehrungen etwas herausschauen. Wenn es keine Erfolge geben würde, wäre es natürlich sehr mühsam. Es muss schon regelmäßig eine Medaille her (lacht).

Sie fahren in der Einsitzerklasse. Haben Sie sich einmal überlegt, in eine andere Bootsklasse zu wechseln?
Ich bin meine gesamten Jugend- und Juniorenjahre in Teamklassen gefahren, bis zur U23. Ich stieg erst im Erwachsenenalter in die Einsitzerklasse um. Ich habe diesen Schritt aber nie bereut, ich hatte ja von Anfang an Erfolge. Man ist im Einsitzer unabhängig, es geht mir sehr gut. Manchmal würde ich mir schon wünschen, eine Teamklasse zu fahren, aber das passiert ohnehin meistens bei Staatsmeisterschaften oder kleineren Regatten.

Sie sind 30 Jahre. Denken Sie bereits an ein Karriereende?
Das ist eine schwierige Frage. 2016 dachte ich mir bereits, nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro  aufzuhören. Ich habe dann weiter gemacht, und die folgenden Jahre waren die erfolgreichsten meiner Karriere. Ob ich nach Tokio weitermache, werde ich danach überlegen. Aber derzeit macht mir der Rudersport sehr viel Spaß und ich merke, dass ich noch immer stärker werde. Und solange das der Fall ist und die Motivation da ist, warum dann aufhören? 

In Rio wurden Sie Sechste. Eigentlich ein tolles Ergebnis, Sie waren aber unzufrieden.
Bis zum Semifinale war alles super. Im Finale habe ich es leider nicht gebracht. Das war enttäuschend. Am Vortag bin ich ein tolles Semifinale gefahren, im Finale klappte nichts. Ich kam nicht annähernd an die Erwartungen heran. Bitter! In Tokio möchte ich beweisen, dass ich es besser kann, und im besten Fall eine Medaille holen.

Wenn es mit einer Medaille nichts wird, sehen wir Sie 2024 bei den Spielen in Paris?
Schauen wir einmal. In der Ruderwelt ist man mit 30 Jahren im besten Alter. Die Weltmeisterin in meiner Bootsklasse ist 40 Jahre. 

Die Spiele 2024 werden hoffentlich vor Zusehern stattfinden. Würde dann eine große Fangemeinde aus Ihrer Heimat zur Unterstützung nach Frankreich kommen?
Das wäre voll lässig und eine coole Sache. Auch nach Tokio wollte ein kleiner Kreis fliegen, aber das geht nun wegen der Corona-Pandemie nicht. 

// Zur Person

Magdalena Lobnig wurde am 19. Juli 1990 in St. Veit geboren und lebt in Völkermarkt. Lobnig ist Heeressportlerin (Rang: Zugsführer) beim Heeressportleistungszentrum 07, Faak am See. Außerdem studiert sie Business Administration und Sport.
2016 gewann sie Gold bei der EM in Deutschland, dazu kommen drei Silbermedaillen bei Europameisterschaften und zwei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften.
2012 gewann sie bei den U23-Weltmeisterschaften im Doppelsitzer die Goldmedaille. Bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro wurde Lobnig Sechste.

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