Dieter Dohr: »Mit dem Auftreten von Covid-19 hat ein Umdenken in der Gastronomie stattgefunden«Ausgabe 25 | Mittwoch, 17. Juni 2020

Gerüchte machten im Tal die Runde, dass das »Badido« zusperrt oder schon verkauft sei. Dieter Dohr erklärt im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten, wie die aktuelle Situation aussieht und wieso das Coronavirus einen Einfluss auf seine Entscheidung hatte.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Für Dieter Dohr (Bild oben) ist die Entwicklung des Betriebs ausschlaggebend, dass er den Betrieb weiterführt. Covid-19 hat bei ihm zu einem Umdenken geführt, wie er verrät. Foto: UN-Archiv

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Bad St. Leonhard. Das Lokal »Badido« des Bad St. Leonharder Vizebürgermeisters Dieter Dohr wurde in den vergangenen Wochen vermehrt zum Objekt hartnäckiger Gerüchte. »Der Verkauf sei schon fix« war nur eine der Wortmeldungen. Die Unterkärntner Nachrichten trafen sich mit dem Gastronomen, der für Klarheit sorgte.

Die Situation war wie folgt: Ein höheres Lohnsystem, als es bei anderen Betrieben der Fall ist, Sponsoring-Ausgaben des Lokals und ein stetig wachsendes Tagesgeschäft wurden zum Problem. »Zu Spitzenzeiten hatten wir 24 Mitarbeiter. Das Problem war, dass immer mehr gekocht wurde, weshalb die Verdienste in die Höhe und der Gewinn zurückgingen«, beginnt Dieter Dohr. 

»Mein Grundsatz war immer, zu den Mitarbeitern fair zu sein«
Dieter Dohr, Badido

»Mein Grundsatz war immer, zu den Mitarbeitern fair zu sein und einen langen Planungsweg zu haben, wie es mit dem Betrieb weitergeht«, so Dohr weiter. Eine erste Hürde für diese langfristige Planung stellte das Rauchergesetz dar, mit dessen Inkrafttreten im November des Vorjahrs, das Thekengeschäft automatisch zurückging. Dohr: »Hier liegt der Profit des Betriebs, der dadurch um 50 Prozent eingebrochen ist. Doch so wie es im Leben oft ist, gibt es keinen Verlust ohne Nutzen«. Der Nutzen lag für das »Badido« darin, dass ab diesem Zeitpunkt um rund 50 Prozent mehr Speisen verkauft wurden. Dieser Anstieg habe den Verlust des Thekengeschäfts fast wettgemacht. Allerdings sei aufgrund dessen die Rendite gesunken. »Wir haben schnell reagiert und konnten unsere Grundmannschaft von 17 Mitarbeitern behalten«, erklärt Dohr.

Die Suche nach dem Nachfolger
»Meine Überlegung war: Ich bin 48 Jahre alt. Mein älterer Sohn ist 15 Jahre alt und beginnt jetzt mit der Tourismusschule. Mein jüngerer Sohn ist drei Jahre alt. Also ist kein Nachfolger in Sicht«, so Dohr, der hinzufügt: »das war die Situation vor Corona. Ich hatte die Überlegung, ob es sinnvoll ist, den Betrieb einem Gastro-Ehepaar zu verpachten, das das »Badido« weiterführt.«

Mit dem Auftreten der Coronakrise hat sich die Situation allerdings schlagartig verändert. 14 der 17 Mitarbeiter wurden von Mitte März bis Mitte Juni in Kurzarbeit geschickt. »Meine Frau war im Homeoffice, deshalb habe ich mich der Kinderbetreuung angenommen. Sie durften ja auch nicht zu den Großeltern«, verrät Dohr. Besuche in der Kirche und tägliche Spaziergänge durch die Gemeinde standen am Tagesplan. Zu Mittag wurde gekocht, nachmittags die Büroarbeiten erledigt. Und abends? »Abends hatte ich dann Zeit für die Familie. Mit dem Auftreten von Covid-19 hat ein Umdenken in vielen Bereichen der Gastronomie stattgefunden – so auch bei uns«, erklärt Dohr.

Das Fazit des Umdenkens: Sonntags, montags und feiertags hat das »Badido« geschlossen. »Die doppelten Gehälter an den Feiertagen sind schlichtweg nicht kostentragend«, stellt Dohr klar. Von Dienstag bis Samstag wird ganztägig gekocht. Am Samstag steht zudem ein erweitertes Speiseangebot für die Gäste zur Verfügung. 

Aktuell liegt der Umsatz des Betriebs laut Dohr bei rund 60 Prozent, verglichen mit der Zeit vor Corona. Zwei Drittel entfallen auf das Essen, ein Drittel auf die Getränke. »Sollte die positive Entwicklung in dieser Form, mit einem System, weitergehen, werde ich das Lokal auch weiterführen«, gibt Dohr bekannt. Nichts daran ändern soll auch der Ausgang der Bürgermeisterwahlen, die am 28. Februar 2021 stattfinden und bei denen Dieter Dohr mit der Liste Dohr für Bad St. Leonhard antritt. Ausschlaggebend ist auch im Fall, dass Dohr Bürgermeister wird, die positive Entwicklung des Betriebs.

Das »Badido« besteht bereits seit 17 Jahren. Alleine führt Dieter Dohr den Betrieb seit dem Tod seiner Mutter vor mittlerweile sieben Jahren. Große Bekanntheit erlangte Dohr durch den Gewinn bei einem Rubellos, das ihm ein Leben lang monatlich 3.000 Euro beschert. Das Geld investiert Bad St. Leonhards Vizebürgermeister vorrangig in die Löhne seiner Mitarbeiter und in Aktivitäten der Gemeinde.

// INFO
Café-Restaurant Badido
Dieter Dohr
Klagenfurter Straße 230
9462 Bad St. Leonhard
Tel.: 04350/2361
Das Café hat dienstags bis samstags täglich von 6 bis 23 Uhr geöffnet. Küche gibt es von 11.30 bis 21 Uhr.

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