FF-Häuptling Wolfgang Weißhaupt: »Ich würde niemals zustimmen, Rüsthäuser zu schließen« Ausgabe 35 | Mittwoch, 26. August 2020

FF-Bezirksfeuerwehrkommandant Wolfgang Weißhaupt (55) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über seine Anfänge bei der Freiwilligen Feuerwehr, neue Herausforderungen für die Kameraden, seine Familie und seine Leidenschaft für die heimischen Berge.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Der Lavanttaler Bezirksfeuerwehrkommandant Wolfgang Weißhaupt ist aber nicht nur Feuerwehrmann mit Leib und Seele, sondern ist auch immer wieder gemeinsam mit Ehefrau Rosmarie sportlich auf den Lavanttaler Bergen unterwegs – egal ob beim Skifahren oder bei einer Biketour.  Fotos: KK

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Seit wann sind Sie bei der Feuerwehr und wie kamen Sie dazu?
Ich bin im Jahr 1979 der Freiwilligen Feuerwehr in Wolfsberg beigetreten. In diesem Jahr fanden auch Kommandantenwahlen bei den Feuerwehren statt und ich war der erste Neuzugang für den damals gewählten Kommandanten der FF Wolfsberg, Josef Gnamusch. Ich war damals 15 Jahre alt, durfte aber noch nicht zu Einsätzen mitfahren, denn das war erst ab 16 erlaubt.

Wie ging es mit Ihrer Feuerwehrlaufbahn weiter?
Ich habe an Kursen teilgenommen und Führerscheine für die Klassen C, E, F, G gemacht und war in weiterer Folge als Maschinist und Kraftfahrer bei der Feuerwehr tätig. Im Laufe der Zeit absolvierte ich zahlreiche weitere Kurse und habe mich an der Kärntner Feuerwehrschule weitergebildet. Ab dem Jahr 1997 war ich dann Kommandant-Stellvertreter der FF Wolfsberg unter Joachim Ressler und 2003 wurde ich zum Kommandanten in Wolfsberg gewählt. Dieses Amt habe ich bis 2015 ausgeübt, und seit diesem Jahr bin ich Bezirksfeuerwehrkommandant im Lavanttal.

Wie hat sich das Feuerwehrwesen im Laufe dieser Zeit verändert?
Es gab schon gewaltige Veränderungen, vor allem was die Technik betrifft, wie die Fahrzeuge und den Funkbereich, aber auch Alarmierungs- und EDV-Systeme werden ständig auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Da hat sich sehr viel getan.

2008 wurde im Bezirk die Jugendfeuerwehr eingerichtet. Wie ist dabei der Zuspruch?
Es gibt im Bezirk 36 Feuerwehren, 35 freiwillige und eine Betriebsfeuerwehr, mit über 1.800 Kameraden. Und trotzdem hätten manche kleinere Wehr ohne die Jugendfeuerwehr ein Nachwuchsproblem. Aktuell gibt es an sechs Stützpunkten mit rund 70 Jugendlichen eine Jugendfeuerwehr. Nur im Abschnitt Unteres Lavanttal verfügen wir über keine. Ab dem zehnten Lebenjahr kann man beitreten, mit 15 Jahren wechselt man in den aktiven Stand. Es ist eine tolle Möglichkeit für die Jugendlichen, Kameradschaft zu leben und sich Wissen anzueignen, das im Aktivstand voll zur Geltung kommt.

Es gibt noch immer recht wenige Frauen bei der Feuerwehr. Wie ist der Stand im Lavanttal?
Im Bezirk gibt es einen Frauenanteil von rund vier Prozent. Das hat sich vor allem durch die Jugendfeuerwehr gesteigert. Leider sehen viele die Feuerwehr noch immer als Männerdomäne. Aber Frauen machen die selben Kurse und Ausbildungen und verrichten den selben Dienst wie die Männer. Die Frauen stehen den Männern um nichts nach.

Sie sind nun fünf Jahre der oberste Brandbekämpfer im Tal. Wie sieht Ihr Resümee aus?
Ich konnte die Wünsche und Forderungen der heimischen Feuerwehren beim Landesfeuerwehrverband einbringen, und viele davon wurden auch positiv erledigt. Das funktioniert recht gut. Aber man muss sich natürlich auch erst in diese Funktion »reinlernen«, ich bin auch Koordinator mit anderen Rettungsorganisationen, der Bezirkshauptmannschaft, kann Hubschrauber anfordern und vieles mehr. Als Bezirksfeuerwehrkommandant muss ich aber auch immer wieder die Kärntner oder Lavanttaler Feuerwehren bei zahlreichen Veranstaltungen repräsentieren. Da bin ich viel in ganz Kärnten, ja sogar Österreich unterwegs, um Termine wahrzunehmen, die mir der Kärntner Landesfeuerwehrverband vorgibt.

Was waren während Ihrer über 40-jährigen Tätigkeit bei der Feuerwehr die spektakulärsten Einsätze?
Dazu zählen sicher die Hochwassereinsätze 2012 und 2018 in Lavamünd. 2012 stand ja der ganze Ort unter Wasser, 2018 konnte das letztendlich durch zahlreiche Maßnahmen verhindert werden. Und dann natürlich auch der Brand des Bundesschulzentrums im Jahr 2008. Aber daneben gab es natürlich noch zahlreiche Einsätze unter schwierigen Bedingungen, wie zum Beispiel Busbrände auf der Autobahn oder schwere Verkehrsunfälle – teilweise auch mit Toten.

In Österreich wird gerade eine Sammelklage gegen Fahrzeughersteller vorbereitet, da diese Preisabsprachen getroffen haben und Fahrzeuge zu teuer verkauft worden sein sollen. Schließen sich die Lavanttaler Feuerwehren dieser Klage an?
Der Kärntner Landesfeuerwehrverband hat die Empfehlung ausgesprochen, sich dieser Klage anzuschließen. Das müssen die Gemeinden machen, die bereits darüber informiert wurden. Den Gemeinden entstehen dadurch keine Kosten, wie viele Lavanttaler Gemeinden sich anschließen werden, kann ich aber nicht sagen. Es geht dabei um Summen von 10.000 bis 15.000 Euro pro Fahrzeug. Leider ist davon auszugehen, dass der Prozess sehr lange dauern wird. 

In einigen Gemeinden gibt es ja mehrere Feuerwehrstützpunkte, manche liegen auch örtlich recht eng zusammen. Man denke an Wolfsberg, St. Stefan, St. Johann und Reideben, wo die Rüsthäuser nur ein paar Kilometer voneinander entfernt sind. Wäre es sinnvoll einige zu schließen und die Feuerwehr an einem Standort zu konzentrieren?
Das hörte man in der Politik sehr oft, um Kosten zu sparen. Aber mittlerweile ist auch diese Forderung eher verstummt. Wolfsberg hat alleine elf Feuerwehren. Das hat sich historisch ergeben, da die Ortschaften um Wolfsberg früher eigene Gemeinden waren. Aber eine Zusammenlegung wäre schon aus kultureller Sicht nicht sinnvoll. Die Feuerwehren sind auch ins Ortsleben eingebunden und ein wichtiger Faktor dafür. Außerdem haben sich die kleinen Wehren spezialisiert, so hat etwa die FF Reideben ein eigenen Waldbrandpaket, mit dem Brände gezielt bekämpft werden können, und sie ist auch mit einer Drohne ausgestattet. Außerdem sind unsere Feuerwehrleute berufstätig. Daher müssen bei Einsätzen oft mehrere Wehren gemeinsam ausrücken, damit ein komplettes Team gewährleistet ist. Rüsthäuser zu schließen ist heute kein Thema mehr und dem würde ich auch niemals zustimmen. 

Was sind die größten Herausforderungen für die Feuerwehr?
Der Klimawandel betrifft uns alle. Sei es durch die steigenden Gefahren, die von Dürren, Waldbränden, Stürmen und Hochwassern ausgelöst werden. Zum Glück blieben wir in diesem Jahr von Überschwemmungen bisher verschont.

Wie hart hat die Coronakrise die Feuerwehren getroffen?
Durch die Covid-19-Bestimmungen konnten keine Feste abgehalten werden. Österreichweit ist den Feuerwehren ein Einnahmenentgang von rund 100 Millionen Euro entstanden. Bei uns im Tal würde ich den Entgang mit mehreren hunderttausend Euro beziffern. Auch Schulungen, Übungen usw. konnten nicht durchgeführt werden.

Zum Privaten: Haben Sie Frau und Kinder?
Ich bin seit 37 Jahren mit meiner Frau Rosmarie verheiratet, wir haben zwei Kinder. Roland ist 39 Jahre und Daniela 33. Und mit Raphael haben wir auch ein Enkelkind.

Was machen Sie hauptberuflich?
Ich bin seit 1984 Handelsreisender für Tabakwaren und Raucherrequisiten.

Rauchen Sie?
Seit 10. Juni 2013 bin ich Nichtraucher. Ich musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Es geht mir auch überhaupt nicht ab. Das spielt sich alles nur im Kopf ab.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Wir haben drei Pferde. Und wenn es die Zeit zulässt, bin ich mit meiner Frau sehr viel mit dem Rad unterwegs, wir unternehmen Wanderungen und im Winter bin ich regelmäßig zum Skifahren am Klippitztörl. 

Welche privaten Pläne haben Sie für die Zukunft?
2026 habe ich 45 Dienstjahre, dann werde ich in Pension gehen.

Und dann gibt es eine große Weltreise?
Nein. Wir wohnen in einer Gegend, in der andere Menschen Urlaub machen. Das ist unbezahlbar. Es gibt im Lavanttal und in Kärnten noch so viel zu entdecken, da braucht es keine große Reise.

Sind Sie ein WAC-Fan?
Ich bin jetzt nicht bei jedem Spiel im Stadion, aber ich verfolge alle Matches zumindest im Radio. Wenn es die Zeit zulässt, sehe ich mir natürlich Spiele in der Lavanttal-Arena an. Ich bin sehr stolz darauf, was der WAC erreicht hat. Er ist ein Aushängeschild für Wolfsberg. Seit der WAC in der Bundesliga ist, kennt Wolfsberg ganz Österreich. Ich bin österreichweit unterwegs und ich werde immer wieder auf den WAC angesprochen.

Haben Sie persönlichen Wünsche für die Zukunft?
Das Wichtigste ist die Gesundheit – also gesund bleiben.

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